[VLN / 24h] Aus VLN555.de wird VLN600.de

Aus dem Cockpit an die Tastatur.
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Peter_Hoffmann
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[VLN / 24h] Aus VLN555.de wird VLN600.de

Beitrag von Peter_Hoffmann » So 16.Mär, 2008 22:38

VLN600.de oder... TCFFAVLN555.de (the car formally found at VLN555.de)

So. Wieder da. Am Ring. Oder besser gesagt an dem, was davon noch übrig ist. Nu' isse rum, die Test- und Einstellfahrt und ich berichte erstmalig in '08. Erstmal ein Paar Grundsätzlichkeiten vorweg:

Die 555 ist nicht mehr die 555. Also schon... aber nicht die 555 aus 2007. Der oder dem ein oder anderen wird’s aufgefallen sein... die drei Fünfen kleben jetzt auf 'nem Daimler. Nein, ich habe mich nicht in einen Unimog eingemietet, die VLN hat im Winter Startnummern-Mikado gespielt und die V2 hat sich wohl bewegt. Wir haben also einen anderen Startnummernkreis in 2008 und somit sind wir/bin ich meine heissgeliebte Startnummer los. Dumm gelaufen. Als Ersatz gab es die 600. Zugegeben, nicht ganz so witzig wie drei Fünfen, aber ok. Mal ehrlich... 600-645... welche Nummern gibt es da schon die „rocken“? Nun gut... ich fahre dieses Jahr jedenfalls die 600.

Ja, ja... ich war auch da Gestern. Ich bin auch gefahren. Mit dem neuen Auto. Und nein... es ist nicht blau-gelb. Startnummer 129 bei der Test- und Einstellfahrt. Gestern war es noch schneeweiss und nächstes Wochenende wird es bunt. Wie bunt, dass verrate ich noch nicht. Auffällig bunt jedenfalls, dass verspreche ich. Meine Frau hat das Auto nach den Entwürfen spontan und liebevoll „Prinzessin Lillifee“getauft. So bunt! :D :D

Zum Beweis das ich da war:
Bild
(Ich hoffe, Racepix verzeiht mir das Ausleihen des Bildes!)

Ich fahre dieses Jahr für Hoffmann Motorsport und gegen Mick und Herbert denen über Winter ein Kofferraum am Hasenstall gewachsen ist. Na ja... gegen wäre reichlich optimistisch. Ich fahre einfach nicht mehr mit ihnen trifft es wohl eher. Ich denke, dass ich bei Iris und Conny in guten Händen bin. Technisch, was die Erfahrung angeht und einfach auch vom Wohlfühl Faktor her. Ich hab mich Gestern wohl gefühlt und Spass gehabt und deswegen mache ich das Ganze schliesslich.

Aber genug der Vorrede... zum Wesentlichen, zum Bericht.

Ich bin Freitag Abend schon in Müllenbach eingefallen um unser traditionelles Zimmer zu beziehen. Schon bei der Vorbeifahrt am Ring dachte ich mir „Hossa“. Na ja... im Dunklen sieht man nicht so viel, also hielt sich der Schock in Grenzen.

Hab mich dann mit Herbert und Mick noch in Müllenbach getroffen und mir von den beiden angehört, wie ihr erster Test (sie sind Freitag schon gefahren) gelaufen ist.

Samstag Morgen das gewohnt gute Frühstück und dann auf an den Ring. Wenn ich nicht gewusst hätte wo ich hin muss, dann hätte ich die Kraterlandschaft nicht auf Anhieb indentifizieren können! „Shocking“ würde das der Engländer wohlerzogen, tiefstapelnd wohl kommentieren. Ich schliesse mich dem mal an. Einfahrt durch's alte Fahrerlager und dann ein kleiner Morgenspaziergang an die Box.

Guten Tag, ich bin der Neue. Irgendwie doof sowas. Da wirst Du 42 und kommst Dir vor wie der Knirps, der in 'nen neuen Kindergarten kommt. Aber meine neue Kindergartentante ist 'ne ganz liebe! Erstmal zur Papierabnahme, Lizenz vorzeigen. Dann Fahrerbesprechung... bzw. erstmal die Suche danach. Na 10 Minuten Fragerei erleuchtet mich die Rennleitung. Ich stehe also auf der Treppe und schreie den Kollegen freundlich zu, dass wir alle rauskommen sollen in die Boxengasse, da entscheidet sich die Rennleitung doch spontan für's Pressezentrum. Prima... es ist 10:00 Uhr und Du bist bereits der Depp des Tages, geht ja gut los.

Die wichtigste Nachricht der Fahrerbesprechung... wir fahren die NGK im F1-Modus. Ja. Herbert und Mick hatten mich vorgewarnt. „Brems' blos nicht bei „50“ sonst stehst Du das erste Mal im Kies.“ Normalerweise reichen 'nem V2 die besagten 50 Meter für eine ausreichende Verzögerung zum Zwecke des durchaus zügigen Durchfahrens der NGK Schikane. Normalerweise.

Also ab in die Box. Nun wollte ich 'nen Lauen machen und meinen Kollegen erstmal fahren lassen. Tja... Wir kennen das. Hätte, wäre, wenn, wollte. Der läuft noch in Zivil rum und alles schaut mich erwartungsvoll an. Super. Also raus ins Gewühl. Toll. Lasst mich doch erstmal wach werden... aber nein. Ich ziehe mir mein Geraffel an und stelle fest, dass mein HANS noch im Kofferraum meines treuen Transport-Zossen liegt. Auch gut. Dann halt ohne HANS. Ich lasse das Team wichtig wissen, dass ich mir das Ganze erstmal zwei Runden anschaue und Reiner (Bardenheuer) sich doch dann bitte richten möge. Erstmal will ich mir den neuen Asphalt begucken und dann mal ein Zeitenründchen einlegen, aber das garantiert nicht ohne HANS.

Raus und den Sightseeing-Modus aktiviert. Hui... die Schlickes grippen bei knapp 7° nicht so richtig. Ich verzichte allerdings auf erheiternde Pirouetten, fahre zweimal GP Kurz. Das erste Aha-Erlebnis hab' ich Kurz vor Ende Start-Ziel. Da war mal 'ne Brücke. Eine eher unbedeutendes Detail der Szenerie? Weit gefehlt. Du tuckerst in 'nem V2 so die Gerade runter, Du hast ja Zeit. Du spielst an Schaltern, schaust auf die bunten Schilder entlang der Boxenmauer und irgendwann kommt dann die Brücke. Das war so das Zeichen wach zu werden und auf das 100er Schild zu achten um ab dem Punkt zu beweisen, dass die V2 vielleicht geradeaus nicht schnell aber doch Helden auf der Bremse sind. Plötzlich ist da keine Brücke mehr. Ah ha. Da war eben das 100er Schild. Irgendwie war „Linie“ nicht ganz der passende Ausdruck für die erste Durchfahrt des nach dem Herrn Haug benannten Hakens. Drei Kurven weiter erhole ich mich langsam von dem Erlebnis und denke so bei mir „denk dran: NGK is' eng. Nicht erst bei 50 bremsen.“ Du kommst den Berg runter und denkst „sieht doch alles aus wie immer“. Bis Du fast drin stehst. Da geht es richtig Links rum und die Curbs sind schweinisch. Was ein Geeiere! Noch 'ne Runde und dann raus. Die Viper bläst direkt Eingangs Hatzenbach an mir vorbei und verteilt erstmal Minimum 5 Liter feinstes Eifel-Super auf dem Vorderwagen meines 318. Nun stinkt es im Auto endgültig nach Sprit. Ich mache mir eine geistige Notiz doch auf den Aschenbecher für das 24h Rennen zu verzichten.

