Alte "Ring-Stories"

F1 auf der Nordschleife, 1000km-Rennen oder die historische Nürburgring Südschleife.
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Uwe Erdmann
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Beitrag von Uwe Erdmann » Fr 06.Okt, 2006 10:14

Schade dass das Thema eingeschlafen ist :!:

Rudi Izdebski
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Beitrag von Rudi Izdebski » Sa 09.Dez, 2006 17:17

Hier eine Geschichte von Stuck (aus der Rallye Racing 12/84):

"[...] In negativer Erinnerung ist mir der Grand Prix von Deutschland 1976 auch noch wegen einer anderen Geschichte geblieben.

Damals war mein Vater - schon weit über 70 Jahre alt - noch dabei. Er wollte das Rennen gerne sehen, und ich habe damals die Veranstalter gebeten, ob Vater nicht auf die alte Esso-Terrasse mit hinauf dürfe. Mir wurde gesagt, die sei zwar für das Präsidium des Automobilclubs von Deutschland reserviert, aber es würde schon gehen.

Es war nicht einfach, den alten Mann dorthin zu schleusen. Zu zweit mußten wir ihn stützen, schließlich hatte er damals schon ein künstliches Hüftgelenk.

Der Ärger begann, als die AvD-Leute vor dem Start eine Diskussion unter Ausschluß der Öffentlichkeit führen wollten. AvD-Sportpräsident Huschke von Hanstein bestand darauf, daß mein alter Herr die Terrasse verlasssen müsse: "Wir müssen etwas Wichtiges besprechen, geh doch mal wieder runter". Mein Vater versuchte, Hanstein zu beschwichtigen: "ich tue Ihnen doch wirklich nicht weh, wenn ich da sitzen bleibe. Ich kann doch sowieso nicht runtergehen und irgend etwas weitererzählen, was hier besprochen wird."

Aber vergebens: Am Arm wurde der alte Mann zwei Treppen hinuntergeschleppt und am Ausgang neben den Treppenstufen in die Zugluft auf einen harten Holzstuhl gesetzt. Ich fand dieses Verhalten unheimlich kleinlich immerhin sind Hanstein und mein Vater zusammen und gegeneinander Rennen gefahren und haben auch sonst weite Teile ihrer Vergangenheit gemeinsam erlebt.

Das hat mich sehr enttäuscht [...]"

Rudi

Wolfgang Berndt
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Beitrag von Wolfgang Berndt » So 04.Feb, 2007 14:35

11.7.1976, Großer Preis der Tourenwagen am Ring.

Im alten Fahrerlager -damals natürlich das aktuelle- saß vor Box Nr. 1, wo man mittlerweile Currywurst mit Pommes erwerben kann, Hans-Joachim Stuck auf der Haube seines Luigi-BMW. Mit einem dünnen Seil war der für´s Fußvolk verbotene Bereich abgesperrt. Lediglich ein Profifotograf war innerhalb, ca. 50 Leute außerhalb dieser Absperrung.

Der Fotograf ging seiner Arbeit sehr proffessionell nach. Mit einem Belichtungsmesser hing er dauernd im Gesicht vom Striezel und gab jede Menge Anweisungen: "Herr Stuck, den Kopf bitte etwas höher." "Herr Stuck, bitte die linke Hand nicht so hoch halten." "Herr Stuck, etwas weiter auf die Motorhaube rutschen." etc.

Das Volk rundherum war teilweise amüsiert, teilweise genervt wegen der andauernden Nörgelei dieses Fotofuzzies. Bis einer der Leute von außerhalb im gleichen Tonfall wie der Fotograf rief: "Herr Stuck, bohren Sie mal bitte in der Nase." Der ließ sich natürlich nicht zweimal bitten und stopfte einen Finger tief in sein Riechorgan.
Das Volk brüllte vor lachen, der Fotograf wurde sichtlich ruhiger danach.

Ich war damals erst 12 Jahre und erinnere mich sehr gut an die Szene. Ein Freund von meinen Vater hatte diese Show komplett auf Super 8. Auf den angehängten Fotos ist sie leider nicht drauf.

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Wolfgang Berndt
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Beitrag von Wolfgang Berndt » So 04.Feb, 2007 15:30

300 km-Rennen 1974

Mit meinen Eltern saß ich im Brünnchen. Wenn ich mich richtig erinnere, wurde das Rennen bei trockener Strecke gestartet. Nach einiger Zeit wurden die Fahrer jedoch von einem Platzregen überrascht. Emerson Fittipaldi und und Herbert Müller fuhren beide Porsche 917/10, Müller übrigens mit der seltenen Startnummer 0.

