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VLN Spezial (2002)
[RCN] Prinzessin Lillifee ist zurück
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Peter_Hoffmann



Anmeldungsdatum: 03.04.2006
Beiträge: 237
Wohnort: Schlitz

BeitragVerfasst am: Do 02.Aug, 2012 10:04    Titel: Antworten mit Zitat

So. Es gibt mal wieder einen Bericht.

Lehrjahre sind keine Herrenjahre…

…heisst es. Dem ist im Allgemeinen wohl auch so. In unserem Falle aber anscheinend nicht. Wir befinden uns zwar in unserem RCN Lehrjahr, nichtsdestotrotz haben Thomas und ich am Samstag unseren ersten Klassensieg am Ring eingefahren. Nicht nur unseren ersten, gemeinsamen. Nein, es war für uns beide der erste Klassensieg überhaupt am Ring. Aber nicht nur das. Hätte mir am Freitag jemand gesagt, dass wir jemals mit Madame Lillifee einen 11. Platz im Gesamtklassement eines RCN Laufes erreichen würden, dann hätte ich ihn gebeten wahlweise die Nadeln an seiner Tanne oder die Latten an seinem Zaun nachzuzählen. P11 Gesamt mit 190 wackeren Pferdchen in einem Auto Baujahr “letztes Jahrtausend”. Nein, wir haben nicht heimlich im Lotto gewonnen und uns mal kurz einen Werks-GT3 geliehen. Und ja, ich bin nüchtern. Verwirrt, selber noch etwas ungläubig, glücklich, aber völlig und einhundert-prozentig nüchtern. Ich erzähle einfach mal ein bischen von meinem Teil des Rennens. Thomas wird gerade kaum dazu kommen. Der heiratet am Wochenende und hat sicher anderes im Kopf.

Also… mitten hinein in das Geschehen:



Schon der morgendliche, erste, prüfende Blick gen Eifelhimmel hatte die bekannten Wetterdaten bestätigt. Und jetzt gleich zweimal. Die Luftfeuchtigkeit liegt bei ca. 100% und sie verteilt sich tropfenförmig bis strömend. Es eifelt. Kein Problem. Wir sind stolze Besitzer einer Geheimwaffe. Nagelneue Dunlop Regenpneus. Ein Geheimtipp unter Kennern. Man munkelt Moses habe das rote Meer gar nicht geteilt. Nein, er hat wohl vorher bei Dunlop bestellt und ist durchgefahren. Abgesehen davon waren wir uns sowieso einig… das Wetter wird ohnehin überbewertet.

Ich sitze endlich im Auto. Es ist brütend heiss, Heizung und Gebläse machen Überstunden, der Regen prasselt auf die Scheibe. “Wenigstens ist es hier drin trocken!” Ich stehe an der Zapfsäule, während Arnulf vom Team sich a) nassregnen lässt und b) das kostbare Super Plus (mit Ring-Zuschlag) in den Tank füllt. Der Schweiss läuft mir jetzt schon in die Augen und eigentlich müsste der Sitz doch noch eine Raste zurück, aber nun ist der Gurt nunmal zu und fest. Das muss jetzt auch so gehen. Ich trinke gedankenverloren noch einen Schluck Wasser. In mir kommt so eine merkwürdige Ruhe hoch. Sie durchströmt mich langsam. Ich bin eigentlich schon draussen, auf der Schleife. “Tock, Tock”. Das Klopfen auf’s Dach signalisiert “fättisch, mach Disch fott, Alter”. Conny steht neben dem Auto, beobachtet den Verkehr, gibt mir das Zeichen zum losfahren. Auf geht’s. Motor läuft, Gang rein, anfahren. Mein Rennen hat soeben begonnen.



Erstmal ganz vorsichtig. Auch Regenreifen brauchen Temperatur. In der ersten Hatzenbach-Kurve endloses Untersteuern bevor ich richtig auf’s Gas kann. Ich rede mit mir selbst. “Bleib ruhig, das wird, die Reifen sind kalt.” Erstmal Platz machen, den anderen nicht im Weg rumstehen. “Boah, in der Gischt eines Vorausfahrenden ist gucken echt Essig!” Ausgang Hatzenbach sind die Reifen dann da. Anfahrt Flugplatz Doppelgelb und ein Cayman im Grünen. Wasser, Wasser, Wasser. Richtig viel davon. Gut. Wir sind richtig bereift. Ich fange an mich dem Limit zu nähern. Leicht untersteuernd durch den Flugplatz, dann mit Vollgas auf’s Schwedenkreuz zu. Der unwillkürliche Blick auf den Tacho… es sind knappe 200. “Da geht in der nächsten Runde noch was! Muss!” Ich muss dann immer grinsen. “Bekloppt!” Anbremsen Aremberg ist grenzwertig. Ich habe irgendwie das Gefühl, dass die Vorderräder abwechselnd blockieren. Trotz des relativ moderaten Tempos. Seltsam. Ab in die Röhre. Hier ist die schiere Menge Wassers ein echtes Problem. Dauernd schwimmt Lilli irgendwo auf. Das erste Auto steht zum Überholen an. Ich grinse wieder. “Jetzt gehen wir jagen, mei Guuhdsde!” Am Forst sehe ich den nächsten Voraus. Der Regen wird stärker. Metzgesfeld aussen bleiben, die rutschige Stelle umfahren. “Ah ha. Da ist eine Kante im Asphalt.” Eben da, wo ich mich beim letzten Lauf gedreht habe. Man hat wohl versucht, das BMW Logo weg zu fräsen. Die Kante trifft man sonst wahrscheinlich genau mit dem Hinterrad. Ist notiert. Mein Blick ist aber eigentlich nur noch auf den Audi vor mir gerichtet. Am Eingang der Spiegelkurve macht er fair Platz. Breitscheid wieder das Problem mit den Vorderrädern beim Anbremsen. Dann erstmal komplett freie Bahn bis zur Steilstrecke. Lilli fühlt sich gut an, gerade in den schnellen Ecken. Die neuen Reifen sind ein deutlicher Fortschritt gegenüber ihren Vorgängern. “Das wird gut!” Der Polo bleibt fair Innen, einfach Aussen rum. Der “Mädels Seat” verschwindet gerade im Karussell. Im Wippermann Lichthupe, Eschbach setzt sie den Blinker und Aussen vorbei. So langsam macht das Spaß! Richtig Spaß! Im Brünnchen stehen bei dem Wetter tatsächlich Zuschauer! Dankeschön! Frei bis Pflanzgarten 1. Sprung. Auerha! Die Rechts noch zu kriegen ist grenzwertig. “Ruhig Brauner. Alles wird gut! Nicht schon in der Besichtigungsrunde in den Kies!” Eingangs Schwalbenschwanz macht ein oranger Astra Platz. Oh. Aussen, auf Höhe des Einlenkpunktes liegt irgendein Kohlefaserteil. Auch notiert! Eingangs Döttinger Höhe rufe ich in der Box an. “10:16, richtig?” “Richtig!” Meine Sollzeit, die ich in der nächsten Runde treffen muss. Die fünfte Welle liegt an, wie in jeder ersten Runde will ich dann in den sechsten. Lilli hat aber nur Fünf. Auch gut, bleibt er halt drin. Gespräch beendet, dass Data-Recording wird später knappe 220 vermelden. An der Touri-Auffahrt blinkt die E-Unit, aber sie lassen mich erst vorbei. Ich überlege kurz… “zuckst Du in der Senke?” Ich schaue zur Sicherheit nochmal in die Spiegel, alles frei. Ich stelle die Uhr auf Null, kontrolliere die Abreisszettel. Senke, Tiergarten, Hohenrain. Feuer! Die nun folgende Bestätigungsrunde gibt es quasi Live. Zum selber schauen.

http://www.youtube.com/watch?v=8bQ121eMUhc

Dazu noch eine kleine Anmerkung: Bei 7:18 sieht man, wie ich ein Gespräch der Box annehme. Man sieht direkt danach wie ich Quersteher korrigiere. Das dazugehörende Gespräch will ich den geneigten Zuschauern nicht vorenthalten:

“Wo bist ‘n Du grad.”
“Fast in der Leitplanke.” Ich denke es, sage es aber nicht. Meine Antwort: “Ich mache hier jetzt nicht den Reiseführer. Was weiss denn ich?!” Ich sehe das Schild. “Wippermann.”
“Du bist zu langsam.”
“Ich kann aber nicht schneller.”
“Melde Dich, wenn Du auf der Döttinger Höhe bist.”
“Ok.”

