Zeitungsartikel

Anmeldungsdatum: 27.06.2002 Beiträge: 510
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Verfasst am: Fr 10.Okt, 2003 9:29 Titel: Josef Moré - seit 14 Jahren Direktor des Dorint-Hotels |
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Gastgeber der Rennsport-Größen
Josef Moré ist seit 14 Jahren Direktor des Dorint-Hotels am Nürburgring - Alle Größen des Rennsportes zu Gast gehabt
"Das Haus ist über die Fernsehsender bekannt in aller Welt, trotzdem reisen keine Urlaubsgäste an, nur Tagesgäste und Geschäftsleute, darunter aber viele Prominente. Mit dem Fahrstuhl kommen Pkw direkt bis in den Konferenzsaal. Der Eifelgeist wird nur mit weißen Handschuhen getrunken." Es ist eben kein gewöhnliches Hotel, das Dorint am Nürburgring. Josef Moré ist auch kein gewöhnlicher Hotel-Direktor, er ist Gastgeber und uriger Typ, der weiß, was seine Gäste wünschen.
NÜRBURGRING. "Achtung, freilaufender Direktor" steht auf der Bürotür von Josef Moré, dem Chef des Dorint-Hotels am Nürburgring. Damit ist schon vieles gesagt über den 57-jährigen gebürtigen Ungar. Locker ist er im Umgang mit seinen Gästen und den 84 Angestellten, darunter 16 Auszubildende, aber knallhart, wenn es um das Wohl seiner Gäste geht. "Ich bin kein Direktor, ich bin Gastgeber", sagt er und als Gastgeber sei er verpflichtet, alles für seine Gäste zu tun.
Als das Vier-Sterne-Hotel 1989 an der Start-Ziel-Geraden der Grand Prix-Strecke gebaut wurde, war Josef Moré noch Hotel-Direktor auf Sylt. "Es war eine große Herausforderung, das neue Haus zu übernehmen, zumal ich auch recht wenig Ahnung vom Automobilrennsport hatte und kaum wusste, wo die Eifel liegt", erinnert sich Moré. Das hat sich inzwischen grundlegend gewandelt. Heute ist er unter den Größen dieser Sportart zu Hause, war für acht Jahre Präsidiumsmitglied im "Deutschen Sportfahrer Kreis" und wurde mit der "Graf Berghe von Trips Medaille" in Bronze und Gold geehrt. Ganz nebenbei wurde er von seinem Konzern auch als "Manager of the Year 2001" ausgezeichnet.
Sicherlich erhielt er diese Auszeichnung mit gutem Grund. Immerhin durchlaufen sein Haus pro Jahr 38 000 Gäste, die einen Umsatz von mehr als acht Millionen Euro bringen. Über 207 Zimmer verfügt das tribünenartig gebaute Haus. Durch die Fernsehübertragungen der Formel 1-Rennen ist die Charakteristik des Gebäudes in aller Welt bekannt. Fast ist es auch eine Tribüne, denn wer zum Rennwochenende kommt, hat aus den Zimmern, den Bars und Gesellschaftsräumen sowie der Terrasse freien Blick aufs Renngeschehen. Trotzdem reicht es nicht, eine Tasse Kaffee zu bestellen und damit auf einem Logenplatz zu sitzen. Wer das Haus betreten will, muss über eine Eintrittskarte vorweisen. Zur Formel 1 ist das Haus zu 70 Prozent vom Veranstalter gebucht, sprich von Bernie Eccelstone, die restlichen 30 Prozent werden frei vergeben. Allerdings weitgehend an finanzkräftige Stammgäste. So hat Direktor Moré schon die Hände aller Größen des Rennsports gedrückt und steht mit ihnen auf Du und Du.
Reden möchte er über die Gewohnheiten seiner sportlichen Gäste nicht. Es gibt Dinge, die sind einfach tabu. Nur so viel verrät er: Sie bevorzugen ausschließlich leichte Kost, in der Bar trinken sie Wasser oder Schorle und sind durchweg feine Kerle, die ganz einfach in Ruhe gelassen werden möchten. Rund geht es dagegen oft bei all denen, die im Tross kommen und ein erlebnisreiches Wochenende verbringen möchten. Treffpunkt ist die "Cockpit-Bar". Hier hat Josef Moré besondere Sitten eingeführt. So wird der eiskalte "Eifelgeist" nur mit weißen Handschuhen getrunken. "Früher auf Sylt habe ich dazu immer Friesengeist genommen, aber solche Getränke lassen sich nicht verpflanzen", sagt er und hat mit dem "Eifelgeist" einen ebenso großen Erfolg gelandet. 150 weiße Handschuhe liegen griffbereit unter der Theke. Auf die Frage eines Reporters, wo denn die Handschuhe herkommen, antwortete er: "Von den Sargträgern auf dem Friedhof in Adenau". Diese Geschichte ging rund um die Welt und niemand verlässt heute das Dorint, ohne wenigstens einen Eifelgeist getrunken zu haben.
Neben einem erstklassigen Hotel und Congresszentrum, in welches bei Präsentationen sogar die Autos per Fahrstuhl hinein kommen, ist das Dorint fast ein Museum. Die Cockpit-Bar ist eine wahre Requisitenkammer des Motorrennsportes. Morés Büro ist voll gestopft mit Andenken und Autogrammen, die Gänge und Flure geschmückt mit alten Postkarten und Fotos, natürlich alle zu einem Thema: Der Nürburgring. Trotz seines oft 16 bis 18 Stunden dauernden Arbeitstages ist Josef Moré glücklich mit seinem Beruf. Von der ersten Stunde an trägt das Haus seine Handschrift. Nachteil ist allerdings, dass Ehefrau Annette, die drei Kinder sowie Hund und Wellensittich in ihrem Haus bei Gerolstein oft auf ihn verzichten müssen. "An gut 300 Tagen in Jahr bin ich abends nicht zu Hause", sagt er. Trotzdem hofft er, dass der Formel 1-Zirkus und all die anderen Veranstaltungen noch lange die Kasse klingeln lassen. Schließlich lebt ja nicht nur das Dorint davon, sondern "die halbe Eifel".
Jochen Tarrach
Quelle: Rhein-Zeitung, 9.Okt.2003 |
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