Herbert Müller drehte sich mit seinem Porsche im Bergaufstück Richtung Eiskurve ohne irgendwo anzuschlagen, jedoch so unglücklich auf der Strecke stehenbleibend, dass ein Rückwärtsrangieren unumgänglich wurde. Ob das Sportgerät keinen Rückwärtsgang hatte oder er nicht einzulegen war, weiß ich nicht.

Jedenfalls rief Herbert Müller den vor ihm hinter der Leitplanke stehenden Streckenposten wild gestikulierend etwas zu. Sah so aus, als wollte er die Herren dazu auffordern ihn ein Stück zurück zu schieben. Diese lehnten jedoch energisch ab, wobei ich mich zu erinnern glaube, das einer der Streckenposten sich mit dem Zeigefinger auf die Stirn tippte. Angesichts der im Platzregen teils unkontrolliert vorbeischlitternden Autos auf der Strecke hielt ich diese Reaktion für durchaus angemessen.

Selbst ist der Mann: Herbert Müller stieg aus seinem Porsche und schob diesen kurzer Hand selber ein paar Meter zurück. Wieder reingehüpft gab er wieder tüchtig Gas.

Der ganze Vorgang dauerte bestimmt zwei Minuten.

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Eine etwas seltsame und zugleich traurige Geschichte von Herbert Müller kann ich auch noch erzählen:

Am 1.4.1978 am Ring, bei welchem Rennen weiß ich nicht mehr (Herbert Müller fuhr einen March 76S, schwarz, Nr. 11), bekam ich endlich ein Autogramm von ihm. Mit meinem Album in der Hand stiefelte ich zu Herrn Müller und bat ihn um die noch fehlende Unterschrift. Er nahm das Album bereitwillig in die Hand, den von mir gereichten Stift ebenfalls. Als er auf die bereits aufgeschlagene Seite des Albums schaute, stockte er kurz. Auf der rechte Seite waren Foto und Unterschrift des 1975 tödlich verunglückten F1-Fahrers Mark Donohue zu sehen. Ich meine so etwas wie "abergläubig" aus Herbert Müllers Mund verstanden zu haben.

Zuerst wollte er mir das Album zurückgeben. Dann blätterte er vor und zurück, fand keine freie Seite und unterschrieb dann doch neben Mark Donohue.

Am 24.5.1981 verunglückte Herbert Müller auf dem Nürburgring tödlich.

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Rudi Izdebski
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Beitrag von Rudi Izdebski » Mi 14.Mär, 2007 13:37

DRM Super Sprint 1982:

Beim Super-Sprint-Rennen 1982 auf der Betonschleife verunfallte Walter Brun mit dem Sauber SHS C6 beim Anbremsen der Nordkehre. Im stumpfen Winkel schlug er in die Planken, der Wagen fing Feuer. Außerdem war der Rahmen beschädigt.

Das Rennen zur DRM war damit für Brun gelaufen.

Aber Brun fuhr ja auch noch einen M1 in der Trophy. Einen Tag später (im Rennen) fing sein M1 beim Anbremsen der Nordkehre Feuer. Ein Schwingungsdämpfer brach, und das auslaufende Öl sammelte sich unter Walter Bruns Füßen. Als es dann Feuer fing, stieg Brun -bei noch etwa 60 km/h- aus dem Wagen aus.

“Ich wäre auch bei 200 km/h rausgesprungen” meinte Walter Brun anschließend.

Die Story des Rennens, in dem man Stommelen nach einem Boxenstop mit drei Slicks und einem Intermediate wieder auf dei Strecke schickte, gibt es hier:

http://www.i-t-d.net/Fahrer/Rolf_Stomme ... int_82.php

Rudi

Pascal Mertens
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Beitrag von Pascal Mertens » Mo 19.Mär, 2007 12:22

Echt KLasse eure Geschichten und die alten Bilder!!

Rudi Izdebski
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Beitrag von Rudi Izdebski » Sa 15.Aug, 2009 0:12

Anläßlich des 1000km-Rennens 1979 wollte Walter Röhrl Ricardo Patrese mal zeigen, was Rallye-Fahren eigentlich ist - und Patrese war neugierig.

Lancia war komplett vor Ort, und im Fahrerlager stand ein Rallye-Stratos. Was dann kam beschrieb Rallye Racing so: Ganz in der Nähe suchte sich Röhrl eine “Sonderprüfung” aus. Walter: “Eine ganz lange Rechts, ein richtig schöner Waldweg.” Und Walter fuhr los, “etwa 180, also ganz normal”. Und dann? “Dann kam eine Mulde, in der hast nicht hineing’sehen. Und in der Mulde stand ein Audi 80. Dann hab i schnell sortiert was geht, denn links war nur ein Zaun und rechts eine Böschung lang.” Und Ricardo? “Der hat grauenhaft g’schrie’n, der Weltmeister. Das konnt’ er net fassen. Für ihn hätt’s nur eins geb’n: Frontal.”