Genau darin liegt eben der Vorteil moderner “In-car-communication-systems”. Früher hätte man solche Infos nicht miteinander teilen können. Man konnte mit Boxentafeln eben nicht reden. Thomas fand den Spruch übrigens in dem Moment garnicht so witzig. Ich hatte ihn auch garnicht witzig gemeint, ich war einfach nur in einer ganz anderen Welt. Trotzdem an der Stelle nochmal ‘ne Entschuldigung, Thomas!

Die Runde ging knapp daneben. Ich habe die angepeilte 10:16 um 6 Sekunden verpasst. Dafür gab’s 60 Strafpunkte. Im Prinzip 60 Sekunden Zeitstrafe. In der Endabrechnung hat sich dann aber herausgestellt, dass die Gegner auch (fast) alle ihre zweite Bestätigungsrunde vergeigt hatten. Teilweise noch deutlich heftiger als ich.

Der Rest meines Rennens war eigentlich recht ereignislos. Ausser noch ein Paar Dutzend Rutschern vielleicht. Und einem richtig heftigen “Uiuiui” Moment im Kallenhard bei dem ich eigentlich sicher war, dass der Karosseriebauer jetzt Arbeit bekommt. Zu dem Zeitpunkt war der Akku der Kamera schon leer, daher bleibt die Aktion der Nachwelt erspart.

Eine Anekdote am Rande gab’s auch noch… wer sich noch an meine früheren Rennberichte erinnert, der erinnert sich eventuell noch an mein gespaltenes Verhältnis zu Wasser im Fahrzeug. Ich habe ich-weiss-nicht-wie-viele Versuche gebraucht, bis ich endlich ein funktionierendes Trinsystem hatte, dass auch Heute noch zuverlässig seinen Dienst tut. Trotzdem war das Wasser da. In meiner vorletzten Runde habe ich eine Bewegung aus dem Augewinkel registriert und mir erst nichts dabei gedacht. Die Bewegung wurde aber immer deutlicher. In der letzten Runde habe ich beim anbremsen am Aremberg nach Rechts gesehen. Es war eine Welle. Jedes Mal beim Bremsen ist sie nach Vorne geschwappt und beim Beschleunigen wieder nach Hinten. Eine richtige Welle, bestimmt 10cm hoch. Dankenswerterweise blos auf der Beifahrerseite, sonst wären die schnellen Schuh wohl durchgeweicht.

Ich bin einfach ins Ziel gefahren. Hab’ blos die Vorlage verwandelt, die Thomas mir zugespielt hat. Er hat in seinem Turn die Nerven behalten und hat nicht auf Slicks gewechselt. Hat es dann verstanden auf abtrocknender Strecke die Regenreifen nicht zu ruinieren und dabei trotzdem schnell zu fahren. Und er ist dann noch gut durch das erste Regenchaos gekommen. Thomas hat alles richtig gemacht und ich habe eben mit ganz brauchbaren Zeiten im Regen verwandelt. Teamwork. Und Thomas und ich sind ein gutes Team!

Es war ein toller Tag, ein irres Rennen. Sicher mein persönlich bestes Rennen auf der Nordschleife bisher. Nicht wegen des Ergebnisses, nein, einfach weil ich wirklich gekämpft habe. Dank an Thomas, Dank ans Team und ‘nen riesen Dank natürlich an Madame Lilli. Hast’s allen gezeigt, braves Mädchen!

Achso… PS quasi: Weil Thomas beschäftigt ist, gibt es hier seine schnellste Runde. Wohlgemerkt auf Regenreifen bei fast trockenen Bedingungen. Schneller kann man mit den Reifen in solchen Momenten nicht fahren, weil man sie sonst zerstört. Wie gesagt… seine Cleverness zu dem Zeitpunkt war der einzige Grund, warum ich mit dem Reifensatz später im Regen noch schnell fahren konnte! Genug der Vorrede. Thomas bei der Arbeit:

http://www.youtube.com/watch?v=KLzLLjl1zpI
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Andreas Vongries



Anmeldungsdatum: 06.05.2004
Beiträge: 26
Wohnort: Wehrheim / Taunus

BeitragVerfasst am: Di 21.Aug, 2012 10:15    Titel: Berichte zur RCN Antworten mit Zitat

Wirklich klasse Berichte.. sehr lebhaft.
Bekomme Laune mal selbst die NS im Rahmen der RCN zu fahren.
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Peter_Hoffmann



Anmeldungsdatum: 03.04.2006
Beiträge: 237
Wohnort: Schlitz

BeitragVerfasst am: Do 09.Mai, 2013 23:57    Titel: Antworten mit Zitat

So. Mal wieder Zeit für einen Rennbericht. Am letzten Samstag stand der zweite Lauf der Rundstrecken Challenge Nürburgring 2013 an und es war ein Krimi.

Du stehst Morgens auf und es ist "Sonne". Es sollte im Laufe des Tages sogar soviel davon geben, dass ich sie noch ein Paar Tage auf der Haut gespürt habe. Gar wunderprächtig! Frühstücken, Krempel packen, auf ins historische Fahrerlager. Heute, Samstag, steht nur der Wertungslauf an. Der gesamte, administrative Kram ist bereits erledigt.

"Spätes Rennen". D.h. die GLP ist so nett früh aufzustehen, damit wir erstmal wach werden können. Wach werden und ratschen. Man trifft tausend Leute, alle freuen sich da zu sein und man hat Spaß. Ich will nicht sagen, dass der Teil wichtiger ist als die Fahrerei, aber er macht verdammt viel Spaß! Und bei derartigem Kaiserwetter gleich zweimal!

Natürlich nutzt man die Zeit auch, um extrem wichtige "Last-Minute" Fahrzeugvorbereitungen zu treffen. Viele davon sorgen bei den begleitenden Mechanikern des Teams für leicht genervte Mienen. "Fahrer eben." Man muss sie nicht verstehen. Die sollen fahren. Stattdessen wird Kommunikationstechnik montiert, es wird Bord Catering verstaut... fehlt eigentlich nur noch die junge Dame im kurzen Röckchen, die den Tomatensaft vorbeischiebt. Egal... was der Fahrer will, bekommt er. Na ja... relativ oft... hmmm... ja, doch. Manchmal jedenfalls. Und dann ist es irgendwann soweit. Der Rennleiter sammelt seine Schäfchen und damit geht es dann langsam los.

Hans Werner Hilger hat das seltene Talent, Fahrerbesprechungen irgendwie unlangweilig wirken zu lassen. Man merkt, dass er seine Fahrerinnen und Fahrer mag und respektiert und umgekehrt lauschen die deswegen auch brav. Manche nehmen leider nur selektiv wahr, andere lauschen nicht nur, sondern verstehen tatsächlich auch. Fahrer eben. Und dann werden die Gladiatoren zu den Streitwagen geschickt.