Der neue Asphalt ist geil. Noch nicht ganz grippig, aber wenn wir allesamt erstmal richtig Gummi gelegt haben, dann wird’s sicher lustig. An einigen Stellen sind die üblen Bodenwellen weg und man kann sicher bald noch etwas zügiger als gehabt zu Werke gehen. Viel mehr sehe ich in dieser ersten Runde nicht. Weil ich nicht viel sehe. Mein Helm mit meinem Kopf drin spielt Ping-Pong zwischen den Käfig Polstern und ab und an hissen die Augen die weisse Flagge. Trotzdem gehe ich in Runde zwei. Ich hätte sie mir sparen sollen. Sobald Du anfängst etwas zügiger zu fahren, steigert sich die Schlagzahl. Schlagzahl ist hier wörtlich gemeint. Ich weiss jetzt, wie sich diese silberne Kugel im Flipper fühlt. Nee... so wird das nix. Ich fahre die Runde zuende und fahre rein. Ich erkläre kurz das Problem und verliere meine Käfig-Polster. Geht doch. Plötzlich ist Platz. Ein ganz anderes fahren. Also wieder raus.

Der Sitz ist genial. Sorry, wenn ich hier Werbung mache aber der Recaro SPG ist tatsächlich der einzige Sitz in dem man als ausgewachsener (ich meine das jetzt eher kilotechnisch) Mensch sitzen kann und der sich nicht verdreht wie ein Lämmerschwanz. Richtig gut! So langsam fängt es an Spass zu machen. Ausgangs Mutkurve sehe ich ein weisses Heck. Ein Ferrari Scuderia. Schönes Auto. Ich hole auf. Was? Genau. Ich hole auf. Also entweder haben Connys Jungs hier fälschlicherweise einen SP7 Motor verbaut oder der hat leichte Schwierigkeiten zu entscheiden wofür welches Pedal in dem Auto ist. Eingangs Karussell habe ich noch ca. 50 Meter, am Ausgang überlege ich, wieviel wohl die Stoßstange von so 'nem Auto kostet. Aber nein, der macht Platz. Er macht Platz und blinkt. Is' klar, nä? Ich beschleunige also aus dem Karussell raus 'nen 400+ PS Ferrari aus. Und nein, er hat kein Problem, er versucht mir nämlich hinterher zu fahren. Der Versuch endet allerdings Eingangs Hohe Acht und im Wippermann kann ich ihn nicht mehr sehen. Ich glaube ich hab' erst in der Eiskurve mit dem Kopfschütteln aufgehört. Im kleinen Karussell holt mich dann allerdings Rolf Derscheid auf den Boden der Tatsachen zurück. Er brät an mir vorbei, dass mir klar wird, dass ich hier immer noch viiieeel zu langsam bin. Er knallt voll durch den Galgenkopf, ich gebe den Feigling und lupfe einmal. Schon habe ich verloren und schaffe es nicht, seinen Windschatten zu halten. Achso... ich hab' ja auch gar kein HANS an... ich beschliesse in die Box zu fahren und Reiner das Feld zu überlassen. Ich fahre später nochmal 2-3 Runden in zügig.

Dazu sollte es allerdings leider nicht mehr kommen. Reiner musste nach knapp zwei Stunden Fahrt feststellen, dass 8.500 U/Min für das Motörchen des 318er zuviel sind. Er klingt wie 'n Sack Murmeln und das war's für Heute. Schade!

Trotzdem war es ein schöner Tag! Ohne Stress, ohne Hektik, ich bin einfach gefahren. Pflanzgarten ging gut und der Unfall ist endgültig raus aus der Rübe. Allerdings hat mir Rolf mal wieder drastisch gezeigt wo ich die Sekunden liegenlasse. Von Pflanzgarten bis Galgenkopf hab' ich noch 'ne Menge Arbeit vor mir! Der Schritt zu Hoffmann Motorsport zu wechseln war richtig, ich hab' mich auf Anhieb wohl gefühlt. 'ne tolle Truppe!

Über Ostern erhält Prinzessin Lillifee ihre Kampf-Beklebung und über Ostern werde ich unsere Website mal auf den aktuellen Stand bringen... und dann kann's losgehen! Ich freue mich auf die Saison 2008! Ich freue mich die wiedergesehen zu haben, die schon da waren und ich würde mich freuen, wenn der Rest sich am 28./29. blicken lässt. Box 24, statt 23.

Mit 'nem lieben Gruß an Euch alle von der 600!

Peter

PS: Übrigens... ein riesen Dankeschön für die Nominierung zur Wahl zu Fahrer des Jahres! Es hat mich riesig gefreut, allerdings bin ich ehrlich und gebe zu, dass es mir peinlich gewesen wäre tatsächlich in der Wahl aufzutauchen. Die sollte meiner Meinung nach den wirklich schnellen Fahrern und Fahrerinnen vorbehalten bleiben und davon bin ich ganz, ganz weit entfernt. Ich arbeite dran schneller zu werden, versprochen... aber zu den ganz Schnellen werde ich sicher nie gehören. Macht aber nix... ich bin ja zum Spass hier, genauso wie Ihr!

Marius Köhler
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Beitrag von Marius Köhler » So 16.Mär, 2008 23:05

So ein toller Bericht, und das "nur" von der Einstellfahrt :)

Ich wünsche Dir eine erfolgreiche und knitterfreie Saison 2008 und uns natürlich, dass Dich Deine Schreiblust nicht verlässt!

Friedhelm Rogies
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Beitrag von Friedhelm Rogies » So 16.Mär, 2008 23:38

Hallo Peter,
mal wieder ein toller Bericht! Man ist beim Lesen fast schon live dabei.
Ich wünsche Dir eine erfolgreiche und knitterfreie Saison 2008 im 600er.

Und auf Dein Angebot komme ich demnächst zurück!! Du weißt bescheid :lol:

Viele Grüße

Friedhelm

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Beitrag von Karola Neumann » Mo 17.Mär, 2008 8:04

Hallo Peter

Der Bericht war wie immer genial oh wie habe ich diese schöne Rennberichte vermisst, du bist zwar nicht der Fahrer des Jahres geworden aber du bist der beste in Geschichten schreiben da müsste es auch einen Preis dafür geben. Freu mich schon auf den nächsten Vln lauf da muss ich mal in die Box 23 gucken muss ja eh in die 22 um den schwarzen zu Begutachten.
Viel Glück in dieser Saison mit deinem neuen Team und hoffentlich immer weit vorne.

Liebe Grüße aus dem schönen Spessart Strepo Karo und Peter(Posten 149)

Erik Kindermann
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Beitrag von Erik Kindermann » Mo 17.Mär, 2008 9:57

Hi Peter,

ich kann mkich nur meinen Vorredner anschließen. Endlich ist die Winterpause vorbei und wir können uns an deinen Berichten wieder erheitern.

Es schaut wirklich "schaurig" am Ring aus. Ich war ja 2008 schon zweimal vor Ort und habe mir das Trauerspiel ansehen können.

Ich freue mich jetzt schon auf den 12.04, wenn ich dich endlich wieder in Aktion sehen kann.

PS.
Überlege gerade, ob ich am 29 meine beiden "Ziehjungs" mir schnappe und Euch mal in Box 24 auf den Geist gehe.

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Thomas Bongartz
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Beitrag von Thomas Bongartz » Mo 17.Mär, 2008 10:09

Hi Peter,

jetzt kann die Saison losgehen, noch kein km VLN aber schon ein toller Rennbericht :smt023 Ich wünsche dir und dem Team ganz viel Spass und Erfolg, und bitte versorg uns weiterhin mit deinen Eindrücken aus dem Cockpit! Und noch eins - Fahrer des Jahres wird man HIER nicht allein durch fahren von schnellen Runden :wink:

Allzeit gute Fahrt wünscht,

Thomas

Frank Ullrich
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Beitrag von Frank Ullrich » Sa 22.Mär, 2008 19:00

Hallo Peter,

toller Bericht , und das schon von den Einstellfahrten. Ich wünsche dir jedenfalls für 2008 viel Glück im neuen Team. Ist das eigentlich ein 318 oder ein 318 IS ?