Rudi

Rudi Izdebski
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Beitrag von Rudi Izdebski » Do 10.Dez, 2009 15:23

Ein kleiner Auszug mit Bezug auf Ecclestone aus „Flott gelebt –Der Nürburgring-„ vom damaligen Geschäftsführer der Nürburgring GmbH, Rainer Mertel, und dem unvergessenen Luki Scheuer:

---snip---
„Meine denkwürdigste Begegnung mit Ecclestone fand im Jahre 1988 statt. Mehrere Monate lang hatte ich versucht, mit seinem Werbe-Adlatus Patrick McNally handelseinig zu werden. Wer zu den Formel-1-Rennstrecken gehören will, hat alle Werbemöglichkeiten an McNally abzutreten. Da dies am Nürburgring wegen der den einzelnen Veranstaltern eingeräumten Rechte, über die sich die Nürburgring GmbH nicht hinwegsetzen wollte, nicht ohne weiteres möglich war, gerieten die Verhandlungen ins Stocken. Um zu vermeiden, daß das Tauziehen ewig währte, hatte der Aufsichtsrat mir eine Frist gesetzt, binnen derer die Vertragsverhandlungen abgeschlossen sein mußten.

Da also Eile geboten war, rief ich Ecclestone an und bat um einen raschen Termin. "Kein Problem, Du kommst zum nächsten Formel-1-Rennen nach Portugal. Dort können wir reden", lautete die Antwort. Ich setzte mich, nachdem mir Bernies Büro das Datum, die Uhrzeit und den Treffpunkt unseres Gesprächs bestätigt hatte, noch einmal mit ihm in Verbindung und bat um Deponierung einer Karte für das innere Fahrerlager. Dort steht jeweils der FOCA-Bus, Ecclestones Büro-Residenz auf Rädern, in dem unser Treffen stattfinden sollte. Karten für dies "Allerheiligste" kann man nicht kaufen. Wer dort hinein will, muß vom "Herrn und Meister" zugelassen sein. Im Laufe der Jahre hat Ecclestone das System der Eintrittskarten immer mehr ausgeklügelt. Die Zahl der Diensttickets wurde drastisch reduziert. In die Boxengasse und in das Fahrerlager dürfen nur noch wenige handverlesene Personen oder aber die, die für ein "Paddock-Club-Ticket" 1.200 US-Dollar pro Person zu zahlen bereit sind. Er selber möchte entscheiden, wer zu dem erlaubten Personenkreis der Zugelassenen gehört, zumindest aber möchte er kräftig kassieren.

Nachdem auch die Bestätigung für die Kartenreservierung eingetroffen war, setzte ich mich in das nächste Flugzeug und flog nach Lissabon.

Erich Zakowski, damals noch im Formel-1-Geschäft, hatte mir eine Unterkunft in seinem Hotel, was sage ich, "Schloß", besorgt. Diese edle Bleibe, idyllisch mitten in einer Parklandschaft gelegen, hatte nur einen Nachteil, sie lag weit ab vom Schuß, etwa 30 km von der Rennstrecke entfernt.

Bevor ich also mit dem Taxi mein Nachtlager aufsuchte, fuhr ich zu Bernies Hotel nach Cascais, um das für den nächsten Tag benötigte Fahrerlagerticket in Empfang zu nehmen.

Mittlerweile war es Spätnachmittag und ich spazierte in aller Ruhe am malerischen Hafen des Fischerstädtchens vorbei auf Bernies Nobelunterkunft -er logierte stets wie ein englischer Lord- zu.

Dort angelangt, erkundigte ich mich nach meinem Ticket.

"Mr. Ecclestone ist noch nicht eingetroffen. Ein Ticket für Sie ist nicht hinterlegt", wurde ich beschieden. Wann denn" Bernie" käme, wollte ich wissen. Dies sei äußerst unbestimmt. Ich könne es am späten Abend ja noch einmal versuchen.

Mein Blutdruck schwoll und der Kragen wurde enger. Aber aller Unmut half nichts. Ich mußte unverrichteter Dinge wieder abziehen.

Ins Hotel zu fahren, lohnte sich nicht, also setzte ich mich in eine gemütliche Fischerkneipe am Hafen und ließ meinem "zornigen Appetit" freien Lauf. Trotz der hin und wieder ausgestoßenen Flüche über die mir zuteil gewordene Behandlung, mußte ich zugeben, daß das Essen und der Wein vortrefflich schmeckten.

