Von Dieter Weidenbrück, Dienstag 9.Juli 2013

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Ein anonymer Kenner der Szene meinte gerade zu mir, dass der Insolvenzprofessor jetzt im Interesse des Schönredens wirklich vollkommen übergeschnappt sei. Ich bemühe mich gerade, sachliche Argumente gegen diese Aussage zu finden, allerdings ohne übermäßigen Erfolg.

Zunächst ein Dank an Dietmar Brück von der Rhein-Zeitung, der dem Insolvenzverwalter eine perfekte Bühne bot, um seine profunden (oder war das Wort profanen?) Sachkenntnisse der Verhältnisse am Nürburgring darstellen zu können. Man lernt ja doch viel aus den Aussagen.

"Wir brauchen diese Infrastruktur dringend für die sportlichen Großveranstaltungen. "
Ganz sicher. Schließlich war es ja in den ersten 85 Jahren der Existenz des Nürburgrings so gut wie unmöglich, Großveranstaltungen zu organisieren. Über Jahrzehnte hinweg sind Besucher fast verhungert, weil das Eifeldorf nicht existierte. Und ohne das Eifelstadlheim saßen die Leute nur gelangweilt herum und mußten sich mit Motorsport begnügen.
Und die Ring°Arena erst. Wo hätte man sonst die ganze Frischluft zwischenlagern sollen, die man für die vielen Besucher so braucht?

"Alle Ausstellungsflächen waren bis auf den letzten Quadratmeter genutzt. Das ist auch bei anderen Großveranstaltungen so."
Aha. Dann schauen wir doch mal, wie es bei den 24h war und nächste Woche beim Truck-GP. Zum Glück sind VLN-Läufe ja nur Kleinveranstaltungen, so dass dort der Spruch keine Anwendung findet.

"Mit Freizeitpark hat der Boulevard rein gar nichts zu tun."
Wer würde da schon widersprechen? Ich liebe die seltenen Momente, wo wir einer Meinung sind, Herr Professor!

"Die „Grüne Hölle“ ist intakt. Sie ist vollkommen angenommen von den Besuchern."
Wenn mit den Besuchern die Schimmelpilze gemeint sind, mag das stimmen (ich glaube nicht an die endgültige Beseitigung). Aber ansonsten ist das ein solcher Blödsinn, dass sich noch nicht einmal das Kommentieren lohnt.

"Für das ganze Areal gilt: Ohne die 2009 errichteten Kapazitäten – also die Gastronomie, die Hotels, die Businessbereiche und Ausstellungsflächen – könnten wir motorsportliche Großevents gar nicht professionell betreiben."
Siehe oben. Vor allem frage ich mich, warum die Flächen meist leerstehen, wenn ohne sie ein professioneller Betrieb gar nicht erst möglich ist?
Es hat nie an Flächen gemangelt, die M-GmbH, Audi und andere Unternehmen gezeigt, wie sie bei Bedarf mal eben in der Hatzenbach oder am Flugplatz Eventflächen geschaffen haben.

"Der Coaster ist betriebsbereit und geht auch in Betrieb."
Das glauben wir dann, wenn das auch wirklich passiert.

"Das ist Rennsport für die Kleinen."
Ein schöner Werbespruch für die Kartbahn, die ja offensichtlich ganz gut funktioniert. Vielleicht sollten Sie mal ein paar Lutscher am Eingang verteilen?

"Zusammenfassend kann man sagen: Es gibt am Nürburgring keinen Freizeitpark und schon gar nicht einen überdimensionierten."
Da muss ich widersprechen. Als Freizeitpark sind die Bauten zwar kaum zu bezeichnen, aber in der Dimension hat sie niemand gebraucht. Ein zukünftiger Eigentümer und Betreiber wird eine schwere Bürde zu schultern haben, um diese Gebäude einer sinnvollen und kostendeckenden Nutzung zuzuführen. Der Versuch, die fast vollständig leer stehenden Gebäude, die im Winter noch nicht einmal soweit geheizt wurden, dass alle Räume genutzt werden konnten, als angemessen und notwendig zu beschreiben, geht weit an der Wirklichkeit vorbei. Wann ist zum letzten Mal eine Großveranstaltung in der Ring°Arena durchgeführt worden? Wie viele Tage im Jahr ist die Bahnhofshalle tatsächlich vollständig vermietet? Was ist mit den Ladenlokalen?
Es können neue Ideen zur Nutzung entwickelt werden, und sie müssen es auch. Aber für die Durchführung von Veranstaltungen spielen solche Räume nur eine untergeordnete Rolle.

"Ich bin froh, dass wir für Großveranstaltungen die erforderliche Infrastruktur heute haben, die das Land für viel Geld errichtet hat."
Das denke ich mir. Hätte das Land das Geld nicht verpulvert, hätte es keine Insolvenz der Gesellschaft gegeben, und es hätte keinen Bedarf für einen Insolvenzverwalter gegeben, der jetzt nur unter Einsatz der ehrwürdigen Rennstrecke überhaupt noch Geld herausschlagen will aus einem Komplex, der nach seiner eigenen Schönfärberei unverzichtbar, nicht überdimensioniert und profitabel ist.

"Die Nagelprobe für den Ganzjahresbetrieb steht noch aus."
Bleiben Sie so lange vor Ort, bis das Ergebnis feststeht? Ein Winter wird schon reichen...

"Der „Nürburgring 2009“ hat eine Perspektive und er bietet jede Menge Chancen für den Motor- und Breitensport, Musikevents und die Region."
Ja, das sehe ich auch so. Aber nicht für einen privaten Eigentümer/Betreiber, der auf Kosten der Region Profit macht, sondern entweder weiterhin in öffentlicher Hand (vielleicht gepaart mit einem gemeinwohlorientierten Betreiber), oder aber in den Händen eines Eigentümers, der sich am Gemeinwohl orientiert und dem Breitensport und der Region verpflichtet fühlt.

Und der muß ein passendes Konzept für alle Bestandteile entwickeln, ohne weiteren Schaden in der Region anzurichten. Der Kaufpreis ist dabei nebensächlich. Nur ein langfristig kostendeckendes Konzept kann den Ring retten. Und ein solches baut man nicht auf Luftschlössern auf, wie sie hier en masse präsentiert wurden.