Einander verstehen - Fahrer werden Streckenposten

Aus dem Cockpit an die Tastatur.
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Philipp Buehler
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Beitrag von Philipp Buehler » Mi 07.Jul, 2010 11:02

Da bekomm ich schon wieder "Lust" ;)

Sollten aber mal noch andere Fahrer sich mal dieser Erfahrung ohne
Fahren hingeben 8)

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Gerrit Bisping
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Beitrag von Gerrit Bisping » Mi 07.Jul, 2010 12:28

ich finde diese Art von "Erfahrungsberichten" einfach nur geil - neben den "Cockpitgeständnissen" von Dirk sind dieses "Streckenpostenberichte" das Salz in der Suppe!

Sehr schön auch der dezente Hinweis an die Automobilhersteller in Sachen Einsatzfahrzeuge für die ONS-, sorry DMSB-Streckensicherung... Bei den eingesetzten Fahrzeugen ist ja schon der eine oder andere "Klassiker" dabei. Für den Autofan schön, aber für die Sicherheit der Fahrer nicht mehr ganz so optimal.

Wieviele KM haben die denn wohl auf der Uhr? Ein Großteil der Streckensicherungsfahrzeuge wird ja auch an anderen Rennstrecken eingesetzt (glaube ich zumindestens).

Jürgen Esser
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Beitrag von Jürgen Esser » Mi 07.Jul, 2010 21:22

Hallo Peter_Hoffmann,

das ist ja ein klasse Bericht - auch, nach dem ich ihn zum zweiten mal las fand ich, das er informativ geschrieben ist und sicherlich manch einen die Arbeit der "StreSis" eher schätzen lernt.

Und nicht zuletzt: lange nicht mehr brachte ein ernster Bericht mich so oft zum lachen...

Zum Thema Staffelfahrzeuge:

Auch als "Nur-Zuschauer" denke ich, das da mal der ein oder andere Hersteller seinen allerwertesten in Bewegung setzen sollte - oder beide! Es wäre schön, die Staffel auf aktuellem technischen Niveau zu haben - es heißt doch immer: Safety first! Und das gehört doch dazu!

Zum Thema "Kennzeichnung der Anfänger":

Als - wie gesagt - "Nur-Zuschauer" kann ich das natürlich nicht beurteilen. Hier im Forum wurde allerdings das Thema der "vorsichtigeren" Fahrer ja schonmehrfach angeschnitten - jetzt bin ich gespannt auf die Reaktionen...

Ansonsten:

Einen solchen Bericht -gleichzeitig informativ wie humorvoll - wünsche ich mir bald wieder!

Grüße

Joe

Uli Paffenholz
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Beitrag von Uli Paffenholz » Do 08.Jul, 2010 8:11

Endlich mal wieder ein Peter Hofmann Bericht, diesmal von der anderen Seite. Einfach klasse zu lesen, man kann sich direkt in das Geschehen hineindenken.
Danke an Peter und besonders an alle Sportwarte, die für Sicherheit rund um den Ring sorgen.

Ein besonderer Gruß an Peter Welter, der auch mit 71 Jahren im Bereich Pflanzgarten immer noch seinen Mann steht (fährt)!!!!!!

Mit motorsportlichen Grüßen

Uli Paffenholz

Erik Kindermann
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Fahrer als Sportwart - es geht weiter

Beitrag von Erik Kindermann » Mo 15.Jul, 2013 13:32

Und wieder konnte ein Fahrer aus der VLN mit uns einen Einblick in unsere Tätigkeit gewinnen, aber lest selbst von seinen Eindrücken.

Mit den Augen der Andern - Erlebnisbericht als Flaggenazubi bei der VLN

Fünf Uhr Samstag Morgen und der Wecker reist mich aus dem Schlaf. Puh ist das früh! Jetzt heißt es fertigmachen und ab zur VLN an die Nürburgring Nordschleife.

Noch etwas Müde mache ich mich auf zum Ring, denn ich habe eine Einladung von Marco Greifendorf und seinem Sohn Yannick, beide Sportwarte aus Leidenschaft, ausgesprochen bekommen. Ich darf an diesem Tag mal die andere Seite der Leitplanke erleben, denn Normalerweise fahre ich bei Roadrunner Racing einen Renault Clio Cup in der VLN / 24H Rennen.

Es ist 6:30 Uhr und ich treffe die beiden wie verabredet am Parkplatz der Sportwarte. Schnell lade ich meine persönlichen Sachen ins Auto der beiden - hatte ja einige Tipps bekommen, was ich so alles benötige um den Tag an der Strecke gut zu Überstehen. Vielen Dank Euch beiden für diese Tipps und auch ganz herzlichen Dank für das hervorragende "Catering" !

Kurze Zeit später stehen wir im Fahrerlager und bekommen unseren Flaggensatz von Erik, unserem „Chef“, sprich Abschnittsleiter, ausgehändigt. Ich lernen weitere Sportwarte aus unserem Abschnitt kennen, die anderen sind schon auf dem Weg in den Abschnitt und ich werde Sie später treffen. Von allen werde ich sehr herzlich aufgenommen und somit fühle mich schnell wohl. Unweigerlich schweift mein Blick immer wieder in Richtung der Boxen und ich bekommen etwas Heimweh zu meinem Rennauto und meinem Team. Schon etwas komisch so aus dem gewohnten Rhythmus raus zukommen, denn gleich würde ich zur Fahrerbesprechung gehen und dann endlich ab ins Auto… Marco drängt zum Aufbruch und somit ist Schluss mit Träumen!

