| Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen |
| Autor |
Nachricht |
Peter_Hoffmann

Anmeldungsdatum: 03.04.2006 Beiträge: 231 Wohnort: Schlitz
|
Verfasst am: Do 02.Aug, 2012 10:04 Titel: |
|
|
So. Es gibt mal wieder einen Bericht.
Lehrjahre sind keine Herrenjahre…
…heisst es. Dem ist im Allgemeinen wohl auch so. In unserem Falle aber anscheinend nicht. Wir befinden uns zwar in unserem RCN Lehrjahr, nichtsdestotrotz haben Thomas und ich am Samstag unseren ersten Klassensieg am Ring eingefahren. Nicht nur unseren ersten, gemeinsamen. Nein, es war für uns beide der erste Klassensieg überhaupt am Ring. Aber nicht nur das. Hätte mir am Freitag jemand gesagt, dass wir jemals mit Madame Lillifee einen 11. Platz im Gesamtklassement eines RCN Laufes erreichen würden, dann hätte ich ihn gebeten wahlweise die Nadeln an seiner Tanne oder die Latten an seinem Zaun nachzuzählen. P11 Gesamt mit 190 wackeren Pferdchen in einem Auto Baujahr “letztes Jahrtausend”. Nein, wir haben nicht heimlich im Lotto gewonnen und uns mal kurz einen Werks-GT3 geliehen. Und ja, ich bin nüchtern. Verwirrt, selber noch etwas ungläubig, glücklich, aber völlig und einhundert-prozentig nüchtern. Ich erzähle einfach mal ein bischen von meinem Teil des Rennens. Thomas wird gerade kaum dazu kommen. Der heiratet am Wochenende und hat sicher anderes im Kopf.
Also… mitten hinein in das Geschehen:
Schon der morgendliche, erste, prüfende Blick gen Eifelhimmel hatte die bekannten Wetterdaten bestätigt. Und jetzt gleich zweimal. Die Luftfeuchtigkeit liegt bei ca. 100% und sie verteilt sich tropfenförmig bis strömend. Es eifelt. Kein Problem. Wir sind stolze Besitzer einer Geheimwaffe. Nagelneue Dunlop Regenpneus. Ein Geheimtipp unter Kennern. Man munkelt Moses habe das rote Meer gar nicht geteilt. Nein, er hat wohl vorher bei Dunlop bestellt und ist durchgefahren. Abgesehen davon waren wir uns sowieso einig… das Wetter wird ohnehin überbewertet.
Ich sitze endlich im Auto. Es ist brütend heiss, Heizung und Gebläse machen Überstunden, der Regen prasselt auf die Scheibe. “Wenigstens ist es hier drin trocken!” Ich stehe an der Zapfsäule, während Arnulf vom Team sich a) nassregnen lässt und b) das kostbare Super Plus (mit Ring-Zuschlag) in den Tank füllt. Der Schweiss läuft mir jetzt schon in die Augen und eigentlich müsste der Sitz doch noch eine Raste zurück, aber nun ist der Gurt nunmal zu und fest. Das muss jetzt auch so gehen. Ich trinke gedankenverloren noch einen Schluck Wasser. In mir kommt so eine merkwürdige Ruhe hoch. Sie durchströmt mich langsam. Ich bin eigentlich schon draussen, auf der Schleife. “Tock, Tock”. Das Klopfen auf’s Dach signalisiert “fättisch, mach Disch fott, Alter”. Conny steht neben dem Auto, beobachtet den Verkehr, gibt mir das Zeichen zum losfahren. Auf geht’s. Motor läuft, Gang rein, anfahren. Mein Rennen hat soeben begonnen.