Ich hätte übrigens für euere Lillyfee ein Maskottchen. Ist eine 6 jährige blonde Nachwuchszicke die auf den Namen Lilly hört und meine Tochter ist.
:D

Gruß

Frank

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Peter_Hoffmann
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Ein Einstand nach Maß für Prinzessin Lillifee

Beitrag von Peter_Hoffmann » So 13.Apr, 2008 23:58

Ein Einstand nach Maß für Prinzessin Lillifee
Die Bilder im Text sind von Martin Berrang (Fahraufnahmen) und Miri (Impressionen).

Einen wunderschönen, guten Sonntag zusammen und willkommen zurück zum Langstreckenpokal! Entgegen aller meiner (persönlichen) Befürchtungen mussten wir Gestern doch nicht alleine Kreise im Käfig fahren. Die oder der ein oder andere hat uns dann doch zugeschaut. Dafür erstmal ein herzliches Dankeschön! Ohne die Fans Rennen zu fahren wäre auch irgendwie doof gewesen. Nun hat sie uns endgültig wieder, die Strecke, die so gefährlich ist, dass man sie offenbar in einen Drahtverhau stecken muss. Schön war's und Zeit war's!

Diesmal keine Eindrücke vom Freitag, denn Freitag war ich nicht da. Ein unaufschiebbarer Termin hat mich daran gehindert. Ich wurde genötigt den neuen (Serien) V8 M3 zu fahren, den ganzen Tag lang. Die Strecke war nicht mit der Nordschleife zu vergleichen, eher Marke „klauen wir doch 'nem Säugling den Schnuller“ aber das Auto ist schon ein Fahrmaschinchen allererster Güte und sorgt für ganz, ganz heftiges Kreisgrinsen. Allerdings...

...bereitete mir das spielen am Freitag dann am Samstag Morgen leichte Probleme. Der Umstieg von 420 V8 PS auf deren 140 war deutlich schwieriger als erwartet. Mein erster Samstags-Kommentar ans Team war: „der Motor zieht keinen Hering vom Teller“. Na ja... wenn Dir jemand über Nacht fast 300 PS klaut... wen wundert's. Und dabei war die Prinzessin richtig gut in Form. Hiermit entschuldige ich mich also nochmal in aller Form bei ihrer Majestät. Majestät war ausreichend bei Kräften, allein der Kutscher war's, ihro Gnaden.

Samstag Morgen 7:00 Uhr im Fahrerlager. Einer der Nachteile, wenn man Freitags nicht da ist, dann muss man den ganzen Orga-Krempel am Samstag erledigen. Papierabnahme, Klamotten abnehmen lassen und überhaupt erstmal den „Renn-Modus“ wiederfinden. 5:20 Uhr aufstehen, 6:15 Uhr Frühstück, 7:00 Uhr im Fahrerlager, 7:45 Uhr Fahrerbesprechung. Manchmal fragt man sich schon, ob man die richtige Sportart gewählt hat. Hallenhalma Turniere fangen garantiert erst Mittags an. Irgendwann sitze ich dann jedenfalls endlich in der Fahrerbesprechung und so ganz allmählich kommt Vorfreude auf. „Schnell“ noch ein Bändchen in original „Lillifee Kampfpink“ gefasst und auf geht’s zum fröhligen Zeitfahren.

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Das neue Team

Die geneigten Stamm-Leser kennen das von mir... am liebsten werde ich erstmal in Ruhe wach, lausche dem stimmungsvollen, vielzylindrigen Auftakt-Konzert und drehe dann heimlich meine Runden, wenn die anderen schon wieder an den Feierabend denken. Doch wie immer... mir wurde in den Kuchen gepustet (es war diesmal übrigens ein Schokoladen Kuchen). Ich stürze zum Auto, ziehe mich im Laufen an und alle Fahrer in der Box hassen mich. Was bitte kann ich denn dafür, dass unser Auto ganz vorne steht, somit im Mittelpunkt und allen im Weg? Genau. Nichts. Müssten wir nicht 7 Autos auf dem Platz verteilen, der für 3 vorgesehen ist, dann würde es gehen. Heult der VLN die Ohren voll, aber nicht mir!

Raus in die Boxengasse, im Fahren die Gurte nochmal festgezurrt, pinkes Bändchen vorgezeigt und los geht’s. Ja. Ich „beschleunige“ aus der Box. Wie gesagt... mein Hirn ist noch auf 420 PS geeicht und ich habe das Gefühl ich hätte versehentlich das Bobby-Car meines kleinen Neffen bestiegen. Einmal GP, zweimal GP und so langsam bauen die Slicks auch sowas ähnliches wie Grip auf. Also raus in den Dschungel.

In der Hatzenbach fällt mir auf, dass irgendwer die Käfig-Polster wieder eingebaut hat. Jetzt ratet mal, wie ich das bemerkt habe? Egal. Zum Rumheulen ist nachher noch Zeit, wenn ich wieder in der Box bin, jetzt gehen wir erstmal auf die Suche nach der Zeit. Zwei Runden und dann Wechsel auf Reiner, der fährt drei und dann ich den Rest. Dieses war der Plan. Die erste meiner beiden Runden bin ich damit beschäftigt in meinem Gedächtnis zu kramen, was ich wo nochmal gemacht habe, um da oder dort halbwegs schnell um die Kurve zu fahren.

Was auffällt... es sind Fahrer unterwegs, da zieht es einem die Schuhe aus und ich gehöre hier noch nichtmal zu den schnellen Fahrern! Ich knalle fast 'nem SP6 M3 ins Heck, der wohl irgendwo direkt vor der Mutkurve ein Tempo 30 Schild gesehen haben muss. In Runde zwei lasse ich (blöderweise) am Schwedenkreuz 'nen Porsche vorbei, am Aremberg zieht 'n V4 oder V5 BMW sauber innen durch und unten in der Fuchsröhre knallen wir beide dem Kollegen in dem Porsche fast ins Heck als der in der Senke den Anker wirft. Hallo? Jemand zuhause? Dafür, werter Kollege war mein freundlicher Gruss auf der Döttinger Höhe und wenn Du im Adenauer Forst 'n Tick langsamer gewesen wärst, hätte ich Dir Deine hintere Stoßstange abrasiert, nachdem Du mir dann noch so freundlich die Tür zugeknallt hast, weil es ja nicht sein kann, dass Dich 'n V2 aussen überholt. Aber da bist Du wohl auch selber drauf gekommen und konntest Dich dann doch daran erinnern wo das Team Dein Gaspedal versteckt hat! Jedenfalls war plötzlich massig Adrenalin da, eigentlich ideal für noch ein Ründchen aber dann war auf der Döttinger Höhe erstmal Schluss. Vorne liegt viel Schrott und wir müssen alle parken.

Es hat den Frikadelli Porsche, den V8 Star und noch einen Porsche erwischt. Die drei haben heftig Ping Pong an der Leitplanke gespielt. Was mich allerdings sehr nachdenklich stimmt ist das Bild, dass ich sehe als ich dann an der Unfallstelle vorbeirolle. Direkt hinter der Einschlagstelle ist ein Posten und die Sanis ziehen gerade die Trage aus dem Krankenwagen.