Die Fahrer des ersten Abschnitts legen die Ausrüstung an und besteigen ihr jeweiliges Hochleistungsgerät. Und dann werden die Startgruppen sortiert. Die erste Gruppe baut sich vor der T13 auf und startet mehr oder weniger stehend. Die anderen beiden Gruppen fahren zur Touri-Einfahrt und starten dann von dort zwei Runden nach der ersten Gruppe, um das gesamte Feld einfach zu entzerren. Logistisch und organisatorisch nicht trivial, funktioniert aber. Trotz der beteiligten Fahrer.

Die Fahrer, die in der Zwischenzeit überflüssig sind, trotten gen T13, wo sich die improvisierte Boxengasse befindet. Dort wird Kommando-Technik einsatzbereit gemacht und die Team-Zeitnahme macht sich bereit. Warten. Bis dann die Motoren der ersten Startgruppe zum Leben erwachen. Zwei Runden der schnellen Autos, dann dürfen wir von der Kleinwagen-Fraktion auch mitspielen.

Eigentlich ist die RCN ja kein Rennen. Eigentlich. Wir haben aber irgendwann beschlossen, dass "Rennen" eine durchaus sinnvolle, taktische Option ist. Es gibt ja keine Startaufstellung bei der RCN. Jeder fährt quasi, wie er auf die Strecke geschickt wird. Wir suchen uns aber bei jedem Lauf einen direkten Gegner aus der Klasse und gehen mit dem gemeinsam in die erste, die Setzrunde. Einfach um danach den Sprint idealerweise an dessen Stoßstange zu beginnen. Und so hat man den direkten Zweikampf. Vor allem weiss man aber auch, dass man dann, dort auf der Strecke ist, wo der direkte Gegner eben auch ist. Klingt kompliziert? Nö, ist bei weitem nicht so komplex wie die gesamte Aufgabenstellung während eines RCN Laufes einem Neueinsteiger scheint. Damit ist einfach nur gemeint, dass man eben die Verkehrssituation hat, die der direkte Gegner auch hat. Bist Du vor oder hinter ihm, kann es sein, dass er einen Streckenabschnitt bereits passiert hat als der noch frei war und wenn Du hinkommst, musst Du aus irgendeinem Grund Dampf rausnehmen. Unfall, Flüssigkeiten auf der Bahn, der Landung eines Alien Raumschiffs... was auch immer. Jetzt mal von der Landung der Aliens abgesehen, die ja durchaus einen gravierenderen Einfluss auf das weitere Renngeschehen haben könnte, bedeutet der Rest ganz einfach "der Gegner fährt, Du fährst langsamer". Ein Nachteil innerhalb einer Sprintrunde. Ergo schaltet man diesen potentiellen Nachteil idealerweise aus. So der Plan.

Der Plan hatte noch einen zweiten Teil. 9:30. Das war die anvisierte Zeit für die Setzrunde. Die kann man im trockenen gut fahren (wir erinnern uns, es sonnt in Strömen), die ist aber auch nicht so langsam, dass einem das Testbild der dritten Programme dagegen aufregend vorkommt.

Als Thomas nach der ersten, vollen Runde an der T13 vorbeikommt, zeigt unser boxeneigenes Kleinod der digitalen Zeitmessung "9:13" an. Nun ja... gute Pläne sind dazu da sie der Realität anzupassen. Abgesehen davon... es will ja auch niemand, dass mir später in meiner Bestätigungsrunde langweilig wird. Der Grund der strategischen spontan-Planänderung trägt die Startnummer 84 und fährt ungefähr 30cm vor der Stoßstange unseres Zett. Der Kollege hat in der Setzrunde wohl beschlossen, sich in der ersten Sprintrunde abzusetzen und hat daher überholt. Tja. Auch sein Plan sollte sich als nicht ganz perfekt herausstellen.

Was nun folgte, war für mich an der Box ein Grund zum Nägelkauen. Zunächst mal stelle ich fest, dass die 84 (Carsten Knechtges) und die 155 (wir, bzw. Thomas), die schnellsten Autos der V4 sind. Ah ha. Das hatten wir so bisher im Trockenen noch nicht. In der ersten Sprintrunde fahren beide eine identische Zeit. In der zweiten Runde fährt Carsten 2 Sekunden Vorsprung raus. Die dritte ist wieder identisch, in der vierten holt sich Thomas eine Sekunde wieder zurück. Macht also noch eine Sekunde Vorsprung. Es folgt noch eine, letzte Sprintrunde und in der holt Thomas sich die letzte Sekunde zurück und "packt" noch eine drauf. Macht... summa summarum... 1 Sekunde Vorsprung für uns. Wir liegen in Führung! Wohlgemerkt... das zweite Rennen mit einem nagelneuen Auto. Irgendwie kann ich es nicht glauben. Thomas bringt auch die Bestätigungsrunde sauber auf den Punkt und kommt gleich zum Fahrerwechsel rein.

Tja... nun hab' ich den Salat. Der dritte Teil des ursprünglichen Plans besagte eigentlich, dass es meine Aufgabe werden würde, ganz gemütlich den angepeilten dritten Platz heimzufahren und dann noch eine Winke-Runde mit ein wenig optionalen Eifel-Sightseeing einzulegen. Nun kommt der Kollege mit der Führung in die Box zurück. Auerha! Ich überlege beim anlegen des Helms kurzzeitig mir von meiner Frau eine Entschuldigung schreiben zu lassen, warum ich Heute auf keinen Fall fahren kann. Ich schaue nochmal in den Himmel... nein. Weder Regen, noch Aliens in Sicht. Mist! Bei ersterem hätte ich fahrerisch eventuell eine Chance, bei zweiterem könnte ich ziemlich sicher mit einem Rennabbruch rechnen. Trotzdem konzentriere ich mich und fange an meine Autosuggestionsroutine Marke "ich kann das, ich schaff das, ich bin schnell genug" einzuleiten. Wenn der Teil mit dem fahren blos genauso einfach wäre, wie der Teil mit dem aufputschen!

Thomas ist da. Fahrerwechsel. Mein gestählter Modellkörper gleitet mit unglaublicher Elegance in das quasi maßgeschneiderte Cockpit. Dann prasselt eine Flut von Informationen auf mich ein. Wo es rutschig ist. Wann die Reifen schmieren. Worauf ich hier achten soll. Und dort. Und welchen Knopf ich drücken soll. Und warum. Dabei hat meine Aufnahmekapazität bereits nach der Einleitung ein leuchtend, rotes "Tilt, Error 404" unter meinem Helm ausgelöst. Ich beschliesse, dass nicken bestimmt gut ankommt. Ich nicke. Und nicke. Und bekomme irgendwann gesagt, dass ich den Hobel anwerfen soll. Puh! Ich überlege nochmal... Gas war Rechts, Bremse in der Mitte und das Ding unten Links nehme ich wenn ich die Gänge sortiere. Prima. Alles verstanden!

Arnulf bahnt mir einen Weg zur Zapfsäule. Ich komme mir vor wie Cäsar bei irgendeiner Sieges Parade. Sieg. Da war er wieder, der Druck. Gas ist Rechts. DSC ausschalten! Gaaaanz wichtig! Es klopft auf's Dach. Tank ist voll, es kann losgehen. Ich betätige ca. 293 verschiedene Schalter in einer genau festgelegten, magischen Reihenfolge, spreche noch eine altägyptische Beschwöhrungsformel und vertraue nun darauf, dass der Stabilitäts-Quatsch mich dieses mal in Ruhe lässt. Der war letztes Mal, bei dem Versuch einigermaßen un-peinliche Rundenzeiten zu erfahren, mehr als hinderlich.