Erstmal ganz vorsichtig. Auch Regenreifen brauchen Temperatur. In der ersten Hatzenbach-Kurve endloses Untersteuern bevor ich richtig auf’s Gas kann. Ich rede mit mir selbst. “Bleib ruhig, das wird, die Reifen sind kalt.” Erstmal Platz machen, den anderen nicht im Weg rumstehen. “Boah, in der Gischt eines Vorausfahrenden ist gucken echt Essig!” Ausgang Hatzenbach sind die Reifen dann da. Anfahrt Flugplatz Doppelgelb und ein Cayman im Grünen. Wasser, Wasser, Wasser. Richtig viel davon. Gut. Wir sind richtig bereift. Ich fange an mich dem Limit zu nähern. Leicht untersteuernd durch den Flugplatz, dann mit Vollgas auf’s Schwedenkreuz zu. Der unwillkürliche Blick auf den Tacho… es sind knappe 200. “Da geht in der nächsten Runde noch was! Muss!” Ich muss dann immer grinsen. “Bekloppt!” Anbremsen Aremberg ist grenzwertig. Ich habe irgendwie das Gefühl, dass die Vorderräder abwechselnd blockieren. Trotz des relativ moderaten Tempos. Seltsam. Ab in die Röhre. Hier ist die schiere Menge Wassers ein echtes Problem. Dauernd schwimmt Lilli irgendwo auf. Das erste Auto steht zum Überholen an. Ich grinse wieder. “Jetzt gehen wir jagen, mei Guuhdsde!” Am Forst sehe ich den nächsten Voraus. Der Regen wird stärker. Metzgesfeld aussen bleiben, die rutschige Stelle umfahren. “Ah ha. Da ist eine Kante im Asphalt.” Eben da, wo ich mich beim letzten Lauf gedreht habe. Man hat wohl versucht, das BMW Logo weg zu fräsen. Die Kante trifft man sonst wahrscheinlich genau mit dem Hinterrad. Ist notiert. Mein Blick ist aber eigentlich nur noch auf den Audi vor mir gerichtet. Am Eingang der Spiegelkurve macht er fair Platz. Breitscheid wieder das Problem mit den Vorderrädern beim Anbremsen. Dann erstmal komplett freie Bahn bis zur Steilstrecke. Lilli fühlt sich gut an, gerade in den schnellen Ecken. Die neuen Reifen sind ein deutlicher Fortschritt gegenüber ihren Vorgängern. “Das wird gut!” Der Polo bleibt fair Innen, einfach Aussen rum. Der “Mädels Seat” verschwindet gerade im Karussell. Im Wippermann Lichthupe, Eschbach setzt sie den Blinker und Aussen vorbei. So langsam macht das Spaß! Richtig Spaß! Im Brünnchen stehen bei dem Wetter tatsächlich Zuschauer! Dankeschön! Frei bis Pflanzgarten 1. Sprung. Auerha! Die Rechts noch zu kriegen ist grenzwertig. “Ruhig Brauner. Alles wird gut! Nicht schon in der Besichtigungsrunde in den Kies!” Eingangs Schwalbenschwanz macht ein oranger Astra Platz. Oh. Aussen, auf Höhe des Einlenkpunktes liegt irgendein Kohlefaserteil. Auch notiert! Eingangs Döttinger Höhe rufe ich in der Box an. “10:16, richtig?” “Richtig!” Meine Sollzeit, die ich in der nächsten Runde treffen muss. Die fünfte Welle liegt an, wie in jeder ersten Runde will ich dann in den sechsten. Lilli hat aber nur Fünf. Auch gut, bleibt er halt drin. Gespräch beendet, dass Data-Recording wird später knappe 220 vermelden. An der Touri-Auffahrt blinkt die E-Unit, aber sie lassen mich erst vorbei. Ich überlege kurz… “zuckst Du in der Senke?” Ich schaue zur Sicherheit nochmal in die Spiegel, alles frei. Ich stelle die Uhr auf Null, kontrolliere die Abreisszettel. Senke, Tiergarten, Hohenrain. Feuer! Die nun folgende Bestätigungsrunde gibt es quasi Live. Zum selber schauen.
http://www.youtube.com/watch?v=8bQ121eMUhc
Dazu noch eine kleine Anmerkung: Bei 7:18 sieht man, wie ich ein Gespräch der Box annehme. Man sieht direkt danach wie ich Quersteher korrigiere. Das dazugehörende Gespräch will ich den geneigten Zuschauern nicht vorenthalten:
“Wo bist ‘n Du grad.”