Liebe VLN: Es wäre mehr als nett, wenn Ihr uns Fahrer wissen lassen würdet, wie es den Streckenposten geht, die dort gestanden haben! Es ist gut zu wissen, dass es den Kollegen Fahrer Schrägstrich Innen gut geht, aber wir wüssten auch gerne ob bei den Posten alles ok ist!

Auf dem Weg in die Box ist das Adrenalin weg. Ich versuche die Reifen auf dem Stück wieder sauber zu fahren und parke dann so auf der Höhe der Box 13 in der Boxenstrasse. Ich sage dem Team, dass sie die Reifen kontrollieren sollen bevor sie Reiner mit dem Auto wieder rausschicken. Es war unmöglich um die ganzen Trümmer herumzufahren, die da gelegen haben und daher... besser einmal zuviel nachschauen als einmal zu wenig!

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Parken und posen in der Boxengasse

Reiner hat dann unsere Zeit gesetzt und ich konnte quasi in der letzten Minute des Trainings nochmal eine komplette Runde fahren. Ungezeitet, weil keine Zeit mehr war für die Anlauf-Runde über die Kurzanbindung, aber dafür in aller Seelenruhe und völlig ohne Verkehr. Die Runde hat richtig Spass gemacht und war Genuss pur.

Startplatz 12 von 15. Im Zeittraining waren wir noch 16, aber einer hat es wohl nicht ins Rennen geschafft. Trotzdem sind Reiner und ich nicht frustriert. Weiter hinten zu starten macht es einfacher sich aus allem rauszuhalten und wenn die erste Runde rum ist, dann schauen wir mal. Keiner von uns beiden will den Start fahren, also werfen wir 'ne Münze. Ich verliere und bin somit der Startfahrer. Wir sind uns einig, unsere Taktik lässt sich ganz kurz zusammenfassen: Ärger vermeiden und... abgerechnet wird zum Schluss.

Durch die Unterbrechung und den Zeitverzug herrscht Chaos. Keiner weiss was, niemand hat 'ne Ahnung wann, was losgeht. Ich gehe zur zeremoniellen Vorstart-Entwässerung und sobald ich rauskomme bittet mich meine Teamchefin sehr nachdrücklich doch mein Plätzlein einzunehmen, da der Rest der Box auch gerne in die Startaufstellung fahren möchte. Ja, ja... is' ja gut, ich fahr' ja schon. Also ab, halb rum und dann raus. Hä? Startgruppe 3. Gut zu wissen. Wäre nett gewesen, wenn mir das mal einer gesagt hätte. Erstmal aus der Karre raus und fertig anziehen. Ich wurde ja mehr oder weniger mit runtergelassenen Hosen zum Abfahren genötigt... dann wieder rein und warten auf's Anschnall-Team. Es ist nämlich nicht ganz einfach sich mit HANS selbst anzuschnallen. Tja... es kommt blos keiner. Wie auch... ich stehe ja am Popo der Welt und bis die Jungs dahin gelaufen sind, bin ich wahrscheinlich schon in der dritten Runde. Also: selbst ist der Mann. Geht alles, wenn man nur will. Dann findet mich Reiner doch noch und wünscht mir Glück, kurz darauf folgt Iris, die Teamchefin. Erfreulich ist, durch die ganze Hektik vergeht die Vorstart-Rumsitz-Zeit wie im Flug und es geht schon los. Die Einführungsrunde rollt an.

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Die Einführungsrunde läuft

Ab Antoniusbuche ist freies blasen angesagt. Nix taktieren, kein albernes gasgeben, bremsen, gasgeben, bremsen, etc. pp. Wer auch immer vorne war, hat die Jagd eröffnet und gut. Gut gemacht! Alles andere führt hinten nämlich blos zum Chaos. Als ich auf die Start/Ziel komme, habe ich schon eine kleine Lücke nach hinten. Ich weiss, dass ich auf der GP-Kurz schnell bin, also werde ich die noch ausbauen. Gesagt, getan. Ab Einfahrt Nordschleife brauche ich mich nur noch nach Vorne zu orientieren.

Was dann folgte, würde ich als eine Art Rennslalom bezeichnen. 210 Teams haben das Rennen aufgenommen, 230 waren es noch im Training. Ich schätze mal, dass man um gut ein Viertel dieser 210 Teams irgendwann ein hektisches Ausweichmanöver fahren musste. Schrott ohne Ende. Allein dreimal habe ich ein Auto vor mir abfliegen sehen und musste durch und um die Trümmer kurven. Nebenbei fährst Du dann noch ein bischen Rennen UND achtest noch auf den SP7 ICE, der irgendwann von hinten angerauscht kommt. Es war heftig! Stellenweise sah es auf der Strecke aus wie auf einem Schlachtfeld und nicht wie auf 'ner Rennstrecke. Richtig @*#&%§$ war der Überschlag Eingangs Schwalbenschwanz, der die Fahrbahn blockiert und der erstmal 'nen Rückstau verursacht hat. Da fährst Du Dir die Seele aus dem Hals, um Platz nach hinten zu haben und plötzlich siehst Du die Kollegen wieder formatfüllend im Rückspiegel. Also wieder von Vorne das Ganze. 2 Autos habe ich bewusst und auf der Strecke überholt, Michael Flehmer ist leider Ausgangs Schalbenschwanz abgedrängt und in die Leitplanke geschossen worden (auch auf diesem Wege nochmal gute Besserung an das Auto vom Team Derscheid – denn Michael geht’s gut). Na ja... irgendwann und irgendwie haben Reiner und ich uns jedenfalls von Startplatz 12 schlussendlich auf Platz 7 vorgefahren.

Bild
Reiner im Karussell

Knapp an 'nem Pokal vorbei aber trotzdem zufrieden. Die erste Zielankunft nach fast 'nem dreiviertel Jahr, kein Kratzer im Auto, die Prinzessin ist gelaufen wie ein Schweizer Uhrwerk und Reiners und meine Zeiten sind von Runde zu Runde schneller geworden. Was willst Du mehr. Starter? Genau. Mehr Starter! Ich habe mich fast zwei Runden lang mit einem Kollegen auf 'nem 318 bekappelt, der Startnummer 52 (er hat das Duell gegen mich übrigens letztendlich gewonnen, Reiner hat ihn dann nach dem Stop aber kassiert). Extrem faires Duell, mir hat es einen riesigen Spass gemacht, ich hoffe Dir auch?! Allerdings... Kollege... was bitte machst Du in der „H“? Komm in die V2, wir brauchen alle mehr Starter in der Klasse! Es kommt noch soweit, dass 'n SP7 Meister wird!

Bild
Der Kampf mit der 52

Das war jedenfalls das theoretische Ergebnis. Irgendjemand hat dann wohl mit dem Hütchenspiel begonnen. Wer gegen wen und warum? Sorry, ich weiss es echt nicht. Ich musste dann nämlich Heim. Ich bin also genauso schlau wie ihr. Es kann uns jetzt blos passieren, dass wir 'nen Pokal am grünen Tisch bekommen. Ganz ehrlich... auf solche Pokale kann ich dankend verzichten!

Mir ist da übrigens noch was passiert... da musste ich im Auto selber lachen... es muss so Runde 4 gewesen sein... ich puhle auf der DöHö den Trinkschlauch raus und nehme einen Schluck als ich eine der Bodenwellen erwische. Ich verschlucke mich, muss husten und pruste das Wasser von innen in den Helm und über die Scheibe. Ich habe vorsichtig versucht es mit den Fingerspitzen wegzuwischen... keine gute Idee. Der entstehende Schmier war recht undurchschaubar. Tja... bei allen anderen mag's ein Trockenrennen gewesen sein, ich hatte Wasser auf der Scheibe. Von innen. Aber Gebläse sei Dank, hat sich das Problem irgendwann mehr oder weniger gelöst. Wenn Du also auf das Team geflucht haben solltest Reiner, weil die Jungs die Scheibe nicht geputzt haben... die konnten nix dazu! Ich war's.

