Einander verstehen - Fahrer werden Streckenposten

Aus dem Cockpit an die Tastatur.
Iris Bergholz
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Beitrag von Iris Bergholz » Do 21.Aug, 2008 21:21

Auch wir von der Deutschen Streckensicherung würden diese Aktion gerne unterstützen.

Wenn also ein Fahrer Lust und Zeit hat, sich ein VLN-Rennen mal auf der anderen Seite der Leitplanke im Abschnitt Hatzenbach (P64 - P75) anzuschauen, kann er sich gerne bei uns melden.

Iris Bergholz
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Beitrag von Iris Bergholz » Fr 22.Aug, 2008 16:24

Habe die Kontaktadresse vergessen :)
Interessierte können sich gerne bei mir unter iris.bergholz@deutsche-streckensicherung.de melden!

Sascha Oberer
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Beitrag von Sascha Oberer » Fr 22.Aug, 2008 18:39

Finde ich eine echt klasse Idee von Dirk !!

Würde soetwas auch mal gerne ausprobieren, habe nur zwei Probleme, bin Behindert (Linksseitig Gelähmt) & hab leider keinen Führerschein, aber nur mal so als info, könnte sowas auch klappen ??

Erik Kindermann
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Ein Tag in den Schuhen des Anderen – Part zwei

Beitrag von Erik Kindermann » Mo 15.Sep, 2008 20:54

Ein Tag in den Schuhen des Anderen – Part zwei

Dirk Adorf’s Idee ging ja noch weiter: nicht nur jeder Fahrer solle einmal einen Tag als Sportwart verbringen, sondern wir Sportwarte sollten auch eine Runde Nordschleife im Rennwagen erleben.

Gestern war es so weit. Peter Hoffmann, der ja bereits als „Gast-Sportwart“ beim OGP war, hatte Claudia und mich zu einer Mitfahrt bei den Test- und Einstellfahrten eingeladen. Die haben wir gerne angenommen haben, um auch den Abschnitt, in dem wir während der VLN-Rennen unseren Dienst verbringen, aus (Mit-)Fahrersicht zu erleben.

Nürburgring 14:30 Uhr, Nieselregen, die Frisur sitzt.
Treffpunkt war Box 24. Dort angekommen, und nach einer kurzen, aber herzlichen Begrüßung, hieß es erst einmal, zur Papierabnahme zu gehen. 
Diesen bekannten Zettel „Du darfst mich in die Leitplanke stecken“ haben wir schnell unterschrieben und uns in die Warteschlange angestellt. Es war wirklicher Hochbetrieb bei der Anmeldung. „Wenn die alle mitfahren wollen, dann wird’s aber voll werden“ dachte ich noch so bei mir. So fünf bis sechs Jungs in einem schwarzen „BIT“ Overall standen alleine vor mir in der Schlange.
Wieder in der Box angekommen, haben wir uns erst einmal mit den anderen eingeladenen Gästen diskutiert, in welcher Reihenfolge wir fahren werden. Da Manfred und ich das Ereignis mit der Kamera festhalten wollten, haben wir uns auf die Reihenfolge Manfred, Claudia, Sabine und dann ich geeinigt.
Sabine ist ebenfalls Sportwart und Manfred ist bei der DMSB-Staffel. Für Gesprächsstoff war also gesorgt. Wer jetzt aber denkt, ich hätte mir einen gemütlichen Nachmittag gemacht, und ich wäre zur „Kaffeefahrt“ dort gewesen, der irrt sich. Ich hatte mir sogar vorgenommen, was zu lernen.
Ich muss dazu sagen, ich war nicht zum ersten Mal in der Boxengasse, aber irgendwie diesmal mit einem anderen Blick. Über die vielen gewonnenen und gelernten Eindrücke möchte ich hier berichten.


Die Boxengasse
Was ich zuerst sagen muss, liebe Fans der VLN :“Habt Ihr euch schon einmal überlegt, was ihr den Fahrern und Mechanikern antut ?“
Das ist ein Gewusel, welches jeden Bienenstock in den Schatten stellt. Liebe Mechaniker, wie viel Valium habt ihr genommen, dass ihr die Fans ertragen könnt und nicht mit einem Schraubenschlüssel oder Wagenheber um euch werft ?
Es ist der Hammer, wie unüberlegt so manch einer durch die Box latscht. Stöckelschuhe mögen ja nett anzusehen sein, aber um sich schnell zu bewegen, scheinen sie mir nicht wirklich geeignet zu sein. Wir befinden uns hier in einer Boxengasse und nicht auf einer Modenschau bei Karlchen in Milano.
Was mir auch besonders aufgefallen ist, sind die Fotografen. Viele drängeln sich durch die Reihen auf der Jagd nach dem Foto, als ginge es um ihr Leben. Zum anderen achten die wenigsten auf das was um sie herum passiert. Ich weiß selbst, dass mit dem Blick durch den Kamera-Sucher das Leben links und rechts ausgeblendet ist. Aber man sollte darauf achten, wo man sich gerade hinstellt.


Die Fahrer
Euch bewundere ich ! Nicht nur, dass ihr Rennen fahrt und ich nicht, sondern um die Ruhe und Freundlichkeit, die ihr behalten könnt, mit all den Fans um euch herum. Da bin ich sehr sicher, dass könnte ich nicht. Ich würde meine Ruhe brauchen und würde jeden „an giften“, der mich zwei Minuten vor dem Losfahren noch um ein Autogramm bitten würde, oder seiner Freundin zeigen möchte, wen er alles so kennt.
Ich habe mir fest vorgenommen, dass ich euch in Zukunft nur hinter der Box ansprechen werde, damit ich euch ja nicht in eurer Konzentration störe.


Mitfahrer
Was ich hier gesehen habe, hat mir teilweise die Sprache verschlagen. Es war zwar jeder mit einem Overall bekleidet, aber der Rest war doch zum Haare raufen. Lackschuhe, „Stöckeltreter“ und „Apostelbereifung“ sind wahrlich nicht geeignet, um in einem Rennwagen zu sitzen. Auch wenn Ihr einen feuerfesten Overall anhabt, was darunter ist, sollte mindestens auch aus Baumwolle sein. Nylonstrümpfe brennen sich wunderbar in die schöne Haut ein, wenn es denen zu warm wird. Auch wenn es nur „Test- und Einstellfahrten“ sind : Es ist kein „Sonntagsausflug mit Oma“.


Warten
Peter ist jetzt seit sieben Minuten unterwegs. Also wird es Zeit für mich, den Rest vom „Geraffel“ anzuziehen. Sturmhaube auf und unter den Overall gesteckt. Den Rolli schön hochgezogen und danach den Overall verschlossen. Helm auf und diese @grfze@ Brille durch den schmalen Visierausschnitt hinter die Ohren stecken. 
Jetzt fühle ich mich in meiner Montur wie ein richtiger Rennfahrer. Hoffentlich versuche ich nicht, auf der falschen Seite einzusteigen. 1. Peter würde sicherlich ganz schön dumm aus der Wäsche schauen und 2. auf dem Fahrersitz wird es dann zu eng !
Immer wieder geht mein Blick auf die Uhr. „wo bleibt er nur?“ Mein Puls ist sicherlich bei 140. Liebe Fahrer, wie haltet ihr die letzten Minuten bis zum Wechsel aus? Das möchte ich nicht öfters erleben. Es gehen einem tausend Gedanken durch den Kopf. Und dabei bin ich nur als „Beifahrer“ eingeplant und es geht nicht um Sekunden. Und dann die ganzen „Bienen aus dem Stock“, die um einen herum summen.


Die Posten und die Fahrt
Himmel - ist das ein Akt, in solch einen Wagen rein zu kommen.