“Fast in der Leitplanke.” Ich denke es, sage es aber nicht. Meine Antwort: “Ich mache hier jetzt nicht den Reiseführer. Was weiss denn ich?!” Ich sehe das Schild. “Wippermann.”
“Du bist zu langsam.”
“Ich kann aber nicht schneller.”
“Melde Dich, wenn Du auf der Döttinger Höhe bist.”
“Ok.”
Genau darin liegt eben der Vorteil moderner “In-car-communication-systems”. Früher hätte man solche Infos nicht miteinander teilen können. Man konnte mit Boxentafeln eben nicht reden. Thomas fand den Spruch übrigens in dem Moment garnicht so witzig. Ich hatte ihn auch garnicht witzig gemeint, ich war einfach nur in einer ganz anderen Welt. Trotzdem an der Stelle nochmal ‘ne Entschuldigung, Thomas!
Die Runde ging knapp daneben. Ich habe die angepeilte 10:16 um 6 Sekunden verpasst. Dafür gab’s 60 Strafpunkte. Im Prinzip 60 Sekunden Zeitstrafe. In der Endabrechnung hat sich dann aber herausgestellt, dass die Gegner auch (fast) alle ihre zweite Bestätigungsrunde vergeigt hatten. Teilweise noch deutlich heftiger als ich.
Der Rest meines Rennens war eigentlich recht ereignislos. Ausser noch ein Paar Dutzend Rutschern vielleicht. Und einem richtig heftigen “Uiuiui” Moment im Kallenhard bei dem ich eigentlich sicher war, dass der Karosseriebauer jetzt Arbeit bekommt. Zu dem Zeitpunkt war der Akku der Kamera schon leer, daher bleibt die Aktion der Nachwelt erspart.
Eine Anekdote am Rande gab’s auch noch… wer sich noch an meine früheren Rennberichte erinnert, der erinnert sich eventuell noch an mein gespaltenes Verhältnis zu Wasser im Fahrzeug. Ich habe ich-weiss-nicht-wie-viele Versuche gebraucht, bis ich endlich ein funktionierendes Trinsystem hatte, dass auch Heute noch zuverlässig seinen Dienst tut. Trotzdem war das Wasser da. In meiner vorletzten Runde habe ich eine Bewegung aus dem Augewinkel registriert und mir erst nichts dabei gedacht. Die Bewegung wurde aber immer deutlicher. In der letzten Runde habe ich beim anbremsen am Aremberg nach Rechts gesehen. Es war eine Welle. Jedes Mal beim Bremsen ist sie nach Vorne geschwappt und beim Beschleunigen wieder nach Hinten. Eine richtige Welle, bestimmt 10cm hoch. Dankenswerterweise blos auf der Beifahrerseite, sonst wären die schnellen Schuh wohl durchgeweicht.
Ich bin einfach ins Ziel gefahren. Hab’ blos die Vorlage verwandelt, die Thomas mir zugespielt hat. Er hat in seinem Turn die Nerven behalten und hat nicht auf Slicks gewechselt. Hat es dann verstanden auf abtrocknender Strecke die Regenreifen nicht zu ruinieren und dabei trotzdem schnell zu fahren. Und er ist dann noch gut durch das erste Regenchaos gekommen. Thomas hat alles richtig gemacht und ich habe eben mit ganz brauchbaren Zeiten im Regen verwandelt. Teamwork. Und Thomas und ich sind ein gutes Team!
Es war ein toller Tag, ein irres Rennen. Sicher mein persönlich bestes Rennen auf der Nordschleife bisher. Nicht wegen des Ergebnisses, nein, einfach weil ich wirklich gekämpft habe. Dank an Thomas, Dank ans Team und ‘nen riesen Dank natürlich an Madame Lilli. Hast’s allen gezeigt, braves Mädchen!