Es hat Spass gemacht endlich wieder ein Rennen zu fahren und ich freue mich jetzt auf den nächsten Termin in zwei Wochen. Bis dahin geht’s noch einmal trainieren und dann werde ich Reiner hoffentlich etwas näher kommen als die 15 Sekunden, die uns dieses Mal bei unseren schnellsten Runden getrennt haben.

Also... gute Nacht Euch allen und bis in zwei Wochen am Ring! Ich freu' mich!

Friedhelm Rogies
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Beitrag von Friedhelm Rogies » Mo 14.Apr, 2008 9:05

Moin Peter,
was soll man da noch sagen...
Wie immer ein super Bericht. So will es die Fangemeinde. Hab sogar dafür eine Abteilungsbesprechung verschoben, bzw. bin später dazu gestossen.

Jedenfalls freuen ich mich jetzt schon auf den nächsten Bericht.
Man sieht sich......

Viele Grüße
Friedhelm

Lars Jünemann
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Beitrag von Lars Jünemann » Mo 14.Apr, 2008 10:18

:lol:

Hervorragender Bericht, vielen Dank dafür, immer wieder ein Vergnügen.


Gruss
Lars

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Peter_Hoffmann
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7 + 7 = 97

Beitrag von Peter_Hoffmann » So 27.Apr, 2008 23:33

7 + 7 = 97
Die Bilder im Text sind von Markus Zander und Martin Berrang (Fahraufnahmen), die „Impressionen“ sind aus der Forengallerie geborgt.

Einen wunderschönen, guten Abend aus dem schönen Schlitzerland. Da sitze ich nun am Rechner (nach dem wohlverdienten Ausschlafen und dem erzwungenen Sonntags-Spaziergang) und versuche mal meine Eindrücke zu sammeln. Und da gibt es diesmal 'ne Menge!

Ich nehme das Ergebnis mal vorweg, denn deswegen die merkwürdige Überschrift... der zweite 7. Platz in Folge. Gewiss Dank einer gehörigen Portion „Hirn einschalten“ und „Ärger aus dem Weg gehen“. Gestern galt mehr denn je der ganz, ganz alte Renn-Spruch: „You have to finish first, to finish first.“ Aber in der chronologischen Reihenfolge der Ereignisse:

Samstag Morgen 7:00 Uhr, Nürburgring. Die Frisur sitzt. Warum? Um die Uhrzeit? Keine Ahnung. Wer bitte lässt sich sowas einfallen? Fahrerbesprechung 7:45 Uhr. Vorher noch den Gang zum Leisten der Unterschrift und zum zweiten Mal zur technischen Abnahme, mein VLN Logo auf dem Fahreranzug vorführen. Wir werden das wohl auch noch ein drittes Mal machen müssen... kein Kommentar.

In der Fahrerbesprechung fallen dann weise Worte... wir fahren hier um die goldene Ananas und wir wollen alle am Sonntag unsere Familien wohlbehalten wiedersehen. Na ja... einige der Anwesenden haben das entweder nicht verstanden oder hatten keinen Drang die Familie wiederzusehen, anders kann ich mir manches von dem, was sich am Samstag abgespielt hat nicht erklären.

Reiner geht als erster raus, ich bin froh, dass ich es diesmal nicht bin. Aber er ist nach 'ner Runde wieder da und wir wechseln. Reiner meint die Prinzessin sei Heute Morgen nicht bei Kräften und ich soll sagen ob sie Leistung hat oder nicht, da ich am Dienstag den ganzen Tag lang mit ihr zum testen auf der Nordschleife war. Wie befohlen, Scheff. Ich also ich rein ins Auto und raus ins Chaos. Hui. Die Frankfurter Rush-Hour ist Kinderfasching dagegen! „Hier eine freie Runde zu finden, kannst Du getrost den Hasen geben!“ Das ist der erste Gedanke im Auto. Einmal GP-Kurz um Anlauf zu nehmen und los geht’s. Der erste Eindruck vom Motor? Geht schon. Die Prinzessin ist leicht verschnupft aber nicht unwillig. Ich ärgere mich allerdings... über mich selber. „Kannst Du $%#&! nicht mal den Helm bewegen nachdem Du eingestigen bist?“ Die Käfigpolster sind wieder da, wo sie hingehören und mein Helm (inklusive innenliegendem Inhalt) ist starr montiert. Ich bin quasi Teil des Käfigs. „Das wird wieder wehtun.“ Tut es auch, aber jammern gilt nicht. Ich bringe eine ereignislose 11:20er Runde hinter mich und lasse dann die Polster rausnehmen. „So ist's besser.“ Nochmal raus und eine halbwegs freie Runde. Halbwegs. Als ich nach dem Anlauf über die GP-Strecke das Castrol-S anbremse gurkt ein Kollege aus dem eigenen Team und unserer Klasse, der gerade aus der Box fährt, so sinnlos vor mir rum, dass es mich mindestens 5 Sekunden kostet. Danke! Spiegel, lieber Freund, sind die reflektierenden Dinger Rechts, Links und in der Mitte Deines Autos und wenn man reinschaut, sieht man, was hinter einem passiert. Nur so als kleiner Tipp für den nächsten Lauf! Das Adrenalin für dessen Ausschüttung er gesorgt hat, beflügelt allerdings. Die Runde ist halbwegs frei und sollte unsere Quali-Runde werden. 11:04. Nicht übermäßig beeindruckend aber immerhin 11 Sekunden schneller als meine schnellste Runde bei Lauf 1. Ich bin also trotz meines Alters lernfähig.

Meine dritte Runde wird mir ziemlich lange unvergessen bleiben. Hatzenbach geht gut, Hocheichen, Quiddelbacher Höhe, die Prinzessin läuft, Flugplatz voll, von hinten naht ein SP Seat. Ich bleibe Rechts, blinke und peile die Kuppe am Schwedenkreuz an. Wenn Du ganz Rechts bist, versetzt das Auto etwas. „Was ist das denn?“ Aus dem Augenwinkel sehe ich, wie der Seat plötzlich quer auf meine Fahrerseite zuschiesst. „Scheisse, der wird mich treffen!“ Kupplung, voll in die Eisen. Er rutscht ungefähr einen Meter vor mir quer über die Strecke und schlägt voll in die Leitplanke ein. Ich höre den Knall im Auto. Der Einschlag war heftig. „Der kommt zurück!“ Was machen? Voll auf's Gas und weg (Mit 'nem V2? Guter Witz!) oder weiter bremsen und versuchen ihm auszuweichen, wenn er denn kommt? Ich bleibe auf der Bremse. Der Seat löst sich in seine Bestandteile auf und überall sind Trümmer. Er rutscht an der Leitplanke lang und ich entscheide, dass jetzt der Moment für die Flucht nach Vorne gekommen ist. Ich sortiere die Gänge und bin prompt im Zweiten, ungesunderweise. Ich höre aber beim auskuppeln, dass hier etwas nicht stimmt und schalte sofort eins hoch. 6.900 U/Min stellen die Jungs in der Box fest. Gerade nochmal Schwein gehabt, nicht überdreht. Ich lenke in die Links ein und nehme wieder Fahrt auf. „Kollege, ich hoffe, es geht Dir gut! Der hat ganz sicher weh getan!“ Auch da war wieder ein Posten in der Nähe und ich hoffe, dass die Streckenposten nicht von den Trümmern getroffen worden sind! Die Runde ist im Allerwertesten, meine Konzentration auch. Trotzdem beschleunige ich voll aus dem Aremberg und zwinge mich wieder schnell zu fahren. Es geht. Nach dem Fahrerwechsel, in der Box, am Ende der Runde wird mir allerdings klar, wieviel Glück ich gerade hatte. Das hätte auch ganz, ganz kräftig in die Hose gehen können! Ich habe keine Ahnung warum der Seat abgeflogen ist, er ist hinter mir nach Links und da war noch alles ok, als ich ihn aus den Augenwinkeln auf mich zukommen gesehen habe, da war der Fahrer schon nur noch Passagier. Ich hoffe blos, dass keiner dabei verletzt worden ist.