Sofort mache ich mir Gedanken darüber, „Wie hole ich da nur den Fahrer raus, wenn er ohnmächtig ist ?“ So ein Schalensitz ist recht bequem, aber mit den Ohren und mit einem Sechspunkt-Gurt angebunden, wird das Sichtfeld recht klein. Nur gut, dass ich noch ohne „HANS“ (Head and Neck Support)  mitfahre; so kann ich meinen Kopf doch noch etwas zur Seite drehen. Wirklich hilfreich ist es aber nicht – ich sehe nur den blauen Sitz. Mit einfachen Worten: Am besten, ich sehe dort hin, wohin der Wagen fährt. 
Peter hebt den Daumen nach oben. Mit meinem Kopfnicken geht es schnell aus der Boxengasse heraus. Wie spät doch die erste Kurve angebremst wird. Jetzt beginnt ein Erlebnis wie Ostern und Weihnachten zusammen an einem Tag.

Posten 33,
Arbeitsplatz beim Truck-GP - gut zu sehen.

Posten 39,
Arbeitsplatz beim 1000 km-Rennen - auch gut zu sehen. Junge, so weit außerhalb der Kurve hatte ich den Posten nicht mehr im Sinn. Jetzt möchte ich nicht mehr wissen, wie schnell die super-flachen Le Mans-Wagen (LMP1) an der Stelle waren.

Nun geht es raus in die „Grüne Hölle“. Hatzenbach, Brücke Quiddelbach, Flugplatz - im Bereich Schwedenkreuz schaut es aus, als wäre ein Bauer aus Versehen zum Pflügen dort gewesen – hier gab es in der vorherigen Runde eine Unfall eines anderen Wagens. „Hoffentlich geht es dem Fahrer wirklich gut !“ denke ich mir so. Dass der Fahrer ansprechbar war, wusste ich ja bereits, da mein Kutscher Peter und Manfred (wir erinnern uns: einer der DMSB Staffel) an der Unfallstelle angehalten haben, um zu helfen.
Huch, was ist denn das? Ein gelber 911-er steht uns im Weg. So ein Porsche muss doch besser gehen, als ein BMW aus der V2. Aber wie es scheint, war der Porsche nur für das Beschleunigen gebaut - Kurven waren nicht seine Stärke. Nachdem Peter die „kleine Brechstange“ ausgepackt hat, ward er nicht mehr gesehen. Ich war jetzt so konzentriert auf den Überholvorgang, dass ich bestimmt drei bis vier Posten nicht gesehen habe. Ich kann nicht mal sagen, ob dort ein Sportwartkollege gestanden hat. 
„Ähm, was fuchtelt Peter denn jetzt so rum? Ach so, er zeigt an, wo der andere vorbei fahren soll ...“
Stimmt, da rechts ist „blau“ draußen. Da war ich wohl etwas abgelenkt. 
Jetzt erreichen wir „unseren Abschnitt“. Bei den VLN-Rennen betreue ich mit meinen Vereinskollegen/Innen die Posten 99 bis 110 – also Adenauer Forst, Metzgesfeld, Kallenhard:

P 99 - Keiner da, aber den oberen Sportwart am Telefon würde ich im Leben nicht sehen.
P 100 – wenn du da nicht in der Tür des Sicherheitszaunes stehst, sieht dich kein Mensch.
P 101 – wer den als Fahrer nicht sieht, ist blind und sollte das Rennfahren aufgeben.
P 103 – wenn du als Sportwart dort nicht in orange gekleidet bist, wirst du übersehen.
P 104 – sehr gut einzusehen, aber warum der Kollege unten an der Planke stand, entzieht sich meiner Kenntnis.
P 105 – wenn den ein Fahrer dort oben sieht – Respekt ! Ich würde den nie sehen.
P 106 – ich weiß ja, wo der ist ! Habe ja dort schon gestanden, und jetzt? Übersehen, ich habe diesen Posten wirklich nicht gesehen. Asche auf mein Haupt.
Posten 107 – sehr gut zu sehen, wenn die Sportwarte nicht weggelaufen sind. Diesen Posten sollte sich jeder Fahrer einmal für zehn Minuten antun. Lieber Dirk, ich war am Samstag so was von froh, dass dein Lambo dort so gut liegt, denn gefühlt warst Du doppelt so schnell wie alle anderen. Ich dachte im ersten Moment, Du willst mich an der Posten-Leitplanke besuchen.
P108 – nur aus den Augenwinkeln zu sehen, würde ich sagen.
P109 – super zu sehen, aber dort steht bei den VLN-Läufen kein Sportwart.
P110 – auch nur aus den Augenwinkeln zu sehen - und recht spät.

Ja - ich weiß ! Kurze, knappe Beschreibung - aber so in etwa rauscht man an den Posten vorbei. 

Weiter geht die Hatz um die schönste Strecke der Welt. Ich muss jetzt zu meiner Schande gestehen, ich habe zwischendurch den Überblick verloren und war mir nicht mehr bewusst, durch welchen Abschnitt wir gerade fahren.
Aber einen Sportwart habe ich erkannt ! Wir hatten uns beim Sechs-Stunden-Rennen in der Boxengasse noch unterhalten. Wen man alles so sehen kann ?
Holla, „Gelb“ ist draußen. Peter geht richtig vom Gas. Aber wo ist denn hier was? Nach einer Ewigkeit sehen wir den Wagen auf der rechten Seite. Fahrer und Beifahrer stehen brav hinter der Leitplanke. Nur mal so, lieber Honda-S2000-Fahrer ... Ja genau Du, der schwarze mit dem orangen Streifen ! Es war die gelbe Flagge draußen ... und das heißt „Überholverbot“ ! Schade, dass ich wegen Deiner Theke am Heck die Startnummer nicht sehen konnte. Nach der Fahrt hätte ich gerne die „kleine Flaggenkunde“ mit Dir besprochen. 
Sofort nach „Grün“ wurden wir von einem der CUP Porsche überholt. Wenn der Fahrer schon länger hinter uns war, dann gebührt Dir mein Respekt: Er hat sich an die Flaggensignale gehalten und erst nach grün überholt.


Fazit
Ich habe jetzt erlebt, wie es ist, als Beifahrer in einem Rennwagen die Nordschleife zu befahren. Ich habe selbst bemerkt, was für ein Betrieb auf der Strecke ist und dass man als Fahrer mehr als zwei Augen gebrauchen könnte. Überholen, überholen lassen, die Kurve richtig treffen und dabei auch noch die Flaggensignale der Streckenposten zu sehen. 
Ich werde keinen Fahrer mehr in Gedanken „steinigen“, aber trotzdem jeden melden, der unter Gelb überholt.
Ich stehe jedem Fahrer, den ich gemeldet habe, sehr gerne Rede und Antwort nach solch Gelbmeldungen, um die Situation zu besprechen.
Wir sollten viel öfter in Ruhe miteinander sprechen und so Ungereimtheiten klären.


Traum
... und jetzt die Fahrt mit einem „dicken“ erleben.

Erik Kindermann
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Das Tal der Vergessenheit

Beitrag von Erik Kindermann » Mi 22.Okt, 2008 22:48

Das Tal der Vergessenheit

dritter Teil der Umsetzung:
Die Motorsportfreunde Bochum e.V. und andere Herfergruppen haben bereits weiteren Fahrer/Innen aus der VLN oder anderen Serien zu einem "Schnuppertag als Sportwart der Streckensicherung" zu einer unserer Veranstaltungen eingeladen. Aus sicherlich nachvollziehbaren und versicherungsrechtlichen Gründen benötigen wir dazu „nur noch“ ein Okay der dortigen Offiziellen.