Achso… PS quasi: Weil Thomas beschäftigt ist, gibt es hier seine schnellste Runde. Wohlgemerkt auf Regenreifen bei fast trockenen Bedingungen. Schneller kann man mit den Reifen in solchen Momenten nicht fahren, weil man sie sonst zerstört. Wie gesagt… seine Cleverness zu dem Zeitpunkt war der einzige Grund, warum ich mit dem Reifensatz später im Regen noch schnell fahren konnte! Genug der Vorrede. Thomas bei der Arbeit:
http://www.youtube.com/watch?v=KLzLLjl1zpI |
|
| Nach oben |
|
 |
Andreas Vongries
Anmeldungsdatum: 06.05.2004 Beiträge: 26 Wohnort: Wehrheim / Taunus
|
Verfasst am: Di 21.Aug, 2012 10:15 Titel: Berichte zur RCN |
|
|
Wirklich klasse Berichte.. sehr lebhaft.
Bekomme Laune mal selbst die NS im Rahmen der RCN zu fahren. |
|
| Nach oben |
|
 |
Peter_Hoffmann

Anmeldungsdatum: 03.04.2006 Beiträge: 231 Wohnort: Schlitz
|
Verfasst am: Do 09.Mai, 2013 23:57 Titel: |
|
|
So. Mal wieder Zeit für einen Rennbericht. Am letzten Samstag stand der zweite Lauf der Rundstrecken Challenge Nürburgring 2013 an und es war ein Krimi.
Du stehst Morgens auf und es ist "Sonne". Es sollte im Laufe des Tages sogar soviel davon geben, dass ich sie noch ein Paar Tage auf der Haut gespürt habe. Gar wunderprächtig! Frühstücken, Krempel packen, auf ins historische Fahrerlager. Heute, Samstag, steht nur der Wertungslauf an. Der gesamte, administrative Kram ist bereits erledigt.
"Spätes Rennen". D.h. die GLP ist so nett früh aufzustehen, damit wir erstmal wach werden können. Wach werden und ratschen. Man trifft tausend Leute, alle freuen sich da zu sein und man hat Spaß. Ich will nicht sagen, dass der Teil wichtiger ist als die Fahrerei, aber er macht verdammt viel Spaß! Und bei derartigem Kaiserwetter gleich zweimal!
Natürlich nutzt man die Zeit auch, um extrem wichtige "Last-Minute" Fahrzeugvorbereitungen zu treffen. Viele davon sorgen bei den begleitenden Mechanikern des Teams für leicht genervte Mienen. "Fahrer eben." Man muss sie nicht verstehen. Die sollen fahren. Stattdessen wird Kommunikationstechnik montiert, es wird Bord Catering verstaut... fehlt eigentlich nur noch die junge Dame im kurzen Röckchen, die den Tomatensaft vorbeischiebt. Egal... was der Fahrer will, bekommt er. Na ja... relativ oft... hmmm... ja, doch. Manchmal jedenfalls. Und dann ist es irgendwann soweit. Der Rennleiter sammelt seine Schäfchen und damit geht es dann langsam los.
Hans Werner Hilger hat das seltene Talent, Fahrerbesprechungen irgendwie unlangweilig wirken zu lassen. Man merkt, dass er seine Fahrerinnen und Fahrer mag und respektiert und umgekehrt lauschen die deswegen auch brav. Manche nehmen leider nur selektiv wahr, andere lauschen nicht nur, sondern verstehen tatsächlich auch. Fahrer eben. Und dann werden die Gladiatoren zu den Streitwagen geschickt.
Die Fahrer des ersten Abschnitts legen die Ausrüstung an und besteigen ihr jeweiliges Hochleistungsgerät. Und dann werden die Startgruppen sortiert. Die erste Gruppe baut sich vor der T13 auf und startet mehr oder weniger stehend. Die anderen beiden Gruppen fahren zur Touri-Einfahrt und starten dann von dort zwei Runden nach der ersten Gruppe, um das gesamte Feld einfach zu entzerren. Logistisch und organisatorisch nicht trivial, funktioniert aber. Trotz der beteiligten Fahrer.
Die Fahrer, die in der Zwischenzeit überflüssig sind, trotten gen T13, wo sich die improvisierte Boxengasse befindet. Dort wird Kommando-Technik einsatzbereit gemacht und die Team-Zeitnahme macht sich bereit. Warten. Bis dann die Motoren der ersten Startgruppe zum Leben erwachen. Zwei Runden der schnellen Autos, dann dürfen wir von der Kleinwagen-Fraktion auch mitspielen.