Reiner ist dann nochmal zwei Runden gefahren, konnte meine Zeit aber bei dem ganzen Gelb nicht mehr unterbieten. Startplatz 13 von 18 im Zeittraining. Äh ja.

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Reiner im Training.

Also lautet die Taktik wieder raushalten, jagen und so weit es geht das Feld von hinten aufrollen. Reiner hat den Start-Turn weil wir abgesprochen haben immer abwechselnd den Start zu fahren. Er hat erstmal die Position gehalten, hat sich aus dem ganzen Chaos rausgehalten und zwei Plätze gut gemacht.

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Reiner im Rennen.

Ich habe das Auto auf 11 übernommen. Die letzten zwei Runden vor dem Fahrerwechsel stand ich an der Boxenmauer, habe gezählt wo wir liegen und mir die Abstände und Zeiten der Autos direkt vor Reiner angeschaut. „Platz 6 ist drin.“ Meine Frau (die die Zeiten von unserem Auto nimmt) schaut mich an als hätte ich mir gerade einen Bob-Marley King-Size Joint am Stück reingezogen. Ihr Blick sagt ganz liebevoll „Schatz, Du bist grössenwahnsinnig“. Ich grinse vor mich hin und ziehe mich an.

Reiner kommt rein, wir wechseln und das Team schickt mich los. In der Box stellst Du Dir normalerweise den Innenspiegel ein... tja, den nicht mehr. Das Gelenk ist gebrochen und das Ding ist nutzlos. Ich habe beide Aussenspiegel und es heisst von Anfang an noch mehr den Kopf zu drehen. Mit HANS nicht ganz einfach. Halali, auf zur Jagd!

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Auf geht's.

Reiners schnellste Runde in seinem Turn war eine glatte 11. Mein Plan war mich auf 10:50 zu steigern aber die Prinzessin war von Anfang an dagegen. Das erste Mal die Fuchsröhre runter und ich komme noch nichtmal in den Begrenzer. Irgendwas stimmt hier nicht. Jetzt ist mir klar, warum Reiners Zeiten nicht so schnell waren wie in Rennen 1. „Mist! Grande Mist!“ Ich brülle wilde Flüche in den Helm. Egal... mangelnde Leistung ist ersetzbar. Später bremsen, früher gasgeben. Ganz einfach. Nach drei Runden sehe ich den ersten Gegner aus der Klasse vor mir, den Corsa. Im Galgenkopf bin ich so gut wie dran, auf der Döttinger Höhe lässt er mich einfach stehen. Auf der GP bin ich wieder dran. So sehr ich die GP-Strecke auch nicht mag, ich bin da schnell. Vielleicht sollte ich beschliessen die Nordschleife nicht zu mögen? Er macht im Hatzenbach einem Porsche Platz und ich schlüpfe mit durch. Dieses war der erste Streich. Dann folgen (jeweils im Abstand von ungefähr zwei Runden) noch zwei e36 318 und der e30 318. Auch der e30 lässt mich auf der Döttinger Höhe stehen. Die Prinzessin mag Heute einfach nicht geradeaus fahren. Jedenfalls nicht schnell. Die ca. 100 Meter, die er mir abnimmt, hole ich mir fast komplett auf der Bremse vor der Hohenrain Schikane zurück. „Ende Start Ziel hab' ich Dich!“ Gesagt, getan. Bei 90 Meter den Anker geworfen, er lässt sich raustreiben und ich bin innen durch. Und tschüss. Jetzt müsste ich 7. oder 8. sein. Zu dem Zeitpunkt war ich (bedingt durch Ausfälle) wohl sechster. In der Runde danach kommt der Corsa von hinten. Ich fange wieder an zu fluchen. Ich weiß, dass ich auf den Geraden keine Chance habe. Aber diesmal sitzt ein anderer Fahrer drin und der lässt mir auch in den Ecken keine Chance. Ich kann den Corsa nicht halten, der ist weg. Ich schaue zum ersten Mal seitdem ich in der VLN fahre auf die Uhr bei Start Ziel... wohl noch drei Runden. „Den Corsa kriegst Du nicht mehr, fahr' das Ding einfach sauber ins Ziel.“ Trotzdem habe ich es nochmal probiert und beim anbremsen am Aremberg in der Runde heftig quergestanden. Das war's dann. Es gäbe nichts dämlicheres als das Auto jetzt im Kies zu versenken! Also nehme ich die letzten Runden um an der Linie zu feilen. Und... um Sabine Hogreve zu grüssen. Beim ersten Gruß hat sie recht sparsam geschaut. „Was will der von mir?“ In der vorletzten Runde wurde ihr dann klar, wer da jedesmal winkt. Ich hab' Dir jedesmal 'ne Sekunde geschenkt, liebe Sabine. Ich hoffe, Du weisst das zu schätzen.

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Nochmal zur Erinnerung.

So habe ich das Ding dann heimgefahren. Auf Platz sieben und bin im Windschatten des HISAQ Porsche abgewunken worden. Übrigens, Kollege... es wäre nett gewesen, wenn Du mich NICHT direkt vor der Ziellinie überholt hättest und hättest mich einfach meine Runde zuende fahren lassen! Aber so war ich mal das allererste Auto im Parc-Fermé. Und ich hoffe, es gibt Bilder davon, wie ich den Gesamtsieger hetze.

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Es heisst ja auch Motor-SPORT.

So ging unser zweites Rennen diese Saison zu Ende und Reiner und ich waren ganz zufrieden. Unsere kleine Zicken-Prinzessin war zwar Gestern nicht die Schnellste, aber wir haben das beste daraus gemacht. Heute Abend war es noch Platz 97 in der Gesamtwertung des Langstreckenpokals. Darauf bin ich ein kleines bischen stolz.

Das soll es für Heute gewesen sein. Ich wünsche den ganzen Havaristen gute Genesung und hoffe blos, dass das Destruction-Derby dieses Jahr nicht so weitergeht! Bis in zwei Wochen!

Tschö und 'nen gute Nacht Gruß.

Peter

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Sabine Hogreve
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Beitrag von Sabine Hogreve » Mo 28.Apr, 2008 8:39

Hallo Peter,

ich halte mir jetzt noch den Bauch vor Lachen.Ehrlich,wenn du deine Rennfahrerkarriere (natürlich erst in Jahrzehnten) an den Nagel hängst,dann mußt du Schriftsteller werden.
Dein Bericht war wieder mal toll,lustig,informativ und na....was soll man dazu sagen,einfach nur saugut.

Ich habe am Freitag in der Box schon die ganze Zeit nach dir Ausschau gehalten und dich leider nicht erwischt.Na ja,vielleicht klappts beim nächsten Lauf.

Wir hatten am Samstag am Posten so viel Action und Arbeit ,das meine Aufmerksamkeit ganz zum Schluß wohl etwas gelitten hat. Man steht da den ganzen Tag am Posten und hat irgendwann den Tunnelblick.

Du beobachtest die heranfliegenden Fahrzeuge ganz genau und konzentrierst dich so auf deine Aufgabe ( und darauf das dir nicht irgendwann einer im Posten steht) das du dann manchmal halt nicht genau wahrnimmst wer da gerade vorbeifährt.

Du bist ja fast vor lauter Winken aus dem Auto gefallen und das beim anbremsen auf die Kurve....Respekt der Herr!!!!!