Die Idee von Dirk Adorf ist aber einfach zu gut, um sie in das Tal der Vergessenheit versinken zu lassen.


Daher der vierter Teil der Umsetzung:
Im internen Forum der Motorsportfreunde Bochum e.V. haben wir für das Thema „Einander verstehen – Fahrer werden Streckenposten“ einen Bereich für interessierte Fahrer/Innen geschaffen.

Hier bieten wir allen interessierten Fahrer/Innen eine Plattform rund um das Thema "Fahrer als Sportwart".
Gemeinsam werden einzelne Helfergruppen an dieser Idee arbeiten und Fahrern die Möglichkeit eröffnen, einen Schnuppertag als Sportwart zu erleben.

fünfter Teil der Umsetzung:
Jetzt müssen sich nur noch Fahrer/Innen anmelden.
Bei Fragen stehe ich gerne unter der Mail Adresse SportwarteFahrer@msfb.de zur Verfügung.

Da wir nicht alle persönlich kennen, werden wir, wenn es nötig ist, zur Überprüfung des Namens eine Kopie von Sportwartausweis bzw. Fahrerlizenz anfordern.

Mit einem motorsportlichen Gruss

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Philipp Buehler
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..in 2009 wiederbelebt

Beitrag von Philipp Buehler » Di 21.Jul, 2009 17:55

Vorgeplaenkel
Ich hatte diesen Thread vor laengerer Zeit schon mal gelesen und fand
das sehr spannend und eine "gute Idee", die sich wohl aber im Sand
verlaufen hatte. Leider.

Nach einigen Fragen zu Rennsituationen im Sportwarte Forum hatte mich
dann Erik Kindermann einfach mal angeschrieben, ob ich nicht Lust haette
bei einem VLN Lauf auch mal den Aushilfs-Sportwart zu machen, um diesen
Perspektiven-Wechsel hautnah zu erleben.

Gefragt, getan. Ende Mai hatten wir uns auf den 6h-Lauf am 18. Juli
verabredet. Ein bischen theoretische Vorbereitung - Sportwarte-Lehrbuch
und Postenvorstellung - spaeter und konkreter Uhrzeit / Treffpunkt
konnte es also los gehen.

Ein langer Tag der Wahrheit

Vorbereitung
Am Vorabend gab es ja noch VLN-Fahrerlagerparty, die Nacht war also
eher kurz. Mit wenig Fruehstueck und fast puenktlich traff ich mich
um 6:50 (muss das so frueh sein?) mit Erik auf A6. Die notwendige
Ausruestung umgeladen und hoch zum Hazet Fahrerlager.

Ich bekomme das Procedere nicht so wirklich mit, aber die Postenverteilung
war ja wohl schon abgesprochen. Also geht's direkt los in Richtung
Nordschleife. Auch mal interessant so mit sehr, sehr gebremsten Schaum
ueber die Strecke zu fahren. Linie braucht's da nicht, tut trotzdem
irgendwie "weh", wenn so gefahren wird. ;-)

Egal, an Posten 99 im Adenauer Forst angekommen wird kurz ausgeladen.
Solange Erik das Auto am Hauptposten 101 parkt, raeumen ich und Claudia
alles am Posten ein. Erstaunlich, was da alles zusammenkommt.
Zwei Flaggensaetze, drei Feuerloescher, Bindemittel, Besen, Stuehle,
Materialbox, Verpflegung, Jacken/Schirme.

Erstmal umschauen, die Vorbereitung durch die Postenvorstellung im
Sportwarte-Forum war hilfreich sich schnell zu orientieren. Eigentlich..
da hinten sollte P98 sein - ich sehe nichts. Da vorne P100 - ich sehe nichts.

"Wenn die Flaggen schwenken, sieht man es aber" - zumindest vom oberen
Podest. An der Leitplanke direkt sieht man nichts. Gar nichts.
Auch "oben" geht's nur, wenn man weiss, wo die stehen sollen und durch
die orangenen VLN-Jacken. Im typischen Einheits-Graublau heutiger Regenjacken
waer's schlicht unmoeglich. Nicht zuletzt auch wegen der ueppigen Vegetation,
die dringend oefters geschnitten gehoert.

Da noch Zeit bis Trainingsbeginn ist, gibt's erstmal Fruehstuecksergaenzung
und man kann sich bis dahin noch freuen, dass das Wetter nicht ganz so
miserabel wie vorhergesagt ist.

Training
Es wird ernst, ein Aston bollert mit roter Flagge vorbei. Ab jetzt ist der
Platz vor der Leitplanke gefaehrlich. Ich kann mir das Training und die
Arbeit der Sportwarte erstmal vom Podest aus anschauen. Die ersten der
Topfahrzeuge haemmern die Fuchsroehre hoch und mir wird schon mulmig, wie
spaet man diese erst sieht.

Kurz darauf hoert man einen eher leisen, dumpfen Schlag und dann einiges
an Staub an der Leitplanke in der Rechtskurve zum AF hoch. Dann kommt auch
schon ein Auto an der Planke entlang um die Ecke gekrochen und
bleibt stehen.

Es wird hektisch - hat P98 das gesehen und schwenkt Gelb? Ja, haben sie
wohl und bei uns heisst das erstmal gruene Flagge. Diese wird mir dann
kurzerhand auch in die Hand gedrueckt, da Claudia eine Meldung an den
Hauptposten machen muss. Hmm, und wie geht das, wenn man - wie ueblich -
nur zu zweit auf dem Posten ist?

Auch wenn das nur 2-3 Minuten dauert, ich merke schon ein Ziehen im Arm.
Es ist unglaublich, dat Dingen ist nicht sonderlich schwer, aber es zieht
trotzdem.

Der Fahrer bleibt zuerst sitzen, dann geht die Tuer auf. Er steigt aus,
rennt erstmal vor und zurueck um's Fahrzeug. Junge, geht's noch? An der
Stelle ist ein Einschlag unwahrscheinlich, aber man kann die Schadensanalyse
auch noch in der Box machen. Nach einem weiteren Blick ins Fahrzeug (Tuer auf,
Kopf rein - Sicht nach hinten keine) bewegt er sich dann doch endlich hinter
die Leitplanke. Puuuh.

Das Staffel-Fahrzeug rueckt an und schleppt den Unfaller auf das Gruenstueck
oberhalb - und laesst den dort stehen. Zum Schleppverband wird Gelb gezeigt.
Aber wirklich erst genau ab Hoehe des Posten, auch interessant.
Mit einigen Spaziergaengen um's Auto vertreibt sich der Fahrer die Zeit, bis
er dann doch wirklich mal wieder hinter der Planke in Sicherheit geht - kurz
drauf rumpelt auch prompt ein Cup-Porsche geradeaus. Waere der rechts rum
geschleudert.. ich will garnicht dran denken.

Werte Fahrerkollegen - hinter die Leitplanke, und dran denken, dass das
keine "Theke" ist und beim Einschlag auch locker mal einen Meter nach
hinten nachgibt.

Sonst ist im Training wenig los und es gibt nur abundzu weisse Flagge
fuer S-Cars - trotzdem gehen die 1.5h "wie im Flug", da man dauernd aufpassen
muss, was denn so auf der Strecke los ist.
Nach den letzten Teilnehmern kommt dieses mal der Aston mit gruener
Flagge vorbei - ab jetzt ist theoretisch die Strecke nicht befahren?

Denkst wohl, der Unfall-Fahrer nutzt gleich mal die Zeit fuer einen weiteren
Spaziergang. Zu "ich will mal schauen, wie die Leitplanke ausschaut". Was will
er da schon ausser verdeppertes graues Blech sehen? Immerhin ist er zurueck
bis die Teilnehmer der verschiedenen Corsos unterwegs sind, die zwischen
Training und Rennen unterwegs sind.
Auch da ein paar wenige "uebermotivierte", die beinahe den klassischen
Touri-Abflug/Dreher machen.