Auf geht's, die Jagd ist eröffnet. Die Ausfahrtsrunde nach dem Tanken dient eigentlich der touristischen Entspannung. Man soll als Fahrer einfach mal die Zeit haben, die wundervolle Eifellandschaft mit Musse zu geniessen. Ich beschliesse stattdessen, direkt mal ein Paar Briketts unter den Kessel zu schmeissen um mal zu schauen was geht. Tatsächlich, es herrscht Grip. Ausreichend viel davon. Eine deutliche Steigerung zum ersten Lauf. Die positive Erkenntnis ist, so kann man schnell fahren. Die negative... nun erwarten die an-der-Box-gebliebenen bestimmt auch, dass ich das tue. Bestätigungsrunde. Ich bin fast pünktlich zur anvisierten Zeit auf der DöHö und die beruhigende Stimme meines Teamkollegen sorgt für eine wunschgemäße, reglementskonforme und nicht Strafpunkt-bewährte Überfahrt der Ziellinie. Nun sind's blos noch vier Sprintrunden und die Auslaufrunde. Die erste Sprint ist zu langsam, legen wir also noch ein Paar Briketts nach...

Was folgt ist eine Übung im Kurs "unkoordinierte Übermotivation in 23 Lektionen". Am Schwedenkreuz setzt das Heck zum überholen an. Als Ergebnis des "probieren-wir-mal-einen-Tick-mehr" Versuchs. Bei 200 auf dem Tacho und realen hundertpaarundachtzig. Das brauch ich auch nicht jeden Tag! Ausgangs Forst treibt es mich den Curb hoch und darüber hinaus... ich kenne diesen Modus bei mir. Brechstange. Macht der schnell? Eindeutig nein. Die beiden Kollegen, auf die ich als nächstes auflaufe und die nicht wirklich kooperieren, helfen auch nicht. Es reift die Erkenntnis in meinem Kopf, dass das Ziel "Klassensieg" sich eher in "kaltverformtes, teures Blech" verkehren wird, wenn ich so weitermache. Also versuche ich bewusst, den weichen, runden Rhytmus zu finden, der hier als einziger wirklich schnell macht. Der, den ich schlussendlich gefunden habe, war dann nicht der ganz schnelle, aber er war im Wortsinne zielführend.

Dort, also im Ziel, war es schlussendlich Platz 2. Alles andere als schlecht, einer mehr als ursprünglich erhofft, trotzdem war ich mit mir selbst nicht zufrieden. Aber bereits im Parc Fermé hab' ich beschlossen meinen Frieden mit dem Tag zu schliessen. Es war einfach nicht der Tag, an dem ich gut genug war, um den Platz ganz oben auf dem Treppchen nach Hause zu fahren. Fättisch! Ich grinse, nehme einen tiefen Schluck gut gewärmten Wassers aus dem CamelBak und schäle mich aus dem Zett. Ich klopfe auf das ehemalige Falt-Dach... "in nichtmal zwei Wochen probieren wir es nochmal". Oder wie Arnie es mal formuliert hat: "I'll be back!" Bis dann und gehabt Euch wohl!


PS: Der bebilderte Bericht findet sich im Blog, also hier:

http://lilligoesrcn.wordpress.com/2013/05/09/rennbericht-zu-rcn-22013/
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Uli Paffenholz



Anmeldungsdatum: 03.11.2004
Beiträge: 366
Wohnort: Meckenheim

BeitragVerfasst am: Fr 10.Mai, 2013 7:34    Titel: Antworten mit Zitat

Servus Peter,
herzhaft schöner Bericht von Dir, ich vermisse sie oft. Hatte beim letzten VLN-Lauf gehofft, Dein neues Projekt im Industrielager besichtigen zu können! Wie sieht es aus?? Wünsche Dir jedenfalls viel Glück und Erfolg!!!

Uli P.
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Peter_Hoffmann



Anmeldungsdatum: 03.04.2006
Beiträge: 237
Wohnort: Schlitz

BeitragVerfasst am: Fr 10.Mai, 2013 9:35    Titel: Antworten mit Zitat

Uli Paffenholz hat folgendes geschrieben::
Servus Peter,
herzhaft schöner Bericht von Dir, ich vermisse sie oft. Hatte beim letzten VLN-Lauf gehofft, Dein neues Projekt im Industrielager besichtigen zu können! Wie sieht es aus?? Wünsche Dir jedenfalls viel Glück und Erfolg!!!

Uli P.


Guten Morgen, Uli.

Danke für die Blumen! Was die Frage des Aussehens angeht...





Und hier:
http://www.youtube.com/watch?v=AOQU-01iT-M

gibt es das Onboard Video aus der einen Runde, die ich oben auch beschreibe. Rolling Eyes

Wir planen in der zweiten Saisonhälfte den ein oder anderen VLN Lauf zu fahren, aber erst wollen wir das Auto mal zu 100% verstehen. Bis dahin läuft der Zett ausschliesslich in der RCN und die RCN ist auch unser klarer, sportlicher Fokus in dieser Saison.

Ich fahre nächstes Wochenende bei den 24h mit, auf dem Auto von Conny, unserem Teamchef (Startnummer 198, BMW e46 325)... dem hier:

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Peter_Hoffmann



Anmeldungsdatum: 03.04.2006
Beiträge: 237
Wohnort: Schlitz

BeitragVerfasst am: Do 13.Jun, 2013 17:36    Titel: Antworten mit Zitat

Hier mal der erste Teil des Berichts zum 24-Stunden-Rennen.

Das grosse Rennen...

Da sitze ich nun. Gerade habe ich irgendwie das Gefühl der einsamste Mensch auf der Welt zu sein. Eingeschlossen in einer Art Zeitblase, meinem eigenen Mikrokosmos. Die Tür ist zu, ich bin mit dem 325 allein. Na ja… allein ist relativ. Um mich herum steht der Rest der dritten Startgruppe und wartet darauf, dass es losgeht. Leichter Nieselregen auf der Scheibe. Da ist es wieder, dieses Gefühl unendlicher Müdigkeit. Wie immer eigentlich am Vorstart. Ich schließe die Augen. Jetzt ein Nickerchen machen. Ganz entspannt. Es ist angenehm warm und der Recaro umschließt mich wie maßgefertigt. Fast kuschelig. Die Zeit vergeht viel langsamer als sonst. Irgendwann starten die ersten ihre Motoren. Ich öffne die Augen und erwecke meinen Reihensechser zum Leben. Weiter Vorn bewegt sich das Intervention Car, dass unsere Startgruppe anführt. Los geht’s! Das 24-Stunden-Rennen 2013 hat begonnen.

Ich mag Einführungsrunden nicht. Im Sinne von nicht. Basta! Sie sind irgendwie sinnlos. Du fährst von A nach A um dann irgendwann endlich bei A loszufahren. Bloß, dass zwischen A Heute gute 25 Kilometer liegen. Eher 50. Weil man dauernd hin- und her zackt. Reifen aufwärmen. Bremsen aufwärmen. Fahrerhirn aufwärmen. Weil’s alle machen. Gruppenzwang gepaart mit Langeweile. Was soll man auch sonst machen? Das Tempo ist eher unambitioniert. Die Gegend kennt man. Winken kann man, sonst bleibt nicht viel. Also winke ich. Ja, ich weiß… andere würden jetzt liebend gern mit mir tauschen. „Die Einführungsrunde beim 24-Stunden-Rennen ist das tollste.“ Wie oft habe ich das schon gehört? Nun fahre ich sie. Winke brav. Am liebsten hätte ich jetzt aber gern einen 10-Minuten-Zeitsprung und würde genau jetzt zu gern an den Helfern mit dem „Grid“ Schild vorbeirollen. High auf Adrenalin und mit jeder Faser konzentriert. Lauernd. Bereit zum Sprung. Ich winke. Ist ja auch was.