Ich war ja dann auch irgendwann hellwach und wußte selbst genau wie selten dämlich ich aus der Wäsche geschaut habe.

Und weil du mir jede Runde ne Sekunde geschenkt hast,schenke ich dir für die Zukunft wieder die obligatorischen Winker wenn du vorbeifährst.

Versprochen.............und ich freue mich auf die nächsten Einstellfahrten.Dann werde ich dir auflauern und mich persönlich bedanken.

Bis dahin

Sabine

Uli Paffenholz
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Beitrag von Uli Paffenholz » Di 29.Apr, 2008 15:09

Hallo Peter, was wäre eine Woche, nach dem Rennen, ohne Deinen Bericht?
Nur halb so schön!!! Danke für Deine Mühe und weiter viel Glück bei den nächsten Läufen.

Lars Jünemann
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Beitrag von Lars Jünemann » Mi 30.Apr, 2008 15:17

:D

Ich halte es hier mit meinen Vorrednern, absolut erstklassig und unterhaltsam, vielen Dank für die Tränen (vor lauter Lachen).

Viel Erfolg auch bei den nächsten Rennen.


Gruss
Lars

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Peter_Hoffmann
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Beitrag von Peter_Hoffmann » So 11.Mai, 2008 22:10

Und der geht ans Team... DANKE JUNGS!

Die Bilder im Text sind von Martin Berrang.

„Immer wieder Sonntags kommt die Erinnerung...“ da gab es mal so einen Schlager... erinnert Ihr Euch? Heut' sitze ich hier und blicke mal wieder zurück. Zurück auf ein Rennen, dass man eigentlich unter „vergiss es“ und „na ja, zwei Streicher hast Du ja“ abbucht. Aber Heute Morgen ist das Gefühl ein ganz, ganz anderes: es war einer der schönsten Tage, die ich in 20 Jahren Motorsport erlebt habe. Jungs... ich sag's nochmal: Danke! Aber mal von Anfang an.

Samstag Morgen Zeittraining... die erste Runde ist 'ne 11:03, die dritte mit 10:49 unsere Quali-Zeit. JA! Genau der Schrei kam als die Bestätigung auf dem Monitor gesehen habe. Ok... bloß ein 13. Startplatz aber in meinem Kopf ist irgendwie ein Knoten geplatzt. Zum ersten Mal seitdem ich in der VLN fahre hatte ich eine völlig freie Runde. Ich musste an zwei Yarissen vorbei, die aber beide mehr als fair mitgespielt haben und mich null Zeit gekostet haben, aber ansonsten war die Bahn frei. Hätte ich in dem Moment in Lillifee gesessen und die hätte den Motor gehabt, dann wäre ich nochmal 10 schneller gewesen. Bestimmt. :wink: :D :D Ich war also Gestern nicht auf der 600 unterwegs, sondern auf der 629. Prinzessin Lillifee wird schon für das 24-Stunden-Rennen vorbereitet, deswegen. Die Runde war einfach nur gut. Klar geht es schneller, die schnellen Jungs in unserer Klasse beweisen das. Die Runde hat einfach Spaß gemacht... die Motorradfahrer unter den Lesern kennen das,... wenn plötzlich der Rhythmus stimmt, Du grinsen musst und Du anfängst zu „surfen“... so war die Runde. Ohne unnötiges Risiko. Schee war's. Da war dann auch die Runde zwei vergessen, als einer der Falken vor mir heiteres Idealliniensuchen gespielt hat und die Suche mit einem Lackaustausch seiner hinteren und meiner vorderen Stoßstange geendet hat.

An dem Punkt nochmal ein Wort an die Posten... in diesem Fall besonders an die im Breitscheid... wenn ein V2 hinter einem anderen Auto Lichthupe macht, egal ob es ein anderer V2 oder ein H Porsche oder sonstwas ist... der Fahrer denkt sich was dabei und will bestimmt nicht nur die Fans grüssen. Selbst wenn das Auto auf der Geraden wegzieht... der Fahrer macht das deswegen, weil er weiß, dass er in der nächsten Ecke auf der Bremse schon wieder dran ist. Bitte, bitte, bitte... Blau hilft bei sowas ungemein!

Nach der 3. Runde bin ich jedenfalls in die Box und Thomas wollte nochmal raus. Ist er auch, er ist aber nicht so richtig weit gekommen. Ihr kennt diese Rattersteine in der NGK Schikane? Ihr habt die Durchsage gehört, dass dann während des Rennens dort ungeplant Reifen gestellt worden sind weil die Strecke Auflösungserscheinungen hatte? Wir waren der Grund dafür. Als Thomas aus der Box ist, hatte eines der Autos vor ihm einen dieser Rattersteine rausgerissen und er hat ihn voll erwischt. Was willst Du auch machen, wenn so 'n Ding auf der Bahn liegt? Der Treffer des Steins auf den Unterboden hat die Benzinleitungen abgerissen. Also kam Thomas leckend an die Box zurück und die Jungs mussten zum ersten Mal zaubern. Noch vor dem Trainingsende waren die Leitungen neu verlegt und so konnte Thomas noch eine Runde fahren.

Zwischen Start und Rennen kam dann unerwarteter Besuch in die Box, über den ich mich sehr gefreut habe. Seit Gestern weiß ich nun wie Manfred Hogreve aussieht. Einer von den Staffelfahrern, die Kopf und Kragen riskieren, wenn es mal wieder gilt, unseren Schrott zu bergen (und nebenbei noch der Mann von Sabine). Ich bin froh, dass es sie gibt und ich sollte noch froher werden.

Thomas (der Stammfahrer der 629) sollte den Startturn fahren, unser dritter Mann (Tobias) bloß eine Runde und ich dann die zweite Rennhälfte. Also auf ins Rennen...

Thomas ist sauber gestartet und hat sich bis auf 10 vorgearbeitet. Wie beim letzten Mal stand ich an der Mauer und habe mir die letzten zwei Runden vor dem Wechsel unser Klassenfeld angeschaut und mir den Schlachtplan zurechtgelegt. Ein Pokal wird es wohl dieses Mal nicht, aber 2-3 Plätze kriege ich uns noch nach vorne. Egal... jeder Punkt und jede Runde zählt. Aber dann kommt alles anders. Ich bin vor der Box und rauche meine letzte Zigarette da kommt Conny zu mir. „Dein Auto ist überfällig.“

Eigentlich hätte Thomas jetzt das „Pit In“ sehen sollen. Fast im gleichen Moment klingelt AJ's Handy. Thomas ist dran. Er steht bei der grünen Hölle, der Schalthebel ist ab. Nach 30 Sekunden steht der Notfall-Plan. Wir fahren an die Nordschleifen-Einfahrt, AJ legt einen Gang ein, ich bringe das Auto in die Box wo die Jungs mir wieder einen Schalthebel spendieren und dann fahre ich ins Ziel. Geplant und ausgeführt. AJ und ich also mit Wagenheber und Notfall Werkzeug an die Touri-Einfahrt gefahren. Auto hoch und AJ hat den dritten eingelegt. Ich rein, angeschnallt und los geht’s. Sozusagen. Ich wusste gar nicht wie steil es an der Zufahrt ist. Wenn Du versuchst im dritten da anzufahren, dann lernst Du das. „Boah... jetzt nur das Ding nicht abwürgen, sonst ist alles umsonst.“ Egal... es ging und ich habe es bis in die Box geschafft. Vorwärts rein und die Jungs haben losgelegt.

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Da war er noch ganz...

Überhaupt möglich gemacht haben die Reparatur aber die Mannen der Staffel. Thomas war ohne Gang und Hebel links auf der Döttinger Höhe gestrandet. Wir hätten keine Chance gehabt so an das Auto zu kommen. Die Staffel hat unseren waidwunden Renner dann bis zur grünen Hölle gezogen und so konnten wir retten, was zu retten war.