Dann bleibt auch noch genug Zeit den Magen schonmal vorzufuellen, da
waehrend des Rennens eigentlich keine Zeit fuer Verpflegung bleibt, das
muss man auch mal bedenken. Fahrerwechsel sind vorgeschrieben, Wechsel
des Postenpersonals nichtmal eingeplant - es sei denn einer wie ich steht
mal zusaetzlich dabei.

Das Rennen
Nach der obligatorischen Durchfahrt der roten Flagge hoert man im Radio
schon, dass die erste Startgruppe unterwegs ist. Das Bruellen der Motoren
ist auch schon von weit her zu hoeren und da knallt auch die Spitzengruppe
schon durch den Forst.

Der Laermpegel ist betraechtlich - natuerlich schoen zuzuhoeren und fuer
einen Zuschauer kein Problem. Wenn man sich aber zwischen "oben" und "unten"
unterhalten will: keine Chance. Sogar die Trillerpfeife geht unter, wenn
so ein RSR runterschaelt. P99 steht nunmal auch genau auf Hoehe eines
Schaltpunktes...
Einschlaege Ausgangs der Fuchsroehre hoeren? Auf gar keinen Fall, von "unten"
hoert (und sieht) man auch nicht, was Ausgangs der Schikane passiert.
Ich konnt mir das auch nicht vorstellen, aber es ist so.
Ein paar Abfluege hat der VLN-Fanclub aufgezeichnet
(http://www.youtube.com/watch?v=ugk2Rhe-k1c) -- ich konnte nicht einen davon hoeren!

Der dort gezeigte Fahrer mit der hochgeschlagenen Motorhaube kam dann an
der Leitplanke entlanggetuckert, haelt an, Scheibe runter:
"Mach mir mal die Motorhaube zu!!" - Spruch des Tages :-)

Die ersten Runden sind durch und nach einiger Beobachtung, wann und wie
"blau" gezeigt wird, soll ich das auch mal probieren. "Oh weia", der
ewige Zankapfel zu 'wieso hat der (nicht) blau gezeigt'.

Da steht man an der Stelle also hinter zwei Zaeunen (FIA-Element und
ein normaler Maschendrahtzaun) und kann eigentlich nur zwischen Tuer und
deren Rahmen durchpeilen. Nicht sehr toll, 50cm weiter hoch sieht man
zwar viel besser, aber dann braucht man zu lange bis zur Leitplanke.

Es mag bessere Posten geben, aber an P99 ist das wirklich eine Entscheidung
in unter einer Sekunde, ob man blau zeigt, oder nicht! Dazu noch "wann"
relativ zur Position des langsamen zum Posten - wann sieht der Fahrer das
am besten? Ein Sportwart kennt die Blickfuehrung eines Fahrers nicht und
Erik stellt mir da interessante Fragen dazu.

Manche moegen das als selbstverstaendlich halten, dass man die Flagge
"optimal" gezeigt bekommt, aber das kann einfach nicht klappen - und dann
gibt's ja noch Unterschiede, wann wer wohin schaut.
Ich glaube nicht, dass der "vierte Rueckspiegel" immer richtig gezeigt
werden kann, dafuer sind die Entscheidungszeiten viel zu kurz.
Nicht zuletzt muss der Sportwart ja auch noch fuer langsame Fahrzeuge
weiss schwenken, auf Beinahe-Abfluege achten, wo die Hand schonmal in
Richtung Gelb zuckt. In dem Moment gibt's dann halt auch keine blaue
Flagge - auch wenn der schnelle Fahrer das in dem Moment fuer "$%#&!"
haelt.

Nebenher ist dann noch auf BM-Spuren zu achten - oder sonstiger Krempel,
der mit der Zeit so auf der Strecke landet und den Einsatz der Schmutzflagge
notwendig macht. Ebenso die Einschaetzung ob der Regen so stark ist, dass
er diese Flagge auch notwendig macht.
Wer sich mal wundert, dass an einem Posten gelb-rot gezeigt wird aber
am naechsten nicht: es ist einfach eine Einschaetzungssache. Bis zu ein
paar Tropfen macht es zuerst nichts aus, ueber die Zeit aber schon.
Also ab wann zeigen, immerhin "bremst" das ja auch einige ein. Nicht so einfach..

Ueberhaupt das Wetter.. Sonne, Wolken, Wind, Nieselregen, Platzregen.
In beliebiger Mischung. Mal ist es einem kalt, dann wieder zu warm, Kapuze
hoch, Kapuze runter (man hoert besser) und und und. Immerhin war es nicht
SO nass, dass man auch noch im Schlamm gestanden waere.

Die Konzentration laesst zwischendrin auch mal etwas nach, aber ein
Quietschen oder "Zucken" bei einem Fahrzeug und das Adrenalin tut auch
jenseits der Planke seine Wirkung ;).

Gluecklicherweise haben die Fahrer es geschafft zum groessten Teil im
Forst auf der Strecke zu bleiben. Ein paar wenige zwar "ins Gruen" mussten,
den Wagen aber noch eingefangen haben. Die Mischung aus Koennen und Glueck
kurz vor Ende war nochmal einen guten Adrenalin-Schub wert, als ein E36
durch's Gruen direkt an der Planke vorbeihaemmert, sich dreht, ueber die
Strecke und ins hintere Gruen weiterschleudert. Nicht alleine, sondern
durch einen Pulk von 6-7 Fahrzeugen und einem S-Car.

So wurde uns eine lange doppel-Gelb Phase auch erspart, lahme Arme am
Sonntag (5. Lauf RCN) haette ich auch nicht brauchen koennen am Lenkrad ;).
Verwirrend fuer mich war dann allerdings ein Ausritt ins Gruene - ich
fange schon an Gelb zu schwenken, allerdings bleibt der Wagen so unter
einem Meter VOR dem Posten stehen. Also zeigt Erik Gruen. Mist. Flagge
wechseln. Inzwischen hat sich der Fahrer berappelt und "humpelt" weiter.
Erik wechselt auf Weiss. Sah sicherlich lustig aus.. Gruen/Gelb, Weiss/Gruen,
Weiss/Weiss. :-} ..alles nicht so einfach in der Kuerze der Zeit.

Das Rennen ist erst mit Vorbeifahrt der roten Flagge vorbei und vorher
sollte man auch tunlichst nicht mit "Aufpassen" aufhoeren. Der dritt oder
viertletzte Wagen hat das verdeutlicht, als es einen beinahe Abflug in der
letzten Runde gab.

Nacharbeiten

Danach kann man dann auch anfangen den Posten aufzuraeumen und zu verlassen.
Die Feuerloescher kommen wieder an den Streckenrand und man laeuft mit
Sack&Pack in Richung Hauptposten zum Auto. Unterwegs stellt man noch weitere
Feuerloescher von hinter der Planke an die Strecke. Wieder was gelernt: an
den Stellen, wo ein Pfosten mit orangenem Schild steht, ist ein Feuerloescher.
Hand auf's Herz, wer als Fahrer weiss das? Ich nicht - in der Ausschreibung
und Co steht das auch nicht.

Auch interessant, was nach so einem Rennen alles an "Krempel" auf der Strecke
liegt. Reifenfitzel, Karbon/GFK-Kleinstteile, Schrauben, Tape, Glas, ....