Kurz nach 21.00 Uhr - es war schon dunkel - machte ich mich abermals zu Bernies Hotel auf. Die Antwort, die man mir nachmittags hatte zuteil werden lassen, wiederholte sich. Als ich gerade zu einer Schimpfkanonade ansetzen wollte, sehe ich Ecclestone wie er wieselflink über die Hoteltreppe ins Foyer herabeilen. Ich spurtete auf ihn zu und fragte, ob es bei unserem Termin bliebe. "Aber ja, morgen um 10.00 Uhr", erwiderte Bernie, "Und wo kann ich das verdammte Ticket kriegen, damit ich zu Dir in den Bus kann?", wollte ich wissen. "Das macht mein Mr. Smith." Er sprach's und war verschwunden.

Ich fragte nach jenem ominösen Mr. Smith, den es natürlich nicht gab, und setzte mich schließlich vor Zorn bebend ins Taxi. Auf der 30 km langen Fahrt in mein Quartier habe ich alle Schimpfwörter rhapsodiert, die mir die pfälzische Muttersprache zuteil werden ließ, und das sind einige. Jedenfalls räsonierte ich noch lauthals als ich im Hotel ankam.

Erich Zakowski und sein damaliger Konstrukteur Brunner saßen am Kaminfeuer. Später gesellte sich noch der Formel-l-Pilot Bernd Schneider dazu. Ich schilderte wütend mein Erlebnis, und meine Schilderung gipfelte in der Bemerkung, daß ich erstens morgen mit der frühesten Maschine abreisen werde und zweitens dieser Herr "Ekelstein", wie ihn die Österreicher völlig zu Recht nennen, "mich am A... könne" (es schloß sich das Götz-Zitat an). Zakowski gelang es schließlich beim dritten Whisky, mich zu beruhigen. "Du fliegst morgen nicht nach Hause", sagte er bestimmt. "Du bist es dem Nürburgring schuldig, die Kröte zu schlucken und mit Bernie zu verhandeln. Hier hast Du von mir ein PreQualifying-Ticket. Damit kommst Du bis morgen früh 12.00 Uhr überall hin.

Wenn Bernie Dich fragt, wie Du ohne Ticket hättest zu ihm kommen können, sagst Du einfach, Du hättest seine Wärter bestochen", grinste er listig.

Dieser Vorschlag gefiel mir außerordentlich. Mein Seelenfrieden war wieder hergestellt.

Am anderen Morgen war ich pünktlich am FOCA-Bus. "Weißt Du, Bernie", grüßte ich ihn, "Deine Karten-Hinterlegungsaktion hat zwar nicht funktioniert, aber das macht überhaupt nichts. Mit ein paar Scheinchen hier und da ist es ein Kinderspiel, in Deinen Drahtverbau hineinzukommen. "

Wie von der Tarantel gestochen schoß der kleine Mann in die Höhe. Er sauste in das Bus-Vorzimmer und ließ die Büromannschaft strammstehen. Schließlich kehrte er zurück und entschuldigte sich. Seine Crew habe mein Ticket irrtümlich unter dem Namen meiner Sekretärin abgelegt.

Wir haben uns nicht einigen können wegen eines Formel-1 -Laufes am Nürburgring. Er wollte mehr, als wir geben konnten, und ich mußte unverrichteter Dinge nach Hause reisen. Allerdings blieb mir die klitzekleine Genugtuung, den "großen Zampano" in dem Bewußtsein zu lassen, auch in sein "Königreich" könne man nach dem Motto "Wer gut schmiert, der gut fährt", leicht eindringen kann.

RM

---snap---

Wer die Möglichkeit hat, das Buch noch irgendwo zu erwerben, sollte unbedingt zugreifen.

cu,
Rudi

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Klaus Tweddell
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Beitrag von Klaus Tweddell » Di 15.Dez, 2009 6:39

Bild
alter beitrag vom Sa 14.Dez, 2002 20:05
hallo,
hier noch eine schöne Geschichte vom 1000km Rennen 1964. Etwa Mitte des Rennens geriet Chris Lawrence mit dem Morgan SLR kurz vor dem Karussell von der Strecke ab, warum ist mir bis heute schleierhaft.

kleiner nachtrag an dieser stelle:
beim goodwood revival traf ich chris lawrence, mittlerweile auch schon 76 jahre alt, dennoch mit guter erinnerung an diesen vorfall:
es sei der dümmste "unfall" in seiner rennfahrer-karriere gewesen. bei der anfahrt zum karussell habe er im rückspiegel einen roten wagen gesehen, und in der annahme, es handele sich um den in führung liegenden ferrari prototypen habe er diesen noch vor der steilkurve passieren lassen wollen, allerdings sei er mit dem auge im rückspiegel geblieben und habe zu spät gemerkt, dass sich sein slr-morgan mit den linken rädern bereits auf abwegen befand. schon im straßengraben festsitzend musste er einen irrtum einsehen: der ihn überholende und lässig mit der hand zuwinkende fahrer war nicht der ferrari, sondern der hinter ihm liegende konkurrent in seiner klasse.