Das, was ich in der Box gesehen habe, sprengt alles, was ich bis dahin an Einsatz von einem Team für eines seiner Autos erlebt habe. Die Jungs vom Team Hoffmann sind einfach klasse! Ich saß ungefähr 20 Minuten angeschnallt im Auto und habe zugesehen, wie sie geschraubt haben. AJ (der dann mit Thomas im Gepäck wieder in die Box kam), Kolja, Mättes, Markus, Roland... das ganze Team. Ich weiß nicht wie oft ich Flüche gehört habe, weil einer der Jungs sich an den glühend heißen Teilen verbrannt hat. Das Gefummel an Schalthebel und Schaltgestänge geht halt schlecht mit Handschuhen. Es war einfach der Hammer! Du sitzt als Fahrer da drin, ölst so vor Dich hin und Du merkst ganz deutlich wie sehr wir einen Teamsport betreiben. Ohne die Jungs würde Thomas an der Döttinger Höhe Rennen gucken und ich hätte mich schon frustriert umgezogen. Fertig. Schaltknauf drauf, volltanken und ab geht die wilde Fahrt. Wild? Nicht mehr wirklich. Ich fahre um die blecherne Ananas. Aber ich bin es den Jungs schuldig, das Auto ins Ziel zu bringen!

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Hier auch noch...

Nicht mehr, nicht weniger habe ich vor. Und... ich halte mich aus dem Rennen raus. Wir haben ca. 4 Runden verloren, damit steht für mich fest, dass ich allen und jedem Platz machen werde und mich auf keinerlei Zweikämpfe einlasse. So sah mein Plan aus. Nach ca. 2 Runden kam die Spitze meiner eigenen Klasse von hinten. Und so habe ich mich (soweit es der weitere Verkehr zugelassen hat) an die Jungs drangehängt, nachdem ich sie durchgelassen habe und mir ein Paar Dinge an- und abgeschaut. Das Schwedenkreuz geht fast voll. Der Hammer. Allerdings ist „sicher“ nicht unbedingt die passende Beschreibung des Gefühls in der Magengegend, das man dabei hat. Rolf (Derscheids) Linie im Hatzenbach hätte ich mir gerne mal aus der Nähe betrachtet aber da hat sich leider so ein Porsche dazwischengedrängelt... manchmal ärgerst Du Dich hinterher, wenn Du Platz gemacht hast. Und... du schaust Dir ein bischen die Autos an... dieser Lexus war richtig schön und die Japaner darauf gar nicht mal unflott.

Irgendwann komme ich durch den Adenauer Forst und sehe im Metzgesfeld ein Auto aus der V2 verschwinden. Cool! Wenigstens mal einen überholen, wenn ich auch Rundenrückstand habe. In der dreifach-Rechts hänge ich an seinem Heck. Ich denk so bei mir „im Wehrseifen wird er Dich wohl vorbeilassen“. Pustekuchen! Als ich am Ausgang innen rein will rammt er mich fast. Hallo? Eingang Breitscheid bin ich innen neben ihm, er zieht wieder brachial rein. Was ist das denn? Die Ex-Mühle hoch knallt's dann. Zum zweiten Mal an dem Tag und zum zweiten Mal an der gleichen Stelle. Der wird so plötzlich langsamer, dass ich keine Chance habe auszuweichen. Wieso man bergauf bremst muss ich nicht verstehen und werde ich nicht verstehen. Na super. Im Moment des Einschlags in sein Heck sehe ich jede Menge weisse Brocken fliegen. Sein Heck ist nicht weiß, meine Schnauze schon. Sch***. Da sorgen die Jungs dafür, dass ich überhaupt noch fahren kann und zum Dank sorge ich $%#&! für mehr Arbeit! Im Bergwerk macht er Platz und ich bedanke mich mit dem Einfinger-Gruss. Ich schaue aber nicht mehr wirklich hin. Ich beobachte meine Anzeigen um zu sehen, ob ich mir möglicherweise den Kühler beschädigt habe. In die Box fahren und nachschauen lassen? Eigentlich geht es ja um nix und sicher wäre sicher. Aber die Blöse will ich mir nicht geben. Es bewegt sich aber nichts. Alle Anzeigen sind ok und ich sehe nirgendwo Qualm, Wasserdampf oder ähnliches. Also weiter.

Und so habe ich mich nur noch darauf konzentriert sauber Platz zu machen und habe jedes Mal an der Brücke auf die Uhr geschaut. Noch 33 Minuten, 22, 11... und mich packt der Ehrgeiz noch eine mehr zu fahren. Diesmal fängt mich kein Porsche bei Null ab! 7 Sekunden vor Ende der Rennzeit fahre ich zum vorletzten Mal Heute über die Linie und beginne meine letzte Runde. Gegen Ende der Runde, so ab PG 2 haben die Posten gewunken, also habe ich zurückgewunken. Erstens wäre es nicht nett gewesen es nicht zu tun und zweitens hab' ich ja grad eh nix besseres vor. Dann die Zieldurchfahrt. Ich habe auf Höhe des Teams den Arm aus dem Fenster getreckt und zum Team gegrüsst. Jungs, der war für Euch! Wir mögen nur 111 im Gesamt gewesen sein und der 14. in der Klasse klingt nach nix. Aber ganz ehrlich... rückblickend habe ich mich seitdem ich Rennen fahre, über kaum ein Ergebnis so gefreut wie über das von Gestern. Es war hart erarbeitet und es war Teamwork vom allerfeinsten. Danke nochmal an das gesamte Team!

Als die Jungs später die von mir eigens angepasste und aerodynamisch optimierte e36 Front gesehen haben, sind sie allesamt in schallendes Gelächter ausgebrochen. Das Schadensbild hatte aber auch irgendwie was seltsames. Es ist schwer zu beschreiben, Bilder habe ich leider keine davon, vielleicht findet ja noch jemand eines?

Schade war, dass es nicht zu dem Kampf mit meiner Teamchefin gekommen ist. Iris kam von hinten auf dem neuen V2 Compact unseres Teams und es hätte mir echt Spaß gemacht zu sehen, wer von uns beiden das höhere Tempo über die Distanz geht. Bei uns hat's der Schalthebel verhindert am Compact ein Überdreher Dank „Shortshift“. Ich hoffe, liebe Iris, wir treffen uns nochmal zum Duell, auch wenn Du gar keinen V2 mehr fahren willst!

Nun gehen die letzten Vorbereitungen für mein allererstes 24-Stunden-Rennen (zumindest als Fahrer) los. Natürlich auf der Prinzessin. Sie bekommt den Reservemotor des Teams und ich hoffe, dass damit unser „hat keine Leistung“ Genörgel endgültig vom Tisch ist.

Apropos 24 Stunden... hat noch jemand zwei Einzelzimmer frei? Samstag Morgen beim Frühstück hat mir die Wirtin der Pension, bei der ich eigentlich unsere Zimmer gebucht hatte eröffnet, dass da wohl irgendwas durcheinander gelaufen wäre. Kurz und gut... ich nix Zimmer. 2 Wochen vor dem Rennen. Geil, oder? Wie der Franzose sagt: Je suis begeistert, aber très! Wer also noch was weiß... ich wäre für 'ne Mail oder 'ne kurze PN dankbar! Und noch was zum 24h Rennen...

...ich habe vor während des Rennens aktuelle Infos in unseren Blog zu schreiben... wen es also interessiert, wie es der 177 aktuell ergeht: reinschauen, ich freue mich über Besuch!

Bis in zwei Wochen zur grossen Paahdy!

Peter

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