Mit dem Auto geht's zurueck ins Fahrerlager wo noch eine kleine Nachbesprechung
stattfindet und dann ist es "schon" vorbei. Fast 12h. Ich bin mittelpraechtig
muede und habe Hunger, aber auf mich wartet noch die technische Abnahme der
RCN :-}

Fazit

Der Tag als Sportwart war:
- sehr interessant
- anstrengend
- ueberraschend
- nasskalt
- lustig
- erhellend
- Respekt einfloessend
- "saugeil"
Ich kann es wirklich nur jedem Fahrer (oder auch mal so einem Besserwisser-
Zuschauer?) ans Herz legen sich mal einen Tag als Sportwart zu erleben..
Es muss ja nicht gleich die "volle Packung" 6h-Rennen sein ;).
An Einzelsituationen kann man immer etwas "finden", dass besser gegangen
waere - aber man muss das auch mal in Summe sehen. Wer macht schon 6+1.5h
_keine_ Fehler? Na also.

Bisher hatte ich die Arbeit der Sportwarte immer geachtet, aber nach dem
Tag ist auch noch einiges mehr davon und noch viel mehr Respekt dazu gekommen.
Ich fand es wirklich toll und hoffentlich folgen noch mehr dem Aufruf von
Dirk und Thomas' bzw meinem Beispiel.

Leider kann ich den Sportwarten keine Mitfahrt anbieten, da fehlt's am
zweiten Sitz. Aber einen zweiten Einsatz koennte ich mir auch vorstellen :).

Vielen, Vielen Dank an den MSFB und Erik+Claudia im speziellen
fuer diesen tollen Tag!

Erik Kindermann
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Beitrag von Erik Kindermann » Di 21.Jul, 2009 20:18

Hallo Philipp,

sehr schöne Analyse von Deinem Tag als Streckenpostenanwärterlehrling hast Du da verfasst.

Es freut mich zu lesen, dass Dir der Tag mit uns „Verrückten“ viel Spaß bereitet hat. Ich fand das Wetter übrigens als recht angenehm. 30° ohne Schatten oder Dauerregen bei 8° sind da noch unangenehmer. Bei kalten Temperaturen kannst du nach zwei Stunden stehen kaum laufen, geschweige rennen.
Von den Einschlägen in unserem Bereich habe ich auch nur den BMW und die Corvett leise gehört.
Das noch ein Porsche in die Planken gerauscht ist, habe ich nicht mitbekommen und erst im Video gesehen.
Aber Du schreibst ja selbst, wenn gerade nen RSR runter schaltet, hörst du nichts anderes.

Ich habe ich sehr gefreut, dass Du bereit warst beim längsten Rennen der VLN den Tag mit uns zu verbringen. Ebenso habe ich darüber gefreut, Dich endlich persönlich kennen zu lernen.
Und ja, auch ich habe wieder etwas gelernt. Es ist schon eine Bereicherung mit einem Fahrer auf dem Posten zu stehen und seine Sichtweise zu hinterfragen.

Ich bin immer noch gegen einen Zwang, dass jeder Fahrer eim, zwei Stunden oder einen Tag als Streckenposten ableisten muss. Er wäre nie mit dem Herzen dabei. Aber jeder Fahrer, der sich freiwillig an uns Sportwarte wendet ist herzlich willkommen.

Schauen wir mal, was noch kommt.

Mit einem Motorsportlichen Gruß
Erik

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Beitrag von Michael Küchenmeister » Mi 22.Jul, 2009 10:10

Hallo,

war dieser Ausritt ein oranger BMW E 36 M3 Coupé mit der Startnummer 537? :oops:
Wenn ja, war ich das, und ich hatte großes Glück, nirgendwo einzuschlagen.
Ich war einfach zu schnell für die Rechtskurve im Eingang Adenauer Forst,
konnte dann nicht mehr stark genug bremsen und bin geradeaus übers Gras, über die Strecke und wieder aufs Gras. Allerdings war um mich herum glücklicherweise kein anderes Fahrzeug weit und breit zu sehen.
Danach leicht aufs Gas, und das Auto fuhr wieder in die richtige Richtung.
Die nächsten 2 Kilometer fuhr ich daraufhin, wie sich 2 Igel lieben:
ganz ganz vorsichtig!!!

Bis demnächst im Forst

Michael Küchenmeister

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Beitrag von Philipp Buehler » Mi 22.Jul, 2009 10:21

Nach Ergebnisliste war das Eurer.

Und da waren viele Autos - nichts von wegen kein Auto weit und breit 8O

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Beitrag von Gerrit Bisping » Mi 22.Jul, 2009 12:19

@Phillipp: Saustarker Bericht - viel Hintergrundinfo´s mit denen man bei der nächsten Veranstaltung "Mitreisende" beeindrucken kann! :D

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Beitrag von Peter_Hoffmann » Mi 07.Jul, 2010 9:59

Einen wunderschönen, guten Morgen zusammen! Ich habe es wieder getan. Ich stand letztes Wochenende neben Erik auf Posten 107 und habe ein Paar Worte dazu geschrieben. Viel Spaß!

Mit 'nem Gruß an Alle

Peter

Leitende Planke oder Planke des Leidens?

Gestern war es mal wieder soweit. Langstreckenpokal. Ich war da und ein kleines Stückchen auch daran beteiligt. Diesmal auf der anderen Seite der Planke. Mit Flagge und Löscher, statt mit Knitterfreiem und Lillifee. Mein Beitrag zu „Fahrer werden Streckenposten“ zu „die Welt durch Deine Augen sehen“.

Wie ist es denn nun, wenn man im Langstreckenpokal die Vier-Stunden-Sprinter beaufsichtigt? Wie fühlt es sich denn an, zwar aktiv zuzuschauen, aber eben nicht selbst ins Lenkrad zu greifen? Daher auch die Überschrift... ich war mir nicht sicher, wie weh es tun würde bei einem VLN Rennen auf Posten zu stehen, statt selbst zu fahren. Das vorweg... es war erträglich. Wohl auch deswegen, weil es irgendwie nicht „mein“ Langstreckenpokal war, bei dem ich Gestern mit Erik (Kindermann) den Posten 107 besetzt habe. Ich habe ein Rennen gesehen, dass weit von dem Langstreckenpokal weg war, der mir so am Herzen liegt. Oder muss man vielleicht schon schreiben „lag“? Aber dazu später noch ein paar Worte, falls die jemand lesen mag. Eigentlich geht es mir und hier nämlich darum, eine Lanze für unsere Posten zu brechen.

Wie läuft so ein Tag im Leben als Posten denn nun ab? Nun... um 2:00 Uhr Samstag Morgen bimmelt der Wecker. Richtig gelesen. Zwei Uhr Morgens! Warum das denn? Nun ja... Dank „König Fussball“ war alles ein wenig früher, auch unser Aufbruch von Zu Hause. Und da wir gute drei Stunden Fahrt an den Ring haben, ergab es sich eben so, dass wir um 2:00 Uhr aufgestanden sind, um uns rechtzeitig um 6:30 Uhr mit Erik auf Parkplatz A6 zu treffen. Von da geht es ins Fahrerlager das gerade erwacht. Ich habe die Posten da Samstags Morgens schon x-Mal stehen sehn... nun war ich selbst einer von ihnen.

Allgemeines „Hallo“, Begrüßung der restlichen Vereinskameraden von den Motorsportfreunden Bochum, ein Paar frühmorgendliche Geschichten, ein wenig Smalltalk, den administrativen Kram erledigen. Irgendwann ist Erik wieder da und fragt mich ob wir fahren wollen. Klar! Deswegen sind wir ja da! Also los. Über die GP und via der Nordschleife per Auto zu Posten 101 (Metzgesfeld) und dann von dort aus zu Fuß zu Posten 107 (Kallenhard). Hatte was touristisches. Irgendwie herrlich entspannend. Und so viel Gegend Rechts und Links der Strecke! Jungs (und Mädels) in den Renn-Boliden: ab und an mal 'ne langsame Runde im Renner drehen. Ist echt schön da, in der Eifel! Auto am Hauptposten geparkt, Kram ausgeladen, Spaziergang.