Los geht's in eine mir noch unbekannte Welt, wenn auch wir alle Motorsport betreiben. Wir fahren über die Grand Prix Strecke und die Nordschleife zu unserem Arbeitsplatz. Es ist der Posten 202 die Hohenrain Schikane. Dort angekommen richten wir den Posten her. Feuerlöscher, Bindemittel, Besen, etc. müssen bereitgestellt werden und der Flaggensatz wird ausgepackt - so sieht also mein "Handwerkszeug" für den Tag aus schisst es mir durch den Kopf. Marco und Yannick erklären mir den Ablauf und wie ich mich zu verhalten habe und geben mir eine Einweisung in das Thema Sicherheit, denn das Thema Sicherheit steht an erster Stelle und ich bekomme ein erstes Gefühl wie gefährlich der Job sein kann.

Es ist 8:30 Uhr und wir hören die Motoren aufheulen, jetzt also geht's los! Knapp 10 Minuten Später fliegen die ersten Autos auf uns zu und bin total überrascht wie meine Fahrerkollegen es gleich brennen lassen. Nix mit mal eine Runde zügig fahren und sehen wie die Streckenbedingungen sind und wie sich das Auto anfühlt. Die haben doch alle einen Knall denke ich - aber ehrlich gesagt - ich bin ja nicht anders! Ich schauen den beiden erstmal zu und versuche so viel wie Möglich von Ihnen zu lernen. Mit Ende des Training steht für mich fest, das wird ein spannender und anstrengen der Tag.

Die Pause zwischen Training und Rennen nutzen wir um den Streckenrad abzugehen um nach allerlei Dingen Ausschau zuhalten die da nicht hingehören. Wirklich unglaublich was man da so findet. Taschenlampen, Zeltheringe, Flaschenböden, Schrauben, Bolzen usw. Alles Dinge die die Besucher von Rock am Ring "vergessen" haben. Wieder wird mir klar wie wichtig die Sportwarte für mich/uns als Fahrer sind. Einen 25 cm langen Zelthering zu überfahren kann mit absoluter Sicherheit ganz böse ins Auge gehen - sprichwörtlich! Nach der Rückkehr an unseren Posten erzählen mir die beiden wie Sie zu diesem Job, nein Leidenschaft gekommen sind. Leidenschaft ist wirklich der richtige Ausdruck, denn wir hatten einen schönen Tag erwischt mit gutem Wetter, aber wenn ich daran denke wie das Wetter in der Eifel sein kann und wie lang so ein Tag ist, dann kann ich nur ganz tief meinen Respekt zollen. Im nu verfliegt die Zeit und die Motoren heulen wieder auf, es geht für meine Kollegen nun ins Rennen und ich bin gespannt wie große die Augen sind kurz vor dem Start - was ich dann erlebt habe war der Hammer - die Augen wahren wirklich sehr sehr groß! Danke das ich das mal erleben durfte!

Die ersten Runden verlaufen ohne größere Zwischenfälle und ich kann noch mal genau zusehen wie Yannick und Marco das machen und ehe ich was sagen kann, stehe ich selber mit der blauen Flagge da. Puh ist das nahe dran! Schnell stelle ich fest, wie schwer es ist zu entscheiden, welchem Auto zeigt man die blaue Flagge und welchem nicht. Wie oft habe ich im Auto gedacht was zeigen mir die denn jetzt die blaue Flagge - der kann mich doch gar nicht überholen ich bin doch viel schneller. Jetzt weiß ich warum! Viele Situation sehe ich nun mit ganz anderen Augen. Überhaupt scheint es, das es immer noch sehr viel Unmut auf beiden Seiten der Blank gibt. Liebe Fahrerkollegen stellt Euch mal einen Tag an die Strecke mit den Sportwarten. Ich bin mir sicher, das viele Flüche die wir alle schon mal unter dem Helm in Richtung der Sportwarte geschickt haben nicht mehr nötig sein werden. Damit aber auch die Sportwarte auch weniger über uns Fluchen müssen, sollten wir die Möglichkeit schaffen das aus unseren Augen zusehen. Vielleicht könnt Ihr ein Sportwart Freitags eine Runde im Rennauto mitfahren lassen? In den viel Gesprächen über den Tag hinweg scheint mir ein Dialog in dieser Form das Beste zu sein. Das Unverständnis resultieren aus Unwissenheit! Ich für meinen Teil habe viel gelernt an diesem Tag und möchte es nicht versäumen an dieser Stelle allen Sportwarten von ganzem Herzen Danke zusagen für Euren unermüdlichen Einsatz! Ihr macht meinen Sport sicherer! Vielen Dank!

Die Zeit verfliegt nur so und ich finde mich mehr und mehr ein in meine "Arbeit" und es macht richtig Spaß. Plötzlich klingelt das Posten-Telefon und wir bekommen die Nachricht das das Rennen unterbrochen wird - Rote Flagge! Fragend schauen wir uns an was wohl passiert ist. Gerüchte machen die Runde. Es sollte ein ganz schwarze Tag für unseren Sport werden.

R.I.P. Wolf und Alain


Geschrieben von
Thomas D. Hetzer

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