Nachdem alle Versuche gescheitert waren , den Wagen wieder auf die Strecke zu fahren, bemühte sich Lawrence bei den Zuschauern um ein zweckdienliches Holzfällerwerkzeug. Mit diesem verschwand er dann auf der anderen Seite der Strecke jenseits der hecken, um kurz danach mit einer frisch gefällten und sauber entasteten Eifeltanne , die er quer über die Strecke zog ,wieder zu seinem festsitzenden Morgan zurückzukehren. Mit eigener Kraft schaffte er es denn auch, das hübsche Alu-Coupe anzuhebeln und schließlich wieder freizubekommen. Nach nicht ganz einer Viertelstunde war der Morgan wieder im Einsatz.

Mancher wird fragen:Warum haben die Zuschauer nicht mitgeholfen?
Nun, damals war es verboten, fremde Hilfestellung in Anspruch zu nehmen, um ein Fahrzeug wieder fahrtüchtig zu machen, dazu zählte natürlich auch das Anschieben oder Anheben, was zur Disqualifikation führte.

Übrigens gibt es diesen Morgan, von dem nur 3 Exemplare gebaut wurden, heute noch.

Rudi Izdebski
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Beitrag von Rudi Izdebski » Sa 09.Jan, 2010 22:14

Hallo Klaus,

nach so langer Zeit noch aus erster Hand zu erfahren, was wirklich passiert ist, finde ich sehr erfreulich.

Lange wird es solche Möglichkeiten nicht mehr geben....

Danke für die Information.

cu,
Rudi

Rudi Izdebski
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Beitrag von Rudi Izdebski » Sa 09.Jan, 2010 22:18

300 km-Rennen 1974

[...]

Selbst ist der Mann: Herbert Müller stieg aus seinem Porsche und schob diesen kurzer Hand selber ein paar Meter zurück. Wieder reingehüpft gab er wieder tüchtig Gas.

Der ganze Vorgang dauerte bestimmt zwei Minuten.
Trotzdem wurde Müller noch Zweiter in dem Rennen. Bis auf das Rennen in Silverstone, wo er auch Platz 2 belegte, gewann er in diesem Jahr alle Rennen mit dem 917/30.

BTW: Darf ich das Bild eventuell in der 917-chassis registry verwenden?

cu,
Rudi

Wolfgang Berndt
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Beitrag von Wolfgang Berndt » Mi 27.Jan, 2010 21:32

Rudi Izdebski hat geschrieben:
300 km-Rennen 1974

[...]

Selbst ist der Mann: Herbert Müller stieg aus seinem Porsche und schob diesen kurzer Hand selber ein paar Meter zurück. Wieder reingehüpft gab er wieder tüchtig Gas.

Der ganze Vorgang dauerte bestimmt zwei Minuten.
Trotzdem wurde Müller noch Zweiter in dem Rennen. Bis auf das Rennen in Silverstone, wo er auch Platz 2 belegte, gewann er in diesem Jahr alle Rennen mit dem 917/30.

BTW: Darf ich das Bild eventuell in der 917-chassis registry verwenden?

cu,
Rudi
Hallo Rudi,

habe leider gerade erst wieder hier reingeschaut.

Gerne kannst Du das Bild wie oben genannt verwenden.

VG
Wolfgang

Gast

Beitrag von Gast » Mi 27.Jan, 2010 22:21

Ich habe in etwa 18 24h Rennen am Ring wirklich viele Stories erlebt. Oft war es aber das drumherum... wenn Interesse besteht, dann schöpfe ich mal aus dem Vollen.

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Uwe Erdmann
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Beitrag von Uwe Erdmann » Do 28.Jan, 2010 10:42

Aber sicher doch, wir warten auf Lesestoff :D

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Alfred Lönze
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Beitrag von Alfred Lönze » Do 28.Jan, 2010 12:06

Autor 3 hat geschrieben:.. wenn Interesse besteht, dann schöpfe ich mal aus dem Vollen.
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