Nun erkennt man die Profis. Während meinereiner seine Kühltasche schleppt, haben die erfahrenen StreSis kleine zusammenklappbare Rollwägelchen dabei. Ist auch nötig. Die VLN-Samstag-Standardausstattung kommt z.B. inklusive Gas-Kocher, Standfuss für den Flaggensatz, etc. pp. Unnötig zu erwähnen, dass die Jungs und Mädels ihre EIGENEN Flaggen dabeihaben, oder? Und ich sagte Morgens noch auf dem Weg zum Auto „einen Vorteil hat's ja, dass ich nicht fahre... wir schleppen deutlich weniger Zeug rum“. Wir schon, die erfahrenen Posten ziehen nicht mit weniger Material durch die Lande als wir Fahrer.

Nach einem kleinen Spaziergang bei Posten 107 angekommen (unterwegs haben wir noch ein Paar Flaschen eingesammelt und ein wenig scharfkantiges Grobzeug entsorgt), bauen wir auf. Unsere beiden Löscher werden platziert, die Flaggen griffbereit aufgestellt, Besen und Ölbindemittel bereitgestellt. Und dann unsere Wohnungseinrichtung verteilt. So ähnlich jedenfalls. Viel Platz ist an dem Posten wenig, hinter der Planke, wobei Erik mehrfach erwähnt, dass wir hier noch großzügig bedacht worden seien. Ich sehe dauernd ein Bild vor meinem geistigen Auge... Anfahrt Kallenhard bin ich mit Lilli kurz im Begrenzer des dritten Gangs oder ganz knapp im vierten, bevor ich anbremse. Wenn sie da fliegen geht, habe ich so ca. 100-120 auf der Uhr. So aus dem Bauch geschätzt. Auf den Tacho hab' ich da noch nie geschaut. Ich würde sagen, dass sie 'ne Leitplanke da mal lässig 'nen Meter bis eineinhalb verschiebt. Wir haben gerade mal 'nen Meter Platz hinter der Leitplanke... dann folgt das (Kallenbach?) Tal. Ich fühle mich hier nicht gerade kugelsicher, behalte meine Zweifel aber für mich.

Dann kommt Rot. Für die Nicht-Insider, eine Motorsport-Strecke wird grundsätzlich „Rot gefahren“, d.h. ein Fahrzeug mit einer roten Flagge fährt über die Strecke und macht „zu“. Will sagen, sperrt die Strecke für allen Nicht-Rennverkehr. Damit kann es losgehen. Und wenig später hört man es auch schon. Das Grollen in der Ferne. Die Meute ist unterwegs, die Dickschiffe brüllen ihre Kraft in den Eifel-Morgen. Man hört sie näher kommen und man spürt sie auf den letzten Metern auch. Gänsehaut! Bei mir jedenfalls. Ein irres Gefühl! Ich stehe blöd grinsend in einem Bereich, in dem mir ein Abflug von einem der Big-Banger wahrscheinlich jeden Knochen im Leib brechen würde und freue mich darauf, dass der erste über die Kuppe und auf uns zu fliegt. Bekloppt! Aber sowas von geil! Und dann sind sie da. Obwohl es eigentlich nicht mein Job ist, riskiere ich einen Blick.

Meine Aufgabe ist es mit einer gelben Flagge in der Hand den Kurvenausgang und unseren Folgeposten zu beobachten. Wenn es in unserem Abschnitt ein Problem gibt, greife ich mir die zweite Gelbe und zeige Doppel-Gelb. Wenn der Folgeabschnitt Doppel-Gelb zeigt, zeige ich Gelb. Erik schaut den heranstürmenden Monstern entgegen und beobachtet den Posten vor uns. Er hat Blau in der Hand, Weiss, Grün und die Schmutzflagge sind griffbereit. So tobt das zeitenjagende Feld die ersten 10-15 Minuten an uns vorbei. Dann fragt Erik mich ob wir wechseln wollen.

Klar! Ich will! Endlich das Weisse in den Augen der Monsterbändiger sehen! Sind wir mal ehrlich, liebe Fahrerkollegen... wer von uns regt sich nicht bei jedem Rennen geschätzte 284 Mal darüber auf, dass genau der Posten MIR jetzt Blau gezeigt hat und genau der andere dem Kurvenfrühbremser vor mir eben nicht. Natürlich will ich jetzt alles viel besser machen. Äh ja. Theorie ist etwas Feines. Du siehst die Autos an unserem Posten maximal 2-3 Sekunden lang. Die Zeit muss Dir reichen zu entscheiden, wer da jetzt wen überholen will, ob da vielleicht sogar einer ein Problem hat und natürlich sollst Du auch noch darauf achten, was der Posten vorne anzeigt. Kein Problem. Lässig. Da wirst Du zum Nichtraucher. Keine Zeit für sowas. Deine Augen verfolgen jedes Auto und Du versuchst jede Situation zu lesen. Wohlgemerkt richtig zu lesen. Ihr kennt das, liebe Fahrer... der Hujo vor Dir eiert auf der Strecke rum als gäbe es extra Punkte für die längste Runde. Recht, Links, Links, Rechts... völlig unkoordiniert... planlos... die Ideallinie, das unbekannte Wesen. Echter Murks, oder? Und genau so, wie wir im Auto so einen Kurveneingangsspätentscheider nicht „lesen“ können, kann es der Posten auch nicht. Die, die klar schnell oder klar langsam, klar Rechts oder klar Links sind, die sind kein Problem. Da entscheidest Du blitzschnell „ist schneller“, „will überholen“ oder eben nicht. Die anderen, bei denen weisst Du erstmal nicht, was Masse ist. Kunststück, die wissen es ja selber nicht. Und deren Hintermann, der keine Ahnung hat, was die da jetzt machen, der erwartet von Dir, dass Du das weisst. Oder zumindest entscheidest demjenigen mittzuteilen, was er/sie/es nun tun soll. Der Fahrer lässt quasi fremdentscheiden. Und das lustige ist, die, die vorher nicht wussten wo sie rumfahren und wieso, die reagieren dann tatsächlich darauf. Wenn Du denen Blau zeigst, machen die Platz. Von selber wären sie wahrscheinlich in tausend Jahren nicht auf so eine revolutionäre Idee gekommen, aber wenn Du ihnen Farbe zeigst, dann ist das ok. Dann können sie dem Team hinterher erzählen sie mussten ja Platz machen. Sie hatten ja keine Wahl. „Der hat mir Blau gezeigt.“ Die 15 Sekunden Zeitverlust gehen dann auf Deine Kappe. Oder so.

Es wird ruhiger auf der Strecke. Erik erzählt mir, dass die Top 10 Brenner ca. 15-20 Minuten vor Ende der Sitzung nochmal alle angreifen werden. Nicht nur die. In der Zwischenzeit hat man stellenweise das Gefühl, dass nur noch drei Autos auf der Strecke sind. Ich mache eine geistige Notiz in Zukunft erstmal 'nen Cappu zu trinken, wenn die ganze Armada unterwegs ist und 30 Minuten nach Beginn mal gemütlich loszufahren. Natürlich mit dem Ziel, zu Hause zu sein, bevor die großen Jungs dann wieder in den Sandkasten wollen. Warum kommt man auf sowas nicht? Gute Frage. Keine Ahnung. Aber nächstes Mal mache ich es genau so. Da hast Du Deine Ruhe auf der Bahn und musst niemandem Platz machen. Da sitzen die nämlich alle in der Box und planen die entscheidende Runde. Es folgt der finale Angriff und das Ring-Radio vermeldet 8:07irgendwas. Soviel zum Thema „langsamer wegen der Sicherheit“... „Richtzeit 8:30“. Ja, nee, is' klar. Eifel-Uhren gehen anders, zumindest an Renn-Samstagen.