Ich versuche mich daran zu erinnern wo ich überall grüßen sollte. Wer von den Helfern, wo steht. Mein Hirn ist leer. Sämtliche Systeme werden nacheinander in den Notlauf geschaltet. Zurück bleibt der Renn-Modus. So eine Mischung aus knurrendem Steinzeit-Jäger und System-Administrator. Markus letzte Worte klingen mir im Ohr. „Fahr‘ die Bremsen langsam und richtig warm!“ Gestern hat er mir nach dem Wechsel der Beläge noch lachend erzählt, wie ein anderer Fahrer mit den Belägen mal Ende Start-/Ziel große Augen bekommen hat als da, nach dem Start, mangels Temperatur, nichts gebremst hat. Bestimmt unpraktisch, mitten im Startgetümmel. Das ist eine typische Aufgabe für den System-Administrator. Systematisch, vorgehen. Exakt arbeiten. Bis warm. Was noch? Den Tageskilometerzähler habe ich genullt. Der Laptimer läuft im richtigen Modus. Alle Instrumente sind im grünen Bereich. Ich winke.

Endlich erreichen wir die Döttinger Höhe. Nicht, dass ich Geraden mögen würde, aber die signalisiert das Ende der ewig langen Einführungsrunde. Jetzt heißt es das Material richtig auf Temperatur zu bringen. Gleich gilt’s. Das Grid-Schild ist sichtbar. Position beziehen. In Zweierreihen, hintereinander. Vorne spielt der Gruppen Polesitter wohl das „Gas geben-bremsen-Gas geben“ Spiel. 15 Reihen weiter hinten heißt das Stop&Go. Meine Taktik ist klar. Rechts bleiben, auf Start-/Ziel so dicht wie möglich an die Mauer und bremsbereit sein, falls Vorne das Chaos ausbricht. GAS! Die Meute stürmt los. Ich ziehe gut mit, hinter mir ist sofort eine kleine Lücke. Das erste Ziel ist erreicht. Links gehen zwei Clios vorbei. Nicht zu ändern, gegen die habe ich auf der Geraden keine Chance. Kein Problem. Fahrt nur. Das klären wir dann draußen, auf der Schleife. Vor mir gehen die Bremslichter an. Ich suche mir meine Lücke und fahre hinein. In der nächsten Kurve bin ich gleich Außen. Aufpassen, dass die, die Innen sind, es verstehen. Irgendwo in dem Getümmel steht plötzlich ein e36 mit Flügel vor mir. Offenbar hat er ein Problem. Einfach umfahren, um mich herum ist Platz genug. Passt alles! In der Links vor der Fordkurve sortieren wir uns in eine einreihige Kolonne. Das Startgetümmel ist überstanden. Keine Treffer, alles ganz. Perfekt!

Einen kleinen Wehrmutstropfen gibt es. Es sind zu viele Autos aus anderen Klassen zwischen mir und dem nächsten Klassengegner vor mir. Mein Ziel war eigentlich nach dem Start möglichst nahe am Heck der 194 zu sein. Ich habe vor dem Start mit dem Startfahrer, Michael Mönch, gesprochen und ihm gesagt, dass ich mich an sein Heck hängen werde. Nicht überholen, keine Dummheiten, einfach an seinem Heck bleiben. Auf der Nordschleife angekommen, kann ich den orangen e90 nicht mal mehr sehen. Egal. Rhythmus finden, den langsameren Verkehr aussortieren und dann schauen was passiert, wenn die Armada der Flügelmonster zum ersten Mal anrollt.

Zu Beginn der zweiten Runde kommen sie dann. Mit Macht. Erst einzeln und dann in Kampf-Klumpen. Ich fahre einfach von der Linie runter und lasse sie vorbeifliegen. Es geht eigentlich ganz gut, alle lassen mir auch genug Luft. Ich zeige ihnen einfach so früh es geht und ganz deutlich was ich vor habe und sie kacheln einfach da durch wo Platz ist. Kacheln. Man kann es nicht anders beschreiben. Der Geschwindigkeitsunterschied von so ‘nem V4 zu ‘nem GT3 ist stellenweise einfach heftig! Aber trotzdem komme ich nicht umhin festzustellen, dass das Miteinander aus meiner Sicht deutlich besser funktioniert hat, als bei meinem ersten 24-Stunden-Rennen. In meinen drei Stints habe ich nicht eine Aktion erlebt, bei der ein GT3 mich in Probleme gebracht oder mich irgendwie be- oder gar abgedrängt hätte.

Nachdem der GT3 D-Zug durch ist, werfe ich ein Paar zusätzliche Briketts unter den Kessel. Bis dahin habe ich eine Position gut gemacht. Wir liegen auf P5 und ich hole Sekunde um Sekunde auf P4 (und auf P3) auf. Es gibt eine sinnlose Berührung mit einem SP Audi TT RS im Bereich Kesselchen bei der wir beide Glück haben nicht heftig abzufliegen. Er hat versucht mich neben der Linie zu überholen, ohne sich allerdings darüber klar zu sein, dass ich den Platz dort brauche. Unsere Autos streifen sich, es gibt ein wenig verbogenes Blech am BMW, im Bereich der Fahrertür und es fliegen Kohlefaser Teile des Audis durch die Gegend. Bei mir sieht alles gut aus. Das Lenkrad steht noch gerade. Das Auto fühlt sich gut an. Ich sage trotzdem zur Sicherheit in der Box Bescheid. Bei der nächsten Vorbeifahrt achten sie dann darauf, ob irgendwas schleift, runterhängt oder ähnliches. Dann fährt mir unter Doppelgelb noch der Lingmann Toyota aufs Heck. Das sollte wohl so ein „freundliches“ mach-mal-Platz-Kollege sein. Den Teufel werde ich tun! Du hast mir fast ‘ne ganze Runde im Weg rumgestanden, bevor ich Dich endlich ausbremsen konnte. Warum zum Geier meinst Du, dass ich Dich wieder vorbeilasse? Nach der Unfallstelle hänge ich ihn recht zügig ab. Ich bin ja schließlich auf einer Mission.

Irgendwann sehe ich den orangen e90 dann. Das motiviert zusätzlich! Ich beiße mich an sein Heck. Erst mal durchatmen und einen Schluck trinken. Ich kenne Michael aus der RCN und daher kann ich sein Tempo einschätzen. Deswegen habe ich vor dem Start mit ihm gesprochen. Der Platz an seinem Heck passt vom Speed her und damit habe ich auf der Döttinger Höhe einen guten Windschatten-Spender. Aber wie das so ist… ich war ja bis eben schneller unterwegs, wieso also Tempo rausnehmen? Gute Frage. Ich muss allerdings vorsichtig sein, weil ich Michael ja gesagt hatte, dass ich nicht überhole. Er rechnet also nicht unbedingt mit einem Angriff. Auf der Start-/Ziel gehe ich aus seinem Windschatten, um ihm zu zeigen, dass ich jetzt angreifen werde. Am Bremspunkt setze ich mich daneben, halte beim Beschleunigen dagegen und Eingangs Fordkurve gibt er nach. Dann setze ich mich in kleinen Schritten und Stück für Stück von ihm ab.

Ich grinse. Dieses Hochgefühl hält genau eine Runde an. In der nächsten Runde, wieder Ende SZ, beschließe ich, dass ich (ohne Verkehr) dort noch später bremsen kann. Manchmal ist ein Schluss trügerisch. Dieser war es jedenfalls. Sobald der volle Bremsdruck anliegt, merke ich schon, wie das Heck leicht wird. Noch bevor ich auch nur den Bremsdruck verringern kann, überholt mich mein Heck. „Bloß nicht ins Kiesbett rutschen!“ Ich komme exakt an der Asphaltkante zum Stehen, habe schon im Rutschen den ersten Gang eingelegt, will sofort weiter, als Michael an mir vorbeifährt. „AARRRGGGHHH!!!“ Ich tobe hinterher. Mich selbst wild verfluchend.