Eigentlich ist die RCN ja kein Rennen. Eigentlich. Wir haben aber irgendwann beschlossen, dass "Rennen" eine durchaus sinnvolle, taktische Option ist. Es gibt ja keine Startaufstellung bei der RCN. Jeder fährt quasi, wie er auf die Strecke geschickt wird. Wir suchen uns aber bei jedem Lauf einen direkten Gegner aus der Klasse und gehen mit dem gemeinsam in die erste, die Setzrunde. Einfach um danach den Sprint idealerweise an dessen Stoßstange zu beginnen. Und so hat man den direkten Zweikampf. Vor allem weiss man aber auch, dass man dann, dort auf der Strecke ist, wo der direkte Gegner eben auch ist. Klingt kompliziert? Nö, ist bei weitem nicht so komplex wie die gesamte Aufgabenstellung während eines RCN Laufes einem Neueinsteiger scheint. Damit ist einfach nur gemeint, dass man eben die Verkehrssituation hat, die der direkte Gegner auch hat. Bist Du vor oder hinter ihm, kann es sein, dass er einen Streckenabschnitt bereits passiert hat als der noch frei war und wenn Du hinkommst, musst Du aus irgendeinem Grund Dampf rausnehmen. Unfall, Flüssigkeiten auf der Bahn, der Landung eines Alien Raumschiffs... was auch immer. Jetzt mal von der Landung der Aliens abgesehen, die ja durchaus einen gravierenderen Einfluss auf das weitere Renngeschehen haben könnte, bedeutet der Rest ganz einfach "der Gegner fährt, Du fährst langsamer". Ein Nachteil innerhalb einer Sprintrunde. Ergo schaltet man diesen potentiellen Nachteil idealerweise aus. So der Plan.
Der Plan hatte noch einen zweiten Teil. 9:30. Das war die anvisierte Zeit für die Setzrunde. Die kann man im trockenen gut fahren (wir erinnern uns, es sonnt in Strömen), die ist aber auch nicht so langsam, dass einem das Testbild der dritten Programme dagegen aufregend vorkommt.
Als Thomas nach der ersten, vollen Runde an der T13 vorbeikommt, zeigt unser boxeneigenes Kleinod der digitalen Zeitmessung "9:13" an. Nun ja... gute Pläne sind dazu da sie der Realität anzupassen. Abgesehen davon... es will ja auch niemand, dass mir später in meiner Bestätigungsrunde langweilig wird. Der Grund der strategischen spontan-Planänderung trägt die Startnummer 84 und fährt ungefähr 30cm vor der Stoßstange unseres Zett. Der Kollege hat in der Setzrunde wohl beschlossen, sich in der ersten Sprintrunde abzusetzen und hat daher überholt. Tja. Auch sein Plan sollte sich als nicht ganz perfekt herausstellen.
Was nun folgte, war für mich an der Box ein Grund zum Nägelkauen. Zunächst mal stelle ich fest, dass die 84 (Carsten Knechtges) und die 155 (wir, bzw. Thomas), die schnellsten Autos der V4 sind. Ah ha. Das hatten wir so bisher im Trockenen noch nicht. In der ersten Sprintrunde fahren beide eine identische Zeit. In der zweiten Runde fährt Carsten 2 Sekunden Vorsprung raus. Die dritte ist wieder identisch, in der vierten holt sich Thomas eine Sekunde wieder zurück. Macht also noch eine Sekunde Vorsprung. Es folgt noch eine, letzte Sprintrunde und in der holt Thomas sich die letzte Sekunde zurück und "packt" noch eine drauf. Macht... summa summarum... 1 Sekunde Vorsprung für uns. Wir liegen in Führung! Wohlgemerkt... das zweite Rennen mit einem nagelneuen Auto. Irgendwie kann ich es nicht glauben. Thomas bringt auch die Bestätigungsrunde sauber auf den Punkt und kommt gleich zum Fahrerwechsel rein.