Die Staffel Autos fahren an uns vorbei, wahrscheinlich erstmal im Breitscheid 'ne Wurst reintun. Nun ist erstmal ca. eineinhalb Stunden Pause. Erik baut den Kocher auf und fragt mich nach meinen ersten Eindrücken. Tja... wenn ich sage, dass die alle ein Rad ab haben, dann trifft es das und ist dabei noch nett untertrieben. Da ist nix mit „erstmal rausfahren und eine Runde die Strecke anschauen“. Die hacken allesamt los, als wenn es 'ne Sonderwertung gäbe. Sieht schon wild aus. Ich hab' mir die Autos aus meiner Klasse angesehen. Die, gegen die ich schon gefahren bin. Ich muss wohl genauso durch die Ecke knallen, jedenfalls war ich an der Stelle nie langsamer, als die Gegner aus der Klasse. Bekloppt! Krank! Man kann ohne Übertreibung feststellen: je kleiner das Auto, desto länger der Nagel im Kopf. Lässt man die Top 10 mal Außen vor, von denen die ersten fünf in einer eigenen Liga unterwegs sind, dann kommen danach vom reinen Kurvenspeed her die kleinen Serienwagen, die Fiestas und die Clios. Die sind am Limit. Letztere schieben auch schon mal Cup-Porsches vor sich her. Mag ja sein, dass ein GT3 (der außerhalb der Top 10 fährt) da schneller ist, der ist aber 'n Stück vom physikalischen Limit weg. Dem Limit des Autos. Die Top 10 sind 'ne andere Geschichte, ohne Frage. Meine persönlichen Favoriten in unserem Eck: der Brötchen Clio und der weiße Fiesta. Daß das geht, was die beiden da machen, glaubt man nicht. Mindestens die Hälfte der Cup-Porsches und die GT4 dagegen tragen die Autos an uns vorbei. Hinter denen macht Mutti Beimer noch Lichthupe und wird ungeduldig. Merke: Leistung ist nur durch zwei Dinge zu ersetzen... Flügel oder Wahnsinn. Treffen alle drei aufeinander, wird’s bitter!

Während ich noch so vor mich hin-sinniere, ob sich wohl jemand findet, der einen Cup-Clio gegen Lillifee eintauscht und ob Frontantrieb nicht doch das viel coolere Antriebskonzept ist, hat Erik die ersten Würste fertig. Wir muffeln vor uns hin. Im zweifachen Wortsinne. Essens-technisch, aber Dank der Gas-Kocher-extra-Grade auch Temperatur-technisch. 's ist warm. Man kann es nicht anders sagen. Ich habe zu dem Zeitpunkt schon einen Liter Flüssigkeit intus und keinerlei Bedürfnis irgendetwas davon weg zu bringen. Nach dem Essen wird daher nochmal die Sonnencreme appliziert. Eifel-Wetter, man muss Dich lieben oder an Dir verzweifeln! „Normal“ kann das Wetter da nicht.

Wir räumen die Küche auf und bereiten uns mit einer letzten Ruhe-Zigarette auf den Sturm vor. Das Ring-Radio berichtet aus der Startaufstellung und die erste Startgruppe geht auf die Reise. Du hörst sie wieder kommen. Nicht ganz so heftig wie vorhin im Training, weil sie ja auch nur mit Halbgas unterwegs sind. Das Pace-Car kommt über die Kuppe und grüßen und winken sind angesagt. Es ist ein schönes Gefühl, wenn Fahrer zurückwinken. Einige erkennen Erik tatsächlich und das erfreut besonders. Ich muss zugeben, so wenig, wie ich die Einführungsrunde als Fahrer mag, so viel Spaß macht sie, wenn man auf dem Posten steht. Die wunderschönen Autos noch mal in Ruhe ansehen und den eigenen Favoriten noch mal besonders Glück wünschen. Hat was!

Die dritte Gruppe ist durch, kaum ist Ruhe, schwillt langsam aber unaufhörlich das Crescendo in der Ferne an. 'Havoc! and let slip the dogs of war' (Shakespeare). Das hat er wohl damit gemeint. Man hört von uns aus, wie sie die Fuchsröhre runter durchladen. Und dann kommt die Horde unaufhaltsam näher. Unglaublich! Die ersten kacheln über die Kuppe und man würde sicher einen Schritt zurück machen, wenn denn Platz genug dafür wäre. Der Leuchtkeks war auf der Kuppe in der Luft! Hammerhart! Ein unglaublich beeindruckendes Erlebnis wie diese Meute auf einen zutobt! Ab da war Rennen. Für die nächsten vier Stunden.

Das Rennen selbst ist ein Wust aus Eindrücken. Erik und ich wechseln uns ab. Mal schaut der eine nach Vorn und übernimmt Blau, mal der andere. Zwischendurch trinken, trinken, trinken. Der Planet brennt. Die Zeit vergeht wie im Flug, derjenige, der Blau zeigt ist gut beschäftigt, der andere ist zwar aufmerksam, hat aber etwas weniger zu tun. Was ich auch zum ersten Mal bewusst sehe, sind die Staffelfahrzeuge, die nach einem Einsatz über die Strecke fahren. Hut ab vor dem Mut der Besatzungen! Die Geschwindigkeitsunterschiede zu dem Rennverkehr sind teilweise mehr als heftig! Ich glaube, da kann einem Angst und Bange werden, wenn man da drin sitzt. Ich habe schon häufiger überlegt, ob ich wohl Staffel fahren wollte, wenn ich irgendwann den Helm an den Nagel hänge... seit Samstag bin ich mir da nicht so sicher. Die Jungs bräuchten meiner Meinung nach ganz eindeutig schnelleres Gerät. Zu ihrer Sicherheit. Die Intervention Cars sind fast im Rennspeed unterwegs, einige, gerade die älteren, Staffelfahrzeuge sind davon weit entfernt. Meiner Meinung nach sollte sich das dringend ändern. Es kann doch nicht sein, dass bei all den Herstellern, die in der VLN aktiv sind keiner in der Lage oder willens ist einfach ein Paar Erprobungsfahrzeuge, Vorserienfahrzeuge, ausgediente Pressefahrzeuge oder ähnliches zu stiften. Die Kisten wandern doch eh in die Presse. Und hier wären sie nötig!

Die Fahrerkollegen haben bei mir einen durchweg positiven Eindruck hinterlassen. Die erkennbaren Anfänger sind mit Übersicht unterwegs gewesen und bei uns am Posten gab es keine kritischen Situationen. Auch keine „Uiuiui“-Fahrzustände. Mag damit zusammengehangen haben, dass die Fahrer Dank der Temperatur ruhiger waren als sonst. Sauna beruhigt womöglich. Etwas, was mir aufgefallen ist... es wäre praktisch, wenn man Anfänger erkennen könnte. Ich denke, auch für die anderen Fahrer. Farbmarkierungen Vorne wie Hinten bei den ersten vier Rennen z.B. Dann wissen die Posten, wie die anderen Fahrer, dass man bei dem Kollegen ein klein wenig nachsichtig sein muss. Auch die Top 10 haben sich hinten angestellt, wenn vor ihnen mal Kampfgetümmel war. Aus meiner Sicht, zumindest an unserem Posten wirklich rundum positiv. Die, die Blau bekommen haben, haben darauf reagiert und die, die schneller unterwegs waren, haben den anderen Platz zum Leben gelassen. So sollte es sein.