Die Lücke zum e90 ist schnell wieder zugefahren. „Was jetzt?“ Nochmal überholen? Michael hat auch nachgelegt. Dann dämmert mir, dass ich mal nach meinen Tankinhalt schauen sollte. Ich bin in meiner achten Rennrunde. Plus Einführung sind das Neun. Die Tanknadel meint auch, dass man mal langsam ans Auffüllen denken könnte. Das Problem ist bloß… vor lauter Kampf habe ich der Box kein Zeichen gegeben. Eventuell geht aber auch noch eine Runde mehr? Eigentlich können wir etwas länger fahren als die e90. Neun Runden im Renntempo, wenn alles ideal läuft. Unser einziger, wirklicher Vorteil. Aber Neun plus Einführung, ob das reicht? Ich beschließe mal zu schauen, was das Auto macht. Die ganze Zeit habe ich formatfüllend das Heck des orangen e90 vor mir. Nach dem großen Sprung am Pflanzgarten stottert der Motor, Galgenkopf wieder. Die Tanklampe geht an und der Kontakt zum e90 reißt ab. Ok… wohl doch zu wenig Sprit. Genau im richtigen Moment meldet sich Björn von der Box. Ich sage ihm, dass ich reinkomme. Tanken und Fahrerwechsel. Der e90 hat jetzt ca. 200m Vorsprung. Das kann ich so nicht auf mir sitzen lassen! Der Fuß bleibt ab Antoniusbuche unten. Im Tiergarten bin ich wieder dran. Wir biegen in die Box ab. Michael bremst und ich knalle ihm fast rein. Damit hatte ich nicht gerechnet, wir haben noch gute 100m bis zum Schild. Das ist gerade nochmal gut gegangen! Ich suche die „24“ auf den VIP Lounges. Im reinrollen die Gurte lösen. Genau vor die Zapfsäule, raus. Mein erster Stint ist rum. Ich grinse. Vollgepumpt mit Adrenalin und glücklich. Der war gut. Richtig gut. So kann es gerne weitergehen!

Im Original und mit Fotos gibt es unter: http://ardortex.wordpress.com/2013/06/13/das-grosse-rennen/

(Es sind einfach zu viele Fotos, die auch alle einen Teil der Geschichte erzählen, um die nochmal zu bearbeiten und nochmal zu speichern. Sorry!)
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Peter_Hoffmann



Anmeldungsdatum: 03.04.2006
Beiträge: 237
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BeitragVerfasst am: Sa 15.Jun, 2013 0:36    Titel: Antworten mit Zitat

Und hier der zweite Teil:

Nach dem Start-Stint heißt es nun erst mal entspannen. Runterkommen. Das Grinsen aus dem Gesicht kriegen. Läuft. Nun sind die Kollegen dran. Ich gehe ins Teamzelt, essen. Die Pause sollte leider viel länger werden, als eigentlich geplant. Aber eins nach dem anderen.

Vier Stunden lang halten wir P5, dann schlägt der Defektteufel zu. Zündspule. Der fällige Boxenstopp kostet Zeit und leider bleibt es nicht bei dem einem Stopp. Insgesamt verlieren wir fast 20 Minuten bei drei Stopps. Das ergibt fast zwei Runden Rückstand. P7 in der Klasse und damit Vorletzte. Lange Gesichter allenthalben. Doch dann übernimmt Conny, der Teamchef höchstselbst. Es regnet und die Kollegen beschreiben die Streckenbedingungen draußen mit Worten wie „grenzwertig“. In seinen ersten, beiden Runden holt Conny Minuten pro Runde auf die vor uns platzierten Autos auf! Nur das Auto auf P2 in der Klasse fährt seine Zeiten. Der Rest der Klasse ist langsamer. Ich sitze schon in der Box und bereite mich langsam darauf vor, nach ihm ins Lenkrad zu greifen. Ich grinse bei Connys Zeiten. Schließlich habe ich ja die ganze Zeit erzählt, dass ich Regen will und ich weiß warum! Aber dann… dann schlägt das Eifelwetter zu. Gerade als Conny richtig den Klappstuhl ausgräbt und zum Angriff bläst, wird das Rennen unterbrochen. Nebel und richtig viel Wasser. Ich verstehe erst nicht was gerade passiert. Autos kommen in die Box, aber Conny ist einer der letzten, der reinkommt. Irgendwann macht das Wort vom Rennabbruch die Runde. Das Rennen ist tatsächlich unterbrochen. So eine $%#&!! Durch den Abbruch werden die letzten beiden Runden von Conny nicht gewertet. Wenn er so weiter reingehalten hätte, hätte er uns mindestens auf P5 zurückgefahren und ich bin auch nicht gerade der langsamste im Regen. Aber es nutzt nichts. Sicherheit geht vor, keine Frage und selbst Conny sagt, dass es nicht so ganz einfach da draußen gewesen ist. Das entspricht dann ungefähr dem, was Normalsterbliche als „unfahrbar“ bis „nicht-mal-zu-Fuß-würde-ich-es-probieren“ beschreiben würden. Nun beginnen X Stunden Untätigkeit. Rumhängen, Blödsinn treiben, Schlaf Versuche. Endlos lange Stunden! Bis wir dann Morgens gegen 7:00 Uhr erfahren, wann es wieder losgeht. Conny kommt zu mir, ich soll dann den Start fahren. Zum zweiten Mal. Ok, soll mir Recht sein. Schließlich regnet es ja noch. Und so beginnt die Geschichte quasi wieder am Anfang. Bis auf die Tatsache, dass unsere Ausgangsposition dieses Mal deutlich schlechter ist. Ich frage Conny, was wir machen. Er schaut mich an und sagt nur ein Wort. „Angriff.“ Wir müssen beide grinsen. Wohlan, so soll es denn sein, Chef!

Startaufstellung die Zweite. Dieses Mal lautet die Haupt-Aufgabenstellung dafür zu sorgen, dass die Scheiben nicht beschlagen. Also bleiben die Fenster zu. Das wird im Wortsinne ein heißer Ritt. Macht nichts. Der Camel-Bak ist voll. Markus sorgt via Schirm dafür, daß das Auto auch in der Startaufstellung innen trocken bleibt. Die Mühe hat sich gelohnt, es hat super funktioniert! Und so rolle ich dann bei guter Sicht in die Einführungsrunde.

Der Start ist etwas kribelliger als im Trockenen. Vor allem deswegen, weil unsere Startgruppe jetzt wild gemischt ist. Ich wähle die gleiche Taktik wie beim ersten Start. Rechts an die Mauer und bremsbereit sein. Äh ja. Theoretisch jedenfalls. Durch die Gischtwand sieht man genau nichts. Als die Bremslichter vor mir angehen, geht mir ein einziger Gedanke durch den Kopf: „hier doch noch nicht“. Auf der GP Strecke geht es noch, auf der Nordschleife wird es dann stellenweise anstrengend, was die Kollegen sich da zusammenfahren! Ich überhole an Stellen, wo man eigentlich nicht überholen kann. Nicht weil ich will, sondern weil die Kollegen teilweise so heftig bremsen, daß ich ihnen sonst auffahre. Dann überhole ich eben. Wir haben schließlich fast die ganze letzte Saison bei der RCN Regenfahren trainiert, wir RCN Fahrer können das! So geht das den ganzen Stint lang. Gegen aufkeimende Langweile werden noch ein Paar lustige „Code 60“ eingestreut. Zweimal habe ich dabei Porsche vor mir, die völlig schmerzfrei den Anker werfen. Was interessiert die auch, was hinter ihnen passiert? Durch den Krämer Porsche wäre ich bei so einer Aktion fast durchgefahren! Der hätte sich bestimmt gefreut, wenn so ein oller e46 sein sündhaft teures Spielzeug zu Altmetall verarbeitet hätte. Ansonsten sind meine Zeiten im Vergleich soweit ok. Nicht, dass ich das gewusst hätte. Nein. Als David mir meine Zeiten durchsagen will, frage ich ihn, wie schnell ich im Vergleich zu den Gegnern in der Klasse bin, beantworte mir die Frage aber gleich selbst. „Ist egal. Ich kann eh nicht schneller.“ Ich glaube David hat in dem Moment ein klein wenig an meinem Verstand gezweifelt.