Tja... nun hab' ich den Salat. Der dritte Teil des ursprünglichen Plans besagte eigentlich, dass es meine Aufgabe werden würde, ganz gemütlich den angepeilten dritten Platz heimzufahren und dann noch eine Winke-Runde mit ein wenig optionalen Eifel-Sightseeing einzulegen. Nun kommt der Kollege mit der Führung in die Box zurück. Auerha! Ich überlege beim anlegen des Helms kurzzeitig mir von meiner Frau eine Entschuldigung schreiben zu lassen, warum ich Heute auf keinen Fall fahren kann. Ich schaue nochmal in den Himmel... nein. Weder Regen, noch Aliens in Sicht. Mist! Bei ersterem hätte ich fahrerisch eventuell eine Chance, bei zweiterem könnte ich ziemlich sicher mit einem Rennabbruch rechnen. Trotzdem konzentriere ich mich und fange an meine Autosuggestionsroutine Marke "ich kann das, ich schaff das, ich bin schnell genug" einzuleiten. Wenn der Teil mit dem fahren blos genauso einfach wäre, wie der Teil mit dem aufputschen!
Thomas ist da. Fahrerwechsel. Mein gestählter Modellkörper gleitet mit unglaublicher Elegance in das quasi maßgeschneiderte Cockpit. Dann prasselt eine Flut von Informationen auf mich ein. Wo es rutschig ist. Wann die Reifen schmieren. Worauf ich hier achten soll. Und dort. Und welchen Knopf ich drücken soll. Und warum. Dabei hat meine Aufnahmekapazität bereits nach der Einleitung ein leuchtend, rotes "Tilt, Error 404" unter meinem Helm ausgelöst. Ich beschliesse, dass nicken bestimmt gut ankommt. Ich nicke. Und nicke. Und bekomme irgendwann gesagt, dass ich den Hobel anwerfen soll. Puh! Ich überlege nochmal... Gas war Rechts, Bremse in der Mitte und das Ding unten Links nehme ich wenn ich die Gänge sortiere. Prima. Alles verstanden!
Arnulf bahnt mir einen Weg zur Zapfsäule. Ich komme mir vor wie Cäsar bei irgendeiner Sieges Parade. Sieg. Da war er wieder, der Druck. Gas ist Rechts. DSC ausschalten! Gaaaanz wichtig! Es klopft auf's Dach. Tank ist voll, es kann losgehen. Ich betätige ca. 293 verschiedene Schalter in einer genau festgelegten, magischen Reihenfolge, spreche noch eine altägyptische Beschwöhrungsformel und vertraue nun darauf, dass der Stabilitäts-Quatsch mich dieses mal in Ruhe lässt. Der war letztes Mal, bei dem Versuch einigermaßen un-peinliche Rundenzeiten zu erfahren, mehr als hinderlich.
Auf geht's, die Jagd ist eröffnet. Die Ausfahrtsrunde nach dem Tanken dient eigentlich der touristischen Entspannung. Man soll als Fahrer einfach mal die Zeit haben, die wundervolle Eifellandschaft mit Musse zu geniessen. Ich beschliesse stattdessen, direkt mal ein Paar Briketts unter den Kessel zu schmeissen um mal zu schauen was geht. Tatsächlich, es herrscht Grip. Ausreichend viel davon. Eine deutliche Steigerung zum ersten Lauf. Die positive Erkenntnis ist, so kann man schnell fahren. Die negative... nun erwarten die an-der-Box-gebliebenen bestimmt auch, dass ich das tue. Bestätigungsrunde. Ich bin fast pünktlich zur anvisierten Zeit auf der DöHö und die beruhigende Stimme meines Teamkollegen sorgt für eine wunschgemäße, reglementskonforme und nicht Strafpunkt-bewährte Überfahrt der Ziellinie. Nun sind's blos noch vier Sprintrunden und die Auslaufrunde. Die erste Sprint ist zu langsam, legen wir also noch ein Paar Briketts nach...