Eines hat mich besonders gefreut und verdient eine kleine, gesonderte Erwähnung: Irgendwannin Runde drei oder vier grüsst mich Michael Flehmer und nach dem Fahrerwechsel bei dem Derscheid 318 grüsst mich auch noch Rolf Derscheid, el Scheffe himself. Dankeschön! Ihr habt mir echt ein Grinsen ins Gesicht gezaubert, Jungs! Und ja, ich habe Euch die Daumen gedrückt! Das Ihr allerdings im laufenden Rennen und bei Eurem Tempo Zeit zum Sightseeing hattet, hat mich schon echt erstaunt.

Irgendwann dann Tropfen. „Jungs, es regnet.“ Roland, unser Abschnittsleiter läuft gerade die Posten in seinem Abschnitt ab und schaut nach dem Rechten. Roland und Erik schauen mich an, als hätte ich Drogen genommen. Und tatsächlich, es fängt an zu tröpfeln. Die Strecke ist heiß, dass Wasser verdunstet sehr schnell, trotzdem zeigen wir nach ein Paar Minuten die Schmutz-Flagge mit dem obligatorischen Finger Richtung Himmel. Einige nehmen Gas raus, die Top-Autos nicht. Sie haben zwar teilweise die Wischer an, ballern aber unverändert weiter. War meiner Meinung nach auch ok, da es nicht genug Wasser war, die Slicks ernsthaft abzukühlen. Eine kurze Schauer, dann wieder trocken. Kurz danach noch eine, ganz kurz. Wieder trocken. Und dann öffnet der Himmel ca. 15 Minuten vor Rennende die Schleusen. Regenguss. Kaum hat es begonnen, meldet Ringradio Rot und einen Unfall von Stuck in der Fuchsröhre. Die Teilnehmer fahren langsam an uns vorbei, offenbar ist also wohl wirklich Rot. Wir wissen es nicht. An unserem Posten ist kein Funk, kein Telefon. Rot wird nur an den Hauptposten gezeigt, wir haben noch nicht mal eine rote Flagge. Irgendwann fahren Veranstalter-Fahrzeuge an uns vorbei und irgendwann Grün. Es hat aufgehört zu regnen, das Rennen ist rum. Zusammenpacken, Eriks Auto wird gebracht (spart uns den Fußmarsch zurück) wir räumen auf und laden ein. Feierabend.

Der Weg zurück ins Fahrerlager, um den administrativen Kram zu erledigen führt über die Nordschleife. Ich habe die Strecke schon in ganz anderem Zustand gesehen, ab und an erinnerte das Umfeld in der letzten Runde eher an ein Kriegsgebiet denn eine Rennstrecke. Wegen der ganzen Wracks, die da so rumliegen. Es scheint als seien die Fahrer dieses Mal überall mit mehr Übersicht zu Werke gegangen, als bei manch anderem Rennen. Erik, meine Frau und ich verabschieden uns von den Kollegen, wir haben beschlossen den Einsatz im Ringhaus ausklingen zu lassen, der Rest hat noch andere Termine. So trennen wir uns, von einem weiteren, heftigen Wolkenbruch begossen.

Mein persönliches Fazit: Anstrengend, ohne Frage. Allein vier Stunden stehen ist kein Pappenstiel. Auch die Konzentration zehrt. Man muss voll konzentriert sein, weil es nie große Pausen gibt. Es fahren dauernd Autos und die werden dauernd überholt. Es war ein irres Erlebnis und es hat mir einen riesigen Spaß gemacht. Sicher wegen Erik, weil man in ihm jemanden hat, der einen ruhig anleitet und der eben weiss, was er tut. Aber eben auch wegen des „Jobs“ an sich. Man trägt Verantwortung, man trägt zum Gelingen der Veranstaltung bei, man achtet auf das Wohl „seiner“ Fahrer und es macht einfach ein bisschen stolz, wenn man hinterher weiss, dass man es gut gemacht hat. Nicht fehlerfrei, dass schafft wohl kein Mensch über so eine lange Zeit, aber eben gut. Ich habe zweimal einen Überholvorgang nicht gesehen, einmal hätte ich fast dem Manthey Porsche Blau gezeigt (fragt mich bitte nicht, welche Synapsen in dem Moment in meinem Hirn falsch geschaltet waren) und einmal habe ich etwas zu früh die Flagge gezückt. Ansonsten war's für mich ok und Erik war so nett mich in dem Glauben zu belassen. Eines steht fest: ich möchte es wieder machen. Immer mal wieder. Weil es Spaß macht. Aber tauschen möchte ich nicht. Ich würde gerne wieder hinter dem Steuer sitzen und Euch grüßen, wenn ich die Einführungsrunde fahre. Und wenn ich das, das nächste Mal tue, dann werde ich es gerne tun und voller Hochachtung für Euch! Danke für Eure Arbeit und Danke dafür, dass Ihr es uns ermöglicht unseren Sport auszuüben!

Erik Kindermann
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Beitrag von Erik Kindermann » Mi 07.Jul, 2010 10:14

Peter_Hoffmann hat geschrieben:Eines hat mich besonders gefreut und verdient eine kleine, gesonderte Erwähnung: Irgendwannin Runde drei oder vier grüsst mich Michael Flehmer und nach dem Fahrerwechsel bei dem Derscheid 318 grüsst mich auch noch Rolf Derscheid, el Scheffe himself. Dankeschön! Ihr habt mir echt ein Grinsen ins Gesicht gezaubert, Jungs! Und ja, ich habe Euch die Daumen gedrückt! Das Ihr allerdings im laufenden Rennen und bei Eurem Tempo Zeit zum Sightseeing hattet, hat mich schon echt erstaunt.
Es war einfach klasse, wie Michael zei oder drei Runden gewunen hat.
Ich würde ja sehr gerne Seine Gedanken in diesem Augenblick kennen.

Wie lange wird er wohl überlegt haben "Ich spinne doch, dass ist nicht Peter, den ich da gesehen habe"
Peter_Hoffmann hat geschrieben:Erik war so nett mich in dem Glauben zu belassen
Welchen Glauben Peter?
Du hast einen guten Job gemacht. Hierbei waren Deine Erfahrungen als Fahrer und WP-Leiter sicherlich hilfreich.

Wer "Murks" baut wird auch "angezählt". :wink:

Lars Jünemann
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Beitrag von Lars Jünemann » Mi 07.Jul, 2010 10:22

:D

Habs schon 2 mal gelesen jetzt, absolut klasse und eine Ode an die Streckenposten, klasse!

Stell es unbedingt mal noch ins Touriforum und vielleicht gibts ja auch auf der VLN-Seite irgendwo Platz dafür, sollten viele lesen!



Gruss
Lars

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Daniel Menze
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Beitrag von Daniel Menze » Mi 07.Jul, 2010 10:32

Bild
Irgendwwoher kenn ich so einen Tagesablauf ... :lol:

Kein Mensch kann "blau" immer richtig zeigen.
Hannes Scheid hat mir mal vor ein paar Jahren gesagt, das er immer grinsen musste, wenn dem Eifelblitz blau gezeigt wurde.
Aber besser ein paar mal mehr zeigen, als einmal zuwenig.

Thomas Uhlmann
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Beitrag von Thomas Uhlmann » Mi 07.Jul, 2010 10:43

Lieber zuviel blau, als gelb ;)

Schöner Bericht. Ich habe meinen Tagesablauf wieder erkannt. Deshalb komme ich inzwischen immer schon Freitags zum Ring, dann kann ich einigermaßen ausschlafen.

Es wäre schön, wenn noch mehr Fahrer deinem Beispiel folgen würden.

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