Zwei erwähnenswerte „Großereignisse“ gab es während dieses Stints: Zum einen einen wunderschönen Dreher Mitten in der Hatzenbach. Im Ergebnis stand ich 90° zur Fahrtrichtung, blicke nach Rechts und sehe einen GT3 auf mich zufliegen. So schnell habe ich noch nie aus dem Stand beschleunigt! Ich rumpele über den Curb und drehe das Auto dann nach Links in Fahrtrichtung. Mehr oder weniger kontrolliert, auf der aufgeweichten Wiese. Der Dreck spritzt mir auf die Frontscheibe und nach 5-10 Sekunden bin ich wieder auf der Piste. Kaum habe ich Fahrt aufgenommen, klingelt das Telefon. Wie nicht anders zu erwarten, ist die Box dran. Der Dreher war wohl Live im Fernsehen zu sehen. Ob denn mit dem Auto alles in Ordnung ist. „Alles gut. Ich wollte nur ein bischen Show für die Fans machen.“ Den fast-Herzinfarkt dabei lasse ich mal geflissentlich unter den Tisch fallen.

Und dann war da noch die Ölspur des Jahres. Oder Sprit, oder Kühlmittel oder was-auch-immer. Wer macht sowas? Seinen Mist vom Linksknick vor dem Bergwerk bis Eschbach verteilen? Jedenfalls sehe ich die Ölflagge und in exakt dem gleichen Moment, kurz vor dem einlenken in den Linksknick, steht der e46 quer. Aber richtig quer! Durch den Linksknick und ich sehe im Bergwerk schon einen lustigen, kleinen Parkplatz. Oha. Während ich fast bis Anschlag gegenlenke, stelle ich mir die Frage, wie ich jetzt wohl Geschwindigkeit loswerde? Es hilft ja nix... im Slide, voll in die Eisen. Der Slide war stabil genug und so konnte ich das Auto quer runterbremsen. Dann Bremse auf, mit Gas geradestellen, nochmal bremsen, einlenken. Da lenkt nichts. Da hat auch die nächsten fünf Kilometer nicht wesentlich mehr gelenkt. Das Auto hat sich nur mit Gas lenken lassen. Die Runde war natürlich für die Füsse! Aber immerhin hab' ich den Koffer ganz gelassen. In dem Moment, wo ich den Parkplatz im Bergwerk gesehen habe, dachte ich „das war's, jetzt wird's teuer". Schwein gehabt!

Unweigerlich nähert sich meine Fahrt dann dem Lampe-geht-an-Punkt, also packe ich dieses Mal nach 9+1 zusammen und fahre die Jungs und Mädels in Box 24 besuchen. Vorher besuche ich allerdings noch die Rennleitung und sitze 1:20 Stop&Go ab. Nicht meine, sondern die eines Kollegen, dessen Namen mir gerade entfallen ist. Der war beim rausfahren aus der Box ein wenig übermotiviert. Alles in allem gab es ja auch genug Aufregung für einen älteren Herrn bei dem Stint. Da tut so eine Pause ganz gut. Nachdem die Zwangspause rum ist und ich den abgewürgten Motor wieder gestartet habe, geht's weiter zum Team. Einer raus, einer rein, weiter geht's. Als die Boxenstopp-Hektik rum ist, sehe ich grinsende Gesichter. Bekomme auf die Schultern geklopft. Ich grinse zurück. Die zweite Runde nach dem was-auch-immer-der-da-verteilt-hat-Chaos war ich im Kesselchen einen Tick zu vorsichtig, aber ansonsten wüsste ich nicht, wo ich, wie hätte schneller fahren sollen. Das die Jungs das auch so gesehen haben hat mich dann aber doch ein wenig stolz gemacht. Der Dreher? Na ja... wo gehobelt wird, fallen Späne. Ich war einfach einen Tick zu schnell an der Stelle. Passiert. Ich gehe mit einem breiten Grinsen frühstücken.

Ich rechne beim frühstücken ein wenig vor mich hin und komme zu der Überzeugung, dass ich „durch" bin. Jeder der beiden Roths noch einen und dann dürfte Conny zum Schluss einen eineinhalbfachen Stint ins Ziel fahren. Wäre ja auch nur fair, er ist bisher ja kaum zum fahren gekommen. Nach dem Frühstück mache ich ein wenig Katzenwäsche unter feldmarschmäßigen Bedingungen und suche dann den Teamchef auf, zwecks Abgleichs meiner Arithmetik. Ich bin auch „satt". Dieses wundervolle Gefühl, wenn Du gefahren bist und Du weisst, besser wird's Heute ohnehin nicht mehr. Ich lasse es dann gerne dabei bewenden, weil ich auch schon das ein oder andere Mal erlebt habe, dass es danach schlechter wurde, z.B. weil der Renngott gerade mal weggeschaut hat. Ich erläutere Conny kurz meinen Plan, aber er schaut mich nur an und schüttelt den Kopf. „Du fährst ins Ziel." Ok. Normalerweise ist es so, dass keinesfalls der gleiche Fahrer ins Ziel fährt, der den Start gefahren hat. Damit immer mindestens zwei Fahrer eine dieser „besonderen Runden" erleben können. Offenbar sind meine Kollegen aber der Meinung, dass ich so fein gejagt habe, dass ich die Jagd auch zuende bringen soll. Wir liegen aktuell auf P6 und ich habe uns recht deutlich an P5 und P4 herangefahren. Ok, schön und gut, aber Conny ist schneller als ich. „Nein. Du fährst." Das war eine Art Ritterschlag. Da diskutiert man dann nicht weiter. Das ist dann eben so.

Und so sitze ich knappe zwei Stunden vor Renn-Ende in der Box und bin nervös wie selten zuvor. Unser nächster Gegner sind die eigenen Teamkollegen. Die 197, der NexD e90. Ich frage Conny zur Sicherheit, ob ich den Platz halten soll. „Hol raus was geht." „Und wenn es schief geht?" „Dann geht's eben schief." Verstanden. Ende. Wir grinsen beide. Unser 325 kommt rein, Fahrerwechsel vom feinsten, die Jungs haben mich deutlich schneller verstaut und angeleint als der Tank befüllt ist. Und dieses Mal kommt es auf jeden Tropfen an! Denn wir liegen genau am Limit. Es kann sein, dass ich eine Runde vor Schluss nochmal Sprit fassen muss. Das Rennen endet ja nicht um 17:00 Uhr, sondern um 17:00 Uhr plus der Zeit, die der Sieger danach braucht, bis er über die Ziellinie fährt. Es können neun Runden werden, oder zehn. Mittlerweile stehe ich wieder auf Slicks, da gehen keine zehn Runden im Renntempo. Das klären wir dann über Funk, falls der Fall eintreten sollte. AJ gibt mir das Zeichen und ich mache mich auf den Weg.