Was folgt ist eine Übung im Kurs "unkoordinierte Übermotivation in 23 Lektionen". Am Schwedenkreuz setzt das Heck zum überholen an. Als Ergebnis des "probieren-wir-mal-einen-Tick-mehr" Versuchs. Bei 200 auf dem Tacho und realen hundertpaarundachtzig. Das brauch ich auch nicht jeden Tag! Ausgangs Forst treibt es mich den Curb hoch und darüber hinaus... ich kenne diesen Modus bei mir. Brechstange. Macht der schnell? Eindeutig nein. Die beiden Kollegen, auf die ich als nächstes auflaufe und die nicht wirklich kooperieren, helfen auch nicht. Es reift die Erkenntnis in meinem Kopf, dass das Ziel "Klassensieg" sich eher in "kaltverformtes, teures Blech" verkehren wird, wenn ich so weitermache. Also versuche ich bewusst, den weichen, runden Rhytmus zu finden, der hier als einziger wirklich schnell macht. Der, den ich schlussendlich gefunden habe, war dann nicht der ganz schnelle, aber er war im Wortsinne zielführend.
Dort, also im Ziel, war es schlussendlich Platz 2. Alles andere als schlecht, einer mehr als ursprünglich erhofft, trotzdem war ich mit mir selbst nicht zufrieden. Aber bereits im Parc Fermé hab' ich beschlossen meinen Frieden mit dem Tag zu schliessen. Es war einfach nicht der Tag, an dem ich gut genug war, um den Platz ganz oben auf dem Treppchen nach Hause zu fahren. Fättisch! Ich grinse, nehme einen tiefen Schluck gut gewärmten Wassers aus dem CamelBak und schäle mich aus dem Zett. Ich klopfe auf das ehemalige Falt-Dach... "in nichtmal zwei Wochen probieren wir es nochmal". Oder wie Arnie es mal formuliert hat: "I'll be back!" Bis dann und gehabt Euch wohl!
PS: Der bebilderte Bericht findet sich im Blog, also hier:
http://lilligoesrcn.wordpress.com/2013/05/09/rennbericht-zu-rcn-22013/ |
|
| Nach oben |
|
 |
Uli Paffenholz
Anmeldungsdatum: 03.11.2004 Beiträge: 353 Wohnort: Meckenheim
|
Verfasst am: Fr 10.Mai, 2013 7:34 Titel: |
|
|
Servus Peter,
herzhaft schöner Bericht von Dir, ich vermisse sie oft. Hatte beim letzten VLN-Lauf gehofft, Dein neues Projekt im Industrielager besichtigen zu können! Wie sieht es aus?? Wünsche Dir jedenfalls viel Glück und Erfolg!!!
Uli P. |
|
| Nach oben |
|
 |
Peter_Hoffmann

Anmeldungsdatum: 03.04.2006 Beiträge: 231 Wohnort: Schlitz
|
Verfasst am: Fr 10.Mai, 2013 9:35 Titel: |
|
|
| Uli Paffenholz hat folgendes geschrieben:: | Servus Peter,
herzhaft schöner Bericht von Dir, ich vermisse sie oft. Hatte beim letzten VLN-Lauf gehofft, Dein neues Projekt im Industrielager besichtigen zu können! Wie sieht es aus?? Wünsche Dir jedenfalls viel Glück und Erfolg!!!
Uli P. |
Guten Morgen, Uli.
Danke für die Blumen! Was die Frage des Aussehens angeht...
Und hier:
http://www.youtube.com/watch?v=AOQU-01iT-M
gibt es das Onboard Video aus der einen Runde, die ich oben auch beschreibe.
Wir planen in der zweiten Saisonhälfte den ein oder anderen VLN Lauf zu fahren, aber erst wollen wir das Auto mal zu 100% verstehen. Bis dahin läuft der Zett ausschliesslich in der RCN und die RCN ist auch unser klarer, sportlicher Fokus in dieser Saison.
Ich fahre nächstes Wochenende bei den 24h mit, auf dem Auto von Conny, unserem Teamchef (Startnummer 198, BMW e46 325)... dem hier:
 |
|
| Nach oben |
|
 |
|
|
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben. Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten. Du kannst Deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten. Du kannst Deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen. Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.
|
|