Wie üblich bimmelt das Telefon bei der Anfahrt zur Müllenbach Schleife. Funk Test. Dieses mal leider erfolglos. Wie auch? Der Stecker steckt nicht drin. Passiert. Ist mir aber auch egal, sorry Björn! Meine Rundenzeiten sehe ich auf dem Laptimer, wenn ich reinfahre, setze ich in der Runde vorher den Blinker. Mehr Kommunikation brauchen wir nicht mehr. Wesentlich ist der Herr mit der schwarz-/weiss karrierten Flagge. Den gedenke ich in etwas mehr als 90 Minuten anzustrahlen. Aber der erste Teil des Auftrages lautet „197". Also los!

Es muss meine dritte oder vierte Runde gewesen sein, als ich die Teamkollegen dann im Visier hatte. Zum einen stelle ich mich auf Gegenwehr ein und zum anderen werde ich auf jeden Fall vorsichtig genug sein die Teamkollegen nicht versehentlich abzuräumen, wenn ich zum überholen ansetze. In der Hatzenbach bin ich dran und vor der letzen Rechts-/Links bleibe ich einfach aussen. Petra bremst, ich bremse später und bin in der Links innen. Das war's. Bis zum Forst bleibt Petra dran, aber dann schaffe ich es sie abzuschütteln. Auch Dank des zu überholenden Verkehrs. P5. Eigentlich sind P4 und P3 ausser Reichweite. Aber... man weiss nie, was passiert. Also lautet mein persönlicher Plan „Angriff" bis zum letzten Renn-Meter. Was das heisst, zeigt später die Zeitenliste. Allein in der Letzten Runde habe ich den beiden Autos vor mir jeweils über eine Minute abgenommen. Bis dahin ist aber noch etwas Zeit.

Erstmal Zeit für den obligatorischen Dreher. In jedem Stint einer. Diesmal wieder Ende Start-/Ziel. Wieder etwas übermütig bei der Wahl des Bremspunktes und wieder lasse ich die Welt um mich kreisen. Mittlerweile habe ich aber reichlich Übung, insofern hält sich der Zeitverlust in Grenzen. Beim anfahren höre ich im Auto das Klatschen von den Rängen. Es grinst breit unter dem Helm.

Dann gibt es in dem Stint noch zwei Begegnung der dritten Art. Einmal ist da der hundertwievielauchimmerjahre GT3 SLS, der es nicht schafft mich das Kesselchen hoch zu überholen. Erst Ausgangs Karussell geht er vorbei, parkt mir dafür aber bis zur DöHö die Strecke zu. Was war das denn? Hat Dunlop Mutti Beimer da 'ne Ehrenrunde fahren lassen? Oder hat irgendwer bei dem Auto 'ne Zylinderbank geklaut? Ähnlich begnadet war der Aston Martin mit der „100" unterwegs. Kurz nach der hohen Acht laufe ich auf und darf aus nächster Nähe einer Art „lass-uns-mal-raten-wo-hier-die-Strecke-langeht" Spiel zusehen. Überholen völlig unmöglich, da der Fahrer unberechenbar aber talentfrei durch die Eifel kurvt. Blau interessiert ihn nicht, Lichthupe genausowenig. Als er dann in der Eiskurve, für die dort postierte Fernsehkamera, auch noch vom Gas geht, schickt es mir. Der kurze Kampf BMW Stoßstange vs. Aston Martin Heck steht 1:0 für den BMW. Er erschreckt sich offenbar fürchterlich und hüpft mir förmlich aus dem Weg. Thanks but no thanks! Traumtänzer!

Kurz nach dem Zeitpunkt komme ich mir dann vor wie bei einem Rennslalom. Der einzige, echte Unterschied ist, dass die Pylonen sich Heute noch bewegen. So schön das alles mit „Emotionen" etc. pp ist... HALLOOOOO... WIR FAHREN HIER EIN RENNEN!!! Wenn Ihr schon Sightseeing machen müsst, dann benutzt verflucht nochmal wenigstens Eure Spiegel und achtet auf den Verkehr!

Auf der DöHö angekommen rolle ich meinen Handschuh hoch und schaue auf meine Armbanduhr. Die trage ich sonst nie im Auto, selbst auf der Straße nicht. Wohlweislich Heute schon. Es ist ungefähr 16:45 Uhr. Mindestens eine Runde muss ich also noch. Eventuell zwei. Je nach dem, wo der Führende gerade auf der Strecke ist. Es wäre praktisch, wenn ich jetzt wüsste, welche Startnummer führt. Tue ich aber nicht. Ich könnte ja über Funk nachfragen. Kann ich aber nicht. Egal. Ich beschliesse zu pokern. Meine Tankanzeige zeigt mir, dass der Sprit noch für gut zwei Runden reicht. Bei der Vorbeifahrt an der Box blinke ich, damit das Team auf jeden Fall in der nächsten Runde nicht überrascht wird, falls ich doch noch reinkomme. Ich setze den Slalom fort. Zu der Zeit fahre ich dann auch noch die schnellste Rennrunde unseres Autos. Trotz des Verkehrs. Das nächste Mal komme ich kurz vor 17:00 Uhr durch. Die Runde schaffe ich auf jeden Fall noch. Ich bleibe draussen. Sollte der Führende allerdings jetzt hinter mir sein und bleiben, dann bekomme ich ein Problem! Ich überlege kurz, ob ich versuche Sprit zu sparen. Nein. Wir liegen jetzt mit P4 in einer Runde und ich will jede Chance nutzen, die wir noch haben. Schlussendlich passt es. 17:08 werde ich abgewunken, wenn ich es richtig in Erinnerung habe. Nun will ich wissen, ob sich noch etwas geändert hat. Parc Fermé, raus aus dem Auto, zum Team.

Ich bin viel zu aufgeputscht um irgendwas zu empfinden. Es dauert noch ca. eine halbe Stunde, bis ich runterkomme und mich wirklich freuen kann. Aber dann kommt sie, die Freude. Nicht so sehr über den fünften Platz. Ich freue mich einfach über mein Rennen. Ich bin drei Stints gefahren und ich habe keine ernsthaften taktischen oder fahrerischen Fehler gemacht. Ich habe uns keine Zeitstrafen eingebrockt und keine unnötigen Boxenstopps verursacht. Ich war gute fünf Stunden, so schnell es ging, auf der Schleife unterwegs und habe nicht einen, wirklichen Fahrfehler gemacht. Der Treffer des Audi? Nein, den konnte ich nicht vermeiden. Da war einfach zu wenig Platz. Die Dreher? Nein. Das war „Maximum Attack" und dann kann sowas passieren. Ja, ich bin stolz auf mein zweites 24-Stunden-Rennen. Ich hoffe innständig, dass es nicht gleichzeitig mein letztes war. So sportlich unbedeutend dieses Rennen eigentlich ist, weil es ja zu keiner Meisterschaft zählt, so faszinierend ist es doch. Nicht weil es ein 24-Stunden-Rennen ist. Weil es einfach das 24-Stunden-Rennen auf der Nordschleife ist. DAS darf uns allen nicht verloren gehen! Und daher gibt es nur einen, möglichen Schluss dieses Berichts: Bitte unterstützt den Verein "JA zum Nürburgring" in seinem Kampf für UNSEREN Ring!

Im Original und mit Fotos gibt es den Teil unter: http://ardortex.wordpress.com/2013/06/15/das-grosse-rennen-teil-2/
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Stephan Reifenberg



Anmeldungsdatum: 21.07.2010
Beiträge: 31

BeitragVerfasst am: Sa 15.Jun, 2013 10:17    Titel: Antworten mit Zitat

Vielen Dank für diese tollen Berichte! Leider höhrt man ja viel zu wenig aus dem "Amateur" Lager.

MFG